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Rath
Eine Sportlerin mit Herz und Disziplin

Rath: Eine Sportlerin mit Herz und Disziplin
Inge Zinnenlauf erteilt seit 60 Jahren Sportunterricht - mit Vorliebe Kindern. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Rath. Generationen von Sportlern hat die Ratherin Inge Zinnenlauf betreut und ihnen die Liebe zur Bewegung vermittelt. Der Spaß kam dabei nie zu kurz - obwohl die heute 74-Jährige keinen Schlendrian duldete. Von Julia Brabeck

Ein gleich dreifaches Jubiläum kann Inge Zinnenlauf in diesem Jahr feiern. Seit 60 Jahren gibt sie Sportunterricht, seit 50 Jahren hält sie diesen in der Turnhalle am Rather Markt ab, und genauso lange existiert der von ihr ins Leben gerufene Frauenstammtisch der Sportlerinnen.

Ihr Ruf "Alles an die blaue Linie" ist legendär, denn die resolute und durchtrainierte Zinnenlauf duldet keinen Schlendrian in ihren Sportstunden. Das sorgt besonders für Überraschung bei den Neulingen beim Mutter- und Kind-Turnen. Während bei anderen Übungsleitern die Eltern quatschend auf der Bank sitzen, müssen sie bei Inge mit den Kindern unter der Bank durchkrabbeln, über diese balancieren und mit einer Hockwende überwinden. In Zinnenlaufs Stunden geht es diszipliniert zu, sie weiß noch, wie man eine ordentliche Rolle vorwärts beibringt. Dabei vermittelt sie aber vor allen Dingen die Freude an der Bewegung. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Kinder, die sie früher unterrichtet hat, heute mit dem eigenen Nachwuchs bei ihr am Mutter-Kind-Turnen teilnehmen.

Bereits mit 15 Jahren unterrichtete die heute 74-Jährige Kinderturnen an der Seite von Josef Mühlenbach in der Turnhalle am Rather Kreuzweg. Als 1965 die Schulturnhalle am Rather Markt gebaut wurde, war Inge Zinnenlauf für den Rather Turnverein am Aufbau des Übungsbetriebs beteiligt. Damals unterrichtete sie Mutter- und Kind-Turnen, Kinder- und Leistungsturnen, Frauen- und Herrengymnastik. Viel Zeit und Kraft investierte sie außerdem 48 Jahre lang bei der Abnahme des Sportabzeichens, das sie selber 36 Mal errang. Trotz dieser vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten legte die gebürtige Ratherin 1967 die beste Diplomarbeit ihres Studienjahrganges und mit der Note "sehr gut" das beste Diplom-Sport-Lehrer-Examen in Köln ab. "Sport ist meine Leidenschaft, deshalb hätte ich mir auch nie einen anderen Beruf vorstellen können", sagt Zinnenlauf. Sie bedauert es, dass viele Kinder heute nicht mehr Grundfertigkeiten wie Gleichgewicht oder Balance halten besitzen würden. "Auch das Durchhaltevermögen hat leider abgenommen, und so ist es schwerer, die Kinder zu motivieren."

Ein hohes Durchhaltevermögen haben hingegen die Gymnastikfrauen aus Zinnenlaufs erster Frauen-Sport-Gruppe bewiesen. Seit 50 Jahren treffen diese sich einmal in der Woche zu einem Stammtisch. Begonnen hatte diese langjährige Tradition eigentlich zufällig. Nach einer schweißtreibenden Gymnastikstunde wollten sich fünf Sportlerinnen in einer Gaststätte erfrischen. Da an diesem Abend alle anderen Kneipen geschlossen hatten, landeten sie in der Wirtschaft "Nickel". Dort feierten die Germania Schützen mit einer Blaskapelle einen 60. Geburtstag. "Damals war es nicht üblich, dass Frauen alleine in eine Gaststätte gehen", erinnert sich Zinnenlauf und glucks heute noch darüber vor Lachen. Erst trauten sich die Frauen deshalb auch nicht hinein, sondern lugten vorsichtig durch einen Vorhang am Eingang. Doch die Damen in Sportbekleidung wurden schnell entdeckt und hereingebeten. "Wir setzten uns erst schüchtern an den hintersten Tisch. Doch dann wurde es ein lustiger und langer Abend mit Tanz und viel Spaß."

Was die Turnerinnen allerdings nicht bedacht hatten, war, dass sie zu Hause erwartet wurden. So machte sich der Ehemann von Turnerin Hanni Eckes auf dem Weg, um seine Frau in ganz Rath zu suchen. Nur bei "Nickel" schaute er nicht hinein, weil ja dort die Schützen feierten. Er sei stinksauer gewesen, als sich später herausstellte, dass seine Frau doch dort gewesen war. "Und als Betriebsleiter der Firma Mannesmann hat er 14 Tage später in der Werkszeitung über das ,unzüchtige Treiben der Oberrather Gymnastikfrauen' berichtet", so Inge Zinnenlauf. Doch mit dieser Aktion hatte Eckes den Widerstand der Frauen provoziert und der Gründung eines Stammtisches Vorschub geleistet. So beschlossen die Turnerinnen erst recht, sich nun regelmäßig in einer Kneipe zu treffen.

Quelle: RP
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