| 00.00 Uhr

Rath
Wo die Medaillen für die EM herkamen

Rath. Als Hersteller von Münzpressen hat sich Sack & Kiesselbach einen Namen gemacht. Auch die Medaillen für die Handball-EM 2016 wurden auf Pressen aus Rath gefertigt. Jetzt feiert das Unternehmen 125-jähriges Bestehen. Von Julia Brabeck und Anke Kronemeyer

Der Stadtteil Rath ist bis heute industriell geprägt. Viele Firmen siedelten hier bereits in den 1880er Jahren, da sie eine gute Anbindung an zwei Eisenbahnstrecken und viel Platz vorfanden. Eines der ersten Unternehmen, das noch vor der Ansiedlung von Mannesmann im April 1891 von Hugo Sack und Clemens Kiesselbach als eine Fabrik zur Herstellung von Dampfmaschinen in Rath an der Westfalenstraße gegründet wurde, ist "Sack & Kiesselbach". Die Firma besteht noch und kann in diesem Jahr 125-jähriges Jubiläum feiern. Aber nicht mehr in Rath, denn im März dieses Jahres ist die Firma nach Meerbusch in den Stadtteil Langst-Kierst gezogen. Das Firmengelände in Rath wird zurzeit neu entwickelt. Dort werden ein großer Supermarkt und mehrere kleine Geschäfte, Büroräume, eine dreigruppige Kindertagesstätte, ein Park, ein Marktplatz und 160 Mietwohnungen gebaut. In zwei Jahren sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Auf dem 30.000 Quadratmeter großen Areal wurde von Sack & Kiesselbach noch vor dem Ersten Weltkrieg die stärkste Dampfmaschine Europas mit 15.000 PS für die Walzstraße eines Stahlwerkes gebaut. 1927 stellte das Unternehmen dann die erste hydraulische Einsenkpresse her und hat sich in der Zwischenzeit mit mehr als 1500 Pressen weltweit einen Namen gemacht. 1974 wurde die eigene Produktion in den vielen Montagehallen in Rath eingestellt. Produziert wird seitdem hauptsächlich in der Nähe von Hannover.

Heute entwickelt die Firma maßgeschneiderte und schlüsselfertige Pressensysteme für Münzen und Medaillen. Die Medaillen der Handball-EM 2016 wurden beispielsweise auf einer Presse von Sack & Kiesselbach geprägt. Aber auch ungewöhnliche Wünsche kann das Unternehmen erfüllen. So prägt es für den kleinen pazifischen Inselstaat Niue eine Münze in Form einer Kugel, auf der eine historische Landkarte abgebildet ist. Daneben kommen die Pressen bei den Zulieferern der Autobauer und etwa in der Medizintechnik und der Pharmaindustrie zur Herstellung von Tablettenstempeln zum Einsatz.

Der jetzige Firmenchef des Familienunternehmens ist Claus-Günther Knorr, Urenkel des Firmengründers Kiesselbach. Er stammt aus Heilbronn, ist der letzte Träger des Familiennamens Knorr - der Firma, die Lebensmittel herstellt und vor allem durch ihre Tütensuppen berühmt geworden ist. Er hat eine Anekdote aus der reichhaltigen Firmengeschichte parat: Die staatliche Münzanstalt England brauchte eine Presse, um eine spezielle Münze zu prägen und hatte schon viele ausprobiert - ohne Erfolg. Bis sie auf die Maschine aus dem Hause Sack und Kiesselbach stieß. Und genau die war es: weil die Haare der Queen auf der Münze aus dieser Maschine eben nicht silber, sondern, wie gewünscht und realistisch, grau schimmerten. Münzen von anderen Pressen hatten das königliche Haar vorher immer silber gemacht - und das wollte man in Great Britain nicht. Genauso präzise sollte es sein - und so hatte Sack und Kiesselbach einen schönen Auftrag unter Dach und Fach. Knorr: "Die haben gleich zehn Maschinen gekauft."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rath: Wo die Medaillen für die EM herkamen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.