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Reisholz
Tanzprojekt lehrt gutes Durchhaltevermögen

Reisholz. Eine Gruppe des Projekts "Chance Tanz" probt seit September für ihr Stück "Goldland". Von Silja Thoms

Aus dem Tanzsaal des Reisholzer Bürgerhauses hallt laute Musik. Choreograph Raymond Liew Jin Pin wirbelt den achtjährigen Kyan durch die Luft. Die anderen Mitglieder der Gruppe, die zum Projekt "Chance Tanz" gehört, tanzen um die beiden herum. Tief ein- und ausatmen, bevor das nächste Lied aus den Boxen dröhnt. Tanzpädagogin Viola Vormann vom Tanzhaus NRW macht die Schritte vorne mit. Zwei Kinder laufen in die Mitte und tanzen ihren eigenen Freestyle, rennen aufeinander zu und springen in die Luft.

15 Jungen und Mädchen der Elisabeth-Grundschule proben seit September einmal in der Woche unter der Leitung von Vormann Liew Jin Pin. Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche, die in sozial benachteiligten Stadtteilen groß werden und in aller Regel nur wenige Berührungspunkte mit Bildungsangeboten haben. Seit 2013 kooperieren das Bürgerhaus Reisholz, das Tanzhaus NRW und die Elisabeth-Schule, um Projekte wie dieses auf die Beine zu stellen. Finanziert wird es durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung.

Die Proben gehen weiter. Später sagt Kyan: "Das Schönste am Tanz ist das Fliegen". Und die achtjährige Julia erzählt: "Es war mein Geburtstagswunsch zu tanzen. Da geht Rhythmus durch den Körper".

Die Gruppe bereitet sich auf ihren Auftritt im Tanzhaus NRW vor, der morgen ist. Vorher soll es aber für die Familien und die Freunde schon mal einen kleinen Vorgeschmack geben. Bevor die Eltern kommen, herrscht große Aufregung. Zwei aus der Gruppe fehlen. Es muss improvisiert werden. "Die Kinder treten vor einem riesigen Publikum auf, aber wenn die Eltern da sind, sind sie doch nervöser als sonst", meint Rolf Drüen vom Bürgerhaus Reisholz. Der Sozialpädagoge begleitet das Projekt.

Sobald die Musik beginnt, sind aber alle konzentriert. "Fokus", ruft Tanzpädagogin Vormann und klatscht in die Hände. Einheitliche Kostüme gibt es nicht. "Solch ein ChiChi brauchen wir nicht", sagt Viola Vormann. Es werde aber bunte T-Shirts in verschiedenen Farben geben. "Wir wollen zeigen, dass jedes Kind individuell ist und seine eigene Art hat, nach außen zu leuchten", erklärt sie.

Deshalb heißt das Projekt auch "Goldland". Es geht, so die Initiatoren, um besondere Tanzmomente als Schätze, Begegnungen als Lichtblitze. Tanz soll erlebbar sein. "Beim Tanzen können die Kinder für sich eine eigene Sprache finden", sagt Vormann. Und Choreograph Raymond Liew Jin Pin fügt hinzu: "Man muss hart an etwas arbeiten; aber am Ende bekommt man auch etwas dafür". Die Kinder lernen Durchhaltevermögen und gemeinsam Ziele zu erreichen. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Da sind sich alle Betreuer einig.

"Die Gemeinschaft ist wichtig", sagt Vormann. "Jeder lernt Körperkontrolle und Selbstdisziplin. Nur so kann am Ende auch ein Gruppenflow entstehen."

Getanzt wird aber nicht nur Hip Hop. Es sind verschiedene Tanzelemente dabei. "Wir wollen die Kinder für Tanz im Allgemeinen begeistern", sagt die Tanzpädagogin. "Wir möchten keine Form vorgeben".

Quelle: RP
 
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