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Reisholz
Rückkehr von Flüchtlingseinsatz

Reisholz. Eine Woche lang waren freiwillige Helfer des Vereins "Mosaik Düsseldorf" auf der griechischen Insel Chios und versorgten ankommende Flüchtlinge. Zu Karneval ist dort ein weiterer Einsatz der Gruppe geplant. Von Maximilian Krone

Für die Fährüberfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Chios zahlten Adaumir Nascente und weitere freiwillige Helfer 26 Euro. Während die stabile Fähre die 8,5 Kilometer lange Strecke ohne Probleme zurücklegte, sanken nur wenige hundert Meter entfernt mit Flüchtlingen überladene Schlauchboote. Flüchtlinge durften die Fähre aus politischen Gründen nicht nutzen, denn ihnen fehlen die erforderlichen Papiere. So mussten sie den gefährlichen Weg per Boot nehmen - vorbei an Klippen und durch eine Meerenge mit tückischen Strömungen. Preis pro Person: bis zu 1500 Euro.

Noch immer fassungslos über diesen Umstand sitzt Adaumir Nascente mit seinen Söhnen zu Hause in Reisholz am Esstisch und berichtet über seine Erlebnisse in Griechenland. Auf seinem I-Pad zeigt er zahlreiche Bilder von seinem Aufenthalt. Auf einem Foto ist zu sehen, wie ein Schlepper von Bord springt und die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlässt.

Wer es von ihnen nach Griechenland geschafft hat, den haben Nascente und elf weitere Helfer mit dem Nötigsten versorgt, allesamt Mitglieder des Reisholzer Vereins Mosaik. Sie waren nach Weihnachten aufgebrochen, um den Ankommenden zu helfen. Das Bild, was sich während der Woche, die sie dort blieben, bot, war erschreckend. "Die Behörden hielten sich völlig zurück, größere Hilfsorganisationen waren nicht dort. Lediglich die Einwohner der Insel unterstützen die Arbeit des Teams und leisteten Hilfe für Flüchtlinge, durch kostengünstige Unterbringung und Versorgung", sagt Adaumir Nacente.

Am Ort wurden sie verschiedenen Inselbereichen zugeteilt, die sie im Schichtbetrieb überwachten. "Es gab beispielsweise einen Dienst, der den Strand und die Küste überwachte", sagt Nascente. Wurde ein Boot gesichtet, wurden sofort Decken und Kleidung besorgt. "Viele waren völlig durchnässt und brauchten neue Schuhe", sagt er. Besonders im Gedächtnis geblieben sei Nascente eine junge Familie. "Die Frau hielt einen Lumpenhaufen fest im Arm, als sie aus dem Boot stiegen. Wir dachten erst, alle wären trocken und wohl auf, bis wir unter die Lumpen schauten." Darunter befand sich ein wenige Wochen altes Kleinkind. "Es war blau gefroren. Wir wickelten es sofort in warme Sachen ein und rieben ihm die Brust", sagt der mehrfache Familienvater. "Als das Kind sich daraufhin rührte, waren wir überfroh." Auch der bis dahin zurückhaltende Vater sei daraufhin vor Freude fast zusammen gebrochen.

Es sei der Kontrast, der Adaumir Nascente in Erinnerung bleiben wird. Auf der einen Seite seien die zum Teil völlig erschöpften Menschen, die die Insel erreichen und darüber einfach nur glücklich seien. "Auf der anderen Seite ist da aber diese absolut surreale Situation, dass diese Menschen ihr Leben riskieren müssen, obwohl es eine sichere Fährverbindung gibt", sagt Nascente.

Ein Umstand, der sich auch bei seinem Sohn Adrian einprägte. Der 18-Jährige begleitete seinen Vater zum ersten Mal bei einem sogenannten Konvoi ins Ausland. "Ich finde es schon verstörend, was diese Leute durchmachen mussten", sagt er. Er selbst war einem Strandabschnitt zugeteilt. "Wenn ich mir überlege, wie kalt es mir dort Nachts schon war und wie es mir gehen würde, wenn ich völlig durchnässt auf einem Schlauchboot säße. Das kann ich mir fast nicht vorstellen. Es ist einfach unmenschlich."

Ein neuer Konvoi ist indes schon in Planung. "Wir haben die Karnevalszeit ins Auge gefasst und wollen noch mal nach Chios fahren, weil wir gemerkt haben, dass wir dort gebraucht werden", sagt Adaumir Nascente. Deutlich wird das auch an den Verteilmengen an Nahrung und Kleidung, die die Helfer dort verteilten. "Nach wenigen Stunden waren rund 200 Schuhe weg, die gut 2000 Socken reichten keine Woche. Insgesamt haben die Helfer, die im Camp in der Stadt geholfen haben mehrere hundert Sandwiches geschmiert", sagt er. Kritik übt er an den griechischen Behörden. "Hilfsorganisationen und ehrenamtliches Engagement sollten ergänzende Hilfe bieten und nicht das Fundament bilden." Gleiches auf türkischer Seite. Dort gebe es ein Schlepper-Camp, in dem die Flüchtlinge auf die Überfahrt warten müssten. "Die Menschen hausen dort in Häusern im Rohbau, ohne Strom und sanitäre Anlagen", sagt er. Die Polizei unternehme nichts. "Uns haben sie dort kontrolliert, die Schlepper kontrolliert niemand", sagt Adaumir Nascente.

Quelle: RP
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