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Reisholz
Die Quatschköpp machen Schluss

Reisholz. Der Elferrat will den Verein auflösen. Es fehlt an jüngeren Jecken. Viele Aktive sind bereits über 60 Jahre alt. Die letzte Session startet am 24. November. Der amtierende Quatschkopp Dirk Angerhausen startet eine Rettungsaktion. Von Simona Meier und Birgit Wanninger

Dirk Angerhausen ist fassungslos. Der Steuerberater ist amtierender Quatschkopp. Er könnte der letzte Quatschkopp gewesen sein. Denn nach mehr als 35 Jahren wollen die Reisholzer Quatschköpp aufhören. Das haben sie auf ihrer jüngsten Sitzung des Elferrats bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschlossen. Viele der Aktiven sind über 60 Jahre alt und es fehlt an jüngeren Jecken, die Aufgaben übernehmen.

Dirk Angerhausen wollte es nicht glauben, als er von dieser Nachricht hörte. Als Quatschkopp, den die Reisholzer Narren jedes Jahr auswählen, darf er an den Sitzungen des Elferrats teilnehmen. Nur war er bei besagter Sitzung in Urlaub. Jetzt versucht er, eine Rettungsaktion zu starten. "Immerhin ist der Karnevalszug am Tulpensonntag im Düsseldorfer Süden die zweitgrößte Veranstaltung nach dem Erntedankfest", sagt er.

"Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass am 14. Februar, also am Aschermittwoch, alles vorbei ist", sagt er. Doch die Rettungsaktion eilt, denn die letzte Session für 2018 ist schon in trockenen Tüchern. Andere Jecken sind bereits in den Vorbereitungen für 2019.

Albert "Brünni" Brüntrup, Präsident der Reisholzer Quatschköpp, will nicht länger den Alleinunterhalter spielen. "Das ist mir alles zu viel", sagt er. Denn auch der Vorsitzende Rolf Schreier und Zugleiter Wolfgang Funk hören auf. Jetzt soll Schluss sein - nach 35 Jahren. Brüntrup war der erste und einzige Präsident. Am 6. Mai 1982 gehörte er mit 23 Gleichgesinnten zu den Gründern des Vereins .

Schon seit fünf Jahren suchen Brüntrup und Schreier Nachwuchs. für den Verein. "Es geht nicht um ein bisschen helfen. Das ist richtig Arbeit", stellt Albert Brüntrup fest. Allein die Programmgestaltung laufe in den Sommermonaten - von Mai bis Juli. Ein Nonstop-Job wie der Präsident der Reisholzer Quatschköpp feststellt. "Ich reise durch die Gegend und gucke mir die Künstler auch an", sagt der 67-Jährige. Stolz ist er auf die Resultate dieser Aktivitäten. "Wir haben im nächsten Jahr das Beste, was an Rednern kommen kann", sagt er. Das mache ihm die Entscheidung auch schwer. " Wir geben ein erfolgreiches Konzept ab."

Der beliebte Karnevalszug im Düsseldorfer Süden wird ab 2019 der Vergangenheit angehören. "20.000 Menschen stehen an den Straßen - und die Unterstützung der Gaststätten am Wegesrand ist gleich null", sagt Büntrup verärgert. Zu schaffen machten ihm und dem Verein die hohen Sicherheitsanforderungen an den Zug, die vergangenes Jahr drei Wochen vor dem Karnevalssonntag plötzlich aufkamen. "Die letzte Session gab mir den Rest", sagt er. Die Entscheidung, die ihm zwar leid tue, stehe. "Wir haben zu viele Indianer", lautet sein Fazit.

Wie viel Arbeit am Sitzungs- und Karnevalswochenende nötig ist, hat Dirk Angerhausen in der vergangenen Session selbst miterlebt. "Und dabei war ich noch nicht einmal in die ganzen organsatorischen und finanziellen Dinge eingebunden", sagt er.

Sponsorensuche, Programmgestaltung, Sicherheitsvorkehrungen - es gibt vieles zu tun. Außerdem ist Albert Brüntrup auch verantwortlich für den Kontakt zu den Schweizer Guggen-Musikgruppen, die er jedes Jahr nach Düsseldorf holt.

Dirk Angerhausen hofft jetzt auf Verstärkung: "Vielleicht finden sich ja in den Reihen des Haselser Jecken, bei den Spaßköppen, aus Reihen der Kita, der Pfarrgemeinde und der katholischen Grundschule einige Karnevalsverrückte, damit diese Tradition in Hassels und Reisholz nicht wegstirbt", sagt er. Schon in der nächsten Elferratssitzung der Quatschköpp am 17. Oktober möchte er über den Stand der Dinge berichten.

Quelle: RP
 
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