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Serie Nahversorgung in Düsseldorf
Wenn die Ware zu den Bürgern rollt

Serie Nahversorgung in Düsseldorf: Wenn die Ware zu den Bürgern rollt
Anwohnerin Isabelle Tarot-Fischl kauft gerne am Wagen von Peter Baakes frische Produkte ein. FOTO: Andreas Endermann
Rath. Peter Baakes fährt seit 48 Jahren durch Wohngebiete und verkauft dort Obst und Gemüse. Seine Ware wird besonders für ihre Frische geschätzt. Ein Rezept für die unterversorgten Stadtteile? Von Julia Brabeck

Bevor Peter Baakes um die Ecke biegt, ist er schon hörbar. Der Händler hält seinen Arm aus dem Fenster und läutet eine große Glocke. Kaum hat er in der Straße Am Götzenkothen geparkt, öffnen sich die Haustüren. Baakes wird erwartet. Er ist einer der wenigen fahrenden Händler, die es noch in Düsseldorf gibt. Für seine Kunden findet dann ein munteres Markttreiben direkt vor der Haustüre statt - denn wie es sich an einem Marktstand gehört, wechseln nicht nur einfach die Waren den Besitzer, sondern es gibt noch Tipps für die Zubereitung und Lagerung und ein kleines Schwätzchen dazu.

Und als eine Kundin sich für ihre Unentschlossenheit aufgrund starker Kopfschmerzen entschuldigt, bekommt sie zum Trost sogar noch ein kleines Schälchen Pflaumen von Peter Baakes geschenkt. Seit 48 Jahren ist er dienstags, donnerstags und samstags auf unterschiedlichen Routen in den Stadtteilen Rath und Unterrath unterwegs und versorgt die Bürger mit Obst, Gemüse, Kräutern, Eiern und selbst gemachter Marmelade. "Der Großteil der Ware stammt von meinem Bauernhof und ist deshalb besonders frisch.

Nur wenige Dinge kaufe ich dazu", sagt der Meerbuscher Landwirt. Einige Straßen weiter, in der Wendersstraße, reicht sein heftiges Geläute nicht mehr aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Da Baakes aber weiß, dass dort sehr viele Stammkunden wohnen, klingelt er bei diesen noch einmal extra an den Türen. Mit Erfolg, denn kurze Zeit später finden sich vier Frauen mit großen Körben und Taschen an seinem mobilen Laden ein. "Diese Einrichtung ist unheimlich praktisch für uns, und ich mag es sehr, hier einzukaufen, denn ich lege Wert auf Produkte aus der Region", sagt Isabelle Tarot- Fischl.

Besonders die Kartoffeln seien lecker, sagt sie, und die anderen Kunden nicken dazu. Spezialitäten von Baakes sind im Frühjahr aber auch noch Spargel und Erdbeeren. Wenn er die in seinem VW-Bus dabei hat, erhöht sich die Zahl seiner Kunden drastisch. "Früher waren hier noch mehr fahrende Händler unterwegs. Ein Geflügel-Wagen und ein Brot-Wagen kamen immer in unsere Straße. Aber die Leute sind ja selbst schuld, wenn die Händler irgendwann aufgeben, denn oft wurde dort nur eingekauft, wenn vorher im Discounter etwas vergessen wurde", sagt Petra Ortmanns.

Auch auf den Service von Peter Baakes werden die Rather und Unterrather bald verzichten müssen. "Ich bin jetzt 73 Jahre alt und will Anfang nächsten Jahres aufhören." Die Gesundheit macht ihm zu schaffen und auch seine Kundschaft sei immer weniger geworden, viele Stammkunden seien gestorben. "Viel mehr Menschen als früher arbeiten ja auch", sagt Baakes, der früher noch mit Traktor und Anhänger per Fähre über den Rhein nach Düsseldorf kam.

"Das ist aber echt schade und wir werden das Angebot sehr vermissen", sind sich die Stammkunden einig. "Zumal das ja besonders für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, ein guter Service ist", sagt Ortmanns. Denn Baakes schleppt ihnen nicht nur die schweren Kartoffelsäcke ins Haus und nimmt Bestellungen entgegen, sondern bedient bei Glatteis direkt an der Haustür. In der Wendersstraße hat der Händler heute ein gutes Geschäft gemacht.

Nachdem er seine Güter angepriesen, mit einer alten Waage mit Gewichten seine Ware abgewogen und Körbe und Taschen gefüllt hat, knallt er schwungvoll die Türen seines Busses zu, ruft ein fröhliches "Auf Wiedersehen" in die Runde und fährt zum nächsten Standort weiter.

Quelle: RP
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