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Pempelfort
Vom Scheitel bis zur Sohle

Pempelfort: Vom Scheitel bis zur Sohle
Alfred Summek in seinem Geschäft an der Schwerinstraße. Schon sein Vater und sein Großvater waren Schuhmacher. FOTO: Andreas Bretz
Pempelfort. Der Schuhmachermeister Alfred Summek ist am Sonntag 80 Jahre alt geworden. Er steht noch immer jeden Werktag in seinem Geschäft an der Schwerinstraße in Pempelfort. Und das nun schon seit genau 50 Jahren. Von Marc Ingel

Alfred Summek zählt zu jenen Menschen, denen man ihr Alter nicht unbedingt ansieht. Seine kokettierende Erklärung: "Ich habe immer so viel gearbeitet, ich hatte keine Zeit zum Altwerden." Am Sonntag feierte der Schuhmacher seinen 80. Geburtstag, und nach wie vor steht er jeden Werktag in seinem Laden an der Schwerinstraße 3 - seit exakt 50 Jahren. Nicht, dass er es finanziell nötig hätte, das Haus, in dessen Erdgeschoss sich sein Geschäft befindet, gehört ihm ebenso wie das nebenan. Aber Summek kann halt nicht anders.

Das liegt auch daran, dass er das Feld nur ungern den Scharlatanen überlässt, die in wenigen Minuten einen Schuh mehr schlecht als recht zusammenflicken. Das sind für ihn Schnellschuster, die in einem dreitägigen Crashkurs einen nie im Leben ausreichenden Einblick in das doch so umfassende Metier genommen haben und entsprechend nur Murks produzieren, der schlimmstenfalls sogar gesundheitliche Schäden nach sich zieht. Er dagegen ist Schuhmachermeister, hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, bürgt nicht nur für höchste Qualität, sondern sorgt sich auch um die Gesundheit seiner Kunden - vom Scheitel bis zur Sohle.

Wenn Summek über seine Arbeit redet, klingt er schnell wie ein Orthopäde und nicht wie ein Handwerker. "Das hat nun mal auch viel mit Medizin zu tun", sagt er dann fast entschuldigend. Alfred Summek kommt eigentlich aus Sondershausen bei Erfurt. Als 17-Jähriger hat er dort das Konservatorium besucht, war Sänger. Er glänzte zuvor im Schulchor mit seiner Oberstimme und hatte dann nach dem Stimmbruch einen ausgezeichneten Bassbariton. "Aber die Familientradition ging vor", erklärt er rückblickend, warum sein Weg ihn in die Werkstatt und nicht in den Konzertsaal führte. "Mein Vater war Schuhmacher, mein Großvater auch", fügt er hinzu. Mit 21 Jahren war er der jüngste Meister im Lande, mit 22 kam er nach Düsseldorf, "weil hier alle meine Verwandten wohnten". Sein erster Betrieb war an der Schlossstraße. 1964 kaufte er das Haus an der Schwerinstraße, ließ es umbauen und eröffnete ein Jahr später jenen Laden, in dem er heute noch seine Kunden empfängt.

Verdient ein Schuhmacher denn so viel, dass er sich ein mehrstöckiges Haus leisten kann? "Damals zumindest schon, das war ein sehr angesehener Beruf", erklärt Summek. Damals, da war die Schwerinstaße noch verrufen, auch auf der Nordstraße gab es nur wenige Läden. Schuhmacher existierten dagegen zuhauf, "allein fünf Stück auf der Schwerinstraße. Und nur ich bin übriggeblieben. Weil ich mehr Zeit in der Werkstatt und weniger in der Kneipe zugebracht habe", sagt Summek und kann sich ein Kichern nicht verkneifen. "Schuhmacher hängen nun mal am Tropf, um den ganzen Staub vom Tage hinunterzuspülen."

Sein Geschäft lief jedenfalls immer prächtig. So gut, dass der Handwerksmeister irgendwann auch das Nebenhaus kaufte. "Das war ein mieses Spekulanten-Modell. Ich habe die einzelnen Eigentümer der Wohnungen dann nach und nach von ihrem Übel erlöst." Wiederum investierte Summek viel Geld, Zeit und Geduld in die Sanierung, wie er sagt, "und es hat sich gelohnt. Ich bin ein guter Vermieter, wer eine Wohnung bei mir hat, verlässt die freiwillig nur mit den Füßen zuerst."

Persönlich hat Alfred Summek rund 40 Paar Schuhe. "Die brauche ich auch alle", sagt er, "zum Arbeiten, Spazieren oder Ausgehen, jedes Paar hat seine Bestimmung". Wie sein Leben. "Meine ist es nun mal, Schuhe zu reparieren."

Quelle: RP
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