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Reisholz
Künstler Hans Binn stellt in Reisholz aus

Reisholz: Künstler Hans Binn stellt in Reisholz aus
Hans Binn vor Werken seiner aktuellen Ausstellung im Bürgerhaus Reisholz an der Kappeler Straße. FOTO: Anne Orthen
Reisholz. Bis zum 21. Dezember sind die Werke des in der Bretagne lebenden Künstlers mittwochs und donnerstags zu besichtigen. Von Bernd Schuknecht

"Glückliche Momente" lautet der Titel der aktuellen Ausstellung von Hans Binn im Bürgerhaus Reisholz. Das Versprechen ist vielschichtig, bezieht sich nicht nur auf einen Großteil der Bildmotive und Gefühle, die sie beim Betrachten auslösen können. Ferner bietet die Ausstellung wie nur selten die glückliche Möglichkeit, seine künstlerische Entwicklung vom Holzschneider zum Maler sehr genau verfolgen. Von 1989 bis heute, unabhängig von seinem Wegzug in die bretonische Wahlheimat, hat der 63-Jährige mindestens einmal jährlich im Bürgerhaus an der Kappeler Straße, seiner einstigen kunstpädagogischen Wirkungsstätte, ausgestellt.

In der Tat gibt es wieder viele neue künstlerische Aspekte in den präsentierten Bildern zu entdecken, wenngleich seine vertraute malerische Handschrift stets erkennbar geblieben ist. Die faszinierende Landschaft der Bretagne, früher ein Hauptthema auf seinen Bildern, wird auf manchen Bildern als farblicher Dreiklang aus saftigem Grün der Wiesen, gelbem Sandstrand und grau-grünem Meer fast zur Kulisse degradiert. Frauen stehen nun häufig im Vordergrund, auf den Schultern kräftiger junger Männer, lebenslustig mit Freundinnen am Strand, vor typischer Landschaft als fotografisches Urlaubssouvenir oder als Zufluchtsort für kleine Kater wie auf dem Bild "Oskar-Verleihung". "Diese Frauen, deren Retro-Erscheinungsbild an die 1920er Jahre erinnert, gibt es nicht wirklich, aber viele unserer persönlichen Glücksmomente sind nun mal mit Frauen verbunden", gibt Binn schmunzelnd zu. Dabei wirken die gemalten Frauen, deren kantig wirkender Physiognomie mit den großen Augen noch immer ein wenig der expressionistische Ausdruck seiner Holzschnitte anhaftet, bis auf eine Ausnahme eher versonnen bis melancholisch. Vielfach scheint es so, als wäre ihnen im Moment des Glücks bewusst geworden, dass es sich immer nur um einen Augenblick handelt. "So gesehen sind meine Bilder auch eine Mahnung, sich stets des "Carpe diem" bewusst zu sein", sagt Binn. Eine Aura des Glücks erhalten die Bilder zudem durch ihre kräftigen Farben deren Leuchtkraft die Bretagne fast südfranzösisch erscheinen lässt. "Hier habe ich mich durch zahlreiche Kirchenfenster inspirieren lassen, deren farbige Strahlkraft in dunklen Kirchen zur Geltung kommt, so der Male. Der Brexit wird künstlerisch verarbeitet, indem Binn intensiv grüne Landschaften des nach seiner Ansicht auf dem Kontinent viel zu unbekannten Landes zeigt. Mit der Farbgebung verbindet er vielleicht auch eine europäische Hoffnung. Auch Holzschnitte, die Liebe zu dieser alten Drucktechnik hat Binn bislang nicht aufgegeben, sind im Rahmen der Ausstellung, die noch bis zum 21. Dezember 2017 dauert, zu sehen.

Besichtigungszeiten sind mittwochs von 14.30 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Absprache unter Tel. 74 66 95.

Quelle: RP
 
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