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Pempelfort
Wie zauberhaft!

Pempelfort. Das nostalgische Spielwarengeschäft von Joachim Thiess alias Zauberer Radini kommt ohne Hightech-Spielzeug aus. Deswegen dauert es manchmal eben auch etwas, bis die Kinder damit etwas anfangen können. Von Semiha Ünlü und Anne Orthen (Fotos)

Manchmal sind es die Kinder, die das Spielen erst einmal erlernen müssen. In der "Mondschnuppe" von Joachim Thiess passiert das besonders häufig. Denn die Spielwaren, Scherz- und Geschenkartikel kommen dort ganz ohne Hightech aus, die den Kindern aus Computer- und Konsolenspielen und auch aus anderem Spielzeug mit elektronischen Chips so vertraut geworden ist. In dem Familienbetrieb an der Pfalzstraße 2 wird von den Kindern mehr erwartet, als sich per Klicks und Slides durch von Designern durchgestaltete Welten zu bewegen: Kreativität, Fantasie handwerkliches und körperliches Geschick.

Genau das ist es, was es vielen Kindern aber anfangs manchmal etwas schwer macht, die teilweise nostalgischen Spielwaren in der Mondschnuppe auf Anhieb richtig zu "bedienen". "Die Kinder sind es nicht mehr gewohnt, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und ihren ganzen Körper, ihren Gleichgewichtssinn zum Beispiel, beim Spielen einzusetzen", sagt Joachim Thiess. Deswegen dauere es eben manchmal etwas, bis die Kinder die Kniffe für ein Spiel herausfinden und entwickeln. Was kann man mit ein paar Murmeln anfangen oder mit einer Regenbogenspirale, wie kann man einen Drachen steigen lassen, wie jonglieren, Laufdollis benutzen oder mit Fingerpuppen spielen? Und was soll man eigentlich mit dem Buzzer (Summer) anstellen? "Wir wollen die Fantasie der Kinder anregen, deswegen müssen sie überlegen, was sie damit machen wollen: Einige setzen den Buzzer vielleicht bei einem Spiel mit Raumschiffen ein, andere bei einer Quizshow", sagt der Sohn des Inhabers, Johannes Thiess, der in der Mondschnuppe mitarbeitet.

2002 zog Joachim Thiess mit seinem Geschäft von Oberbilk nach Pempelfort. Dass er Inhaber eines Geschäfts für Spielwaren, Zauberzubehör, für Geschenk- und Scherzartikel wurde, war allerdings kein langgehegter Kindheitstraum. Denn seine Leidenschaft galt eigentlich der Musik. Da der Saxofonist aber früher oft auf Jahrmärkten spielte, sah er immer wieder Artisten und Zauberer, die ihn faszinierten. "Irgendwann dachte ich mir dann: Das musst du auch mal probieren!", sagt der inzwischen 63-Jährige. Erst lernte Thiess das Jonglieren, dann ließ er sich in die Geheimnisse der Zauberei einweihen: Seit vielen Jahren kennen Düsseldorfer ihn als Zauberer Radini, der zum Beispiel Seiltricks vorführt. Und inzwischen ist er es, der immer mal wieder anderen hilft, sich diesen Traum zu erfüllen. In Workshops oder in seinem Geschäft, in dem er Einräder, Diabolos und Jonglage-Bälle und -Teller, ebenso Koffer für magische Effekte verkauft.

Verspielt sind auch die Geschenke-Ballons in dem Familienbetrieb. Einige haben die Form von Einhörnern oder Piratenschiffen, andere sind wiederum transparent, haben aber einen besonderen Clou: Will man zum Beispiel an das Geldgeschenk im Inneren des Ballons, muss man diesen zerstechen. Dann regnet Konfetti auf einen hinab und Mini-Ballons steigen auf. Neben Privatleuten melden sich inzwischen auch immer häufiger Unternehmer, die sich von Thiess Ballons wie Kunstwerke dekorieren lassen. Dafür hat sich der 63-Jährige ausbilden lassen.

Zwischen nostalgischen Gesichtsmasken, Knall- und Knackfröschen, bunten Spiralen, die sich die Treppenstufen hinunterbewegen können, Glanzpapier mit Feen und nostalgischen Miniatur-Karussells, die sich zur Musik drehen, fühlen sich viele Erwachsene meist in ihre eigene Kindheit versetzt. Für die Jüngeren ist das magische Kinderabenteuerland eine Reise in eine eher fremde Welt, in der sie sich erst einmal orientieren müssen. "Wenn die Kinder etwas ausprobieren, sind sie aber meistens nicht mehr zu halten", sagt Joachim Thiess und lacht. Deswegen ist die Mondschnuppe eben nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Quelle: RP
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