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Rath
Kriegsgeschichte im Waldboden

Rath. Heute ist der Aaper Wald einer von Düsseldorfs schönsten Grünflecken. Das war nicht immer so, Vieles erinnert an die beiden Weltkriege. Bei einer Führung lernen Interessierte die Geschichte des Ortes kennen. Von Falk Janning

Ein Reh lugt zwischen den Bäumen hervor und springt dann tiefer in den Wald hinein. Im Aaper Wald im Stadtteil Rath gibt es Idylle pur. Doch das war nicht immer so. Verborgen in den Waldabschnitten liegen Zeugen der zurückliegenden Kriege - Schießstände, Bunker und Bunkerruinen. Peter Schulenberg kennt sich damit bestens aus. Der 69-Jährige, der neben seiner früheren Arbeit als Industriekaufmann eine Ausbildung als Archäologe absolvierte, ist heute ehrenamtlicher Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit den zwischen Bäumen, unter Laub und in der Erde versteckten Geheimnissen des 200 Hektar großen Waldes, von denen viele Spaziergänger und Wanderer nichts ahnen. Der Gerresheimer hat zum Beispiel in mühsamer Kleinarbeit die Schießstände kartiert, die die Preußen im 19. Jahrhundert angelegt haben und die im Aaper Wald immer noch deutlich sichtbar sind.

Den Wald mit anderen Augen zu sehen, lernten 40 Düsseldorfer, die Schulenberg zu einer zweieinhalbstündigen Wanderung mit großer historischer Aussagekraft eingeladen hatte. Für sie ist es ein Tag der Entdeckungen. Der Archäologe machte in dem beliebten Düsseldorfer Naherholungsgebiet die vielen Spuren aus der Zeit der militärischen Vorbereitung des Ersten Weltkrieges aus preußischer Zeit und aus dem unmittelbaren Geschehen des Zweiten Weltkrieges sichtbar, berichtete von Bunkern, Wiesen und unerklärlichen Löchern im Wald.

"Der Wald ist eine bedeutende Quelle für unsere Geschichte", sagt er, als nur wenige Meter entfernt vom Wanderparkplatz an der Ecke von Bauenhäuser Weg und Rennbahnstraße die ersten Wälle und Gräben sichtbar werden. Sie gehören zu den einstigen Infanterie-Schießständen, die die Preußen anlegten. Mitte Februar des Jahres 1877 wurden die zwölf parallel angelegten Schießbahnen in Betrieb genommen, die eine Länge von bis zu 150 Metern haben.

Sie sind zwar nicht mehr so steil wie früher und nun von Bäumen bewachsen, aber immer noch gut sichtbar. "Die hohen Erdwälle sollten vor Querschlägern schützen. Die Schießbahnen, die durch einzelne Erschließungsstraßen verbunden wurden, dienten der Ausbildung von Gefechtstruppen und Einzelschützen auf kürzere Entfernungen im Liegen und Knien. Geübt werden konnten Angriffsformationen und Zielgenauigkeit", so Schulenberg. In den Gräben übten bis zum Jahr 1910 die Soldaten des in Düsseldorf stationierten preußischen Füsilierregiment 39 den Umgang mit der Waffe. Seit Ende des Deutschen Krieges von 1866 war das gesamte Regiment in Düsseldorf stationiert.

"Auf dem ganzen Gelände befindet sich eine Unmenge an Blei und Patronen, vor allem natürlich in den Kugelfangwänden." Danach zu suchen, ist privaten Schatzsuchern aber freilich verboten. "Wer an einem Bodendenkmal sucht, der braucht in jedem Fall eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, die gibt es für private Schatzsucher aber nicht", sagt der Fachmann.

Im Zweiten Weltkrieg reaktivierte die Wehrmacht das Übungsgelände nochmals und nutzte die Anlage teilweise als Munitionsdepot. "Von hier aus fuhren die Lastwagen beladen mit Munition an die Front", sagt Schulenberg und deutet auf einen etwas breiteren Weg. Kurz nach Kriegsende sprengten die Alliierten dann die Munitionsbestände der Wehrmacht. "Allerdings so, dass die Munition über mehrere hundert Quadratmeter verteilt wurde. Aus diesem Grund ist das Graben im Gelände lebensgefährlich", sagt Peter Schulenberg, der während seiner Arbeiten bereits auf einige Blindgänger gestoßen ist.

Während der packenden Führung durch den Aaaper Wald im Düsseldorfer Stadtteil Rath ging es auch um die sechs oder sieben während des Zweiten Weltkrieges im Wald abgestürzten Flugzeuge, um die vielen Hundert und bis heute immer noch sichtbaren Krater, die von Bomben stammen, die eigentlich das nahe Gelände der Rüstungsfirma Rheinmetall treffen sollten, sowie einen Bunker, in dem sogar eine Teilnehmerin des Rundganges an der Hand ihrer Mutter im Jahr 1944 Schutz gesucht hatte.

Quelle: RP
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