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Stadtmitte
Als der Corneliusplatz Bänke bekam

Stadtmitte: Als der Corneliusplatz Bänke bekam
Viele Gestaltungsideen hatte Karl-Otto Weil, die er in einem Ordner gesammelt hat. Einige wurden umgesetzt, so wie auf dem Corneliusplatz, für den sich Weil Bänke wünschte. FOTO: hans-jürgen bauer
Stadtmitte. In den 80ern regte Karl-Otto Weil an, Bänke auf dem Platz aufzustellen, nachdem sie vor vielen Jahren abmontiert wurden. Im Gartenamt kam Weils Vorschlag gut an, insgesamt acht Bänke wurden 1983 unter die Magnolien gestellt. Von Nicole Kampe

Die Geschichte von Karl-Otto Weil und seinem Corneliusplatz beginnt in den 80ern, damals, als der Geologe jeden Morgen von Golzheim zur Steinstraße lief, ins Degussa-Haus, wo er angestellt war. "Ich hatte jeden Tag einen wunderschönen Weg", erzählt der inzwischen 80-Jährige. Am Rhein entlang, durch die Altstadt oder den Hofgarten zur Königsallee, immer vorbei am Corneliusplatz. Zunehmend aber ärgerte sich Weil, immer wieder landeten die losen Metallstühle, die entlang der Düssel aufgestellt waren, im bräunlichen Wasser. Lampen brannten nicht, überall waren Asphaltkleckse zu sehen. "Als Geologe muss ich immer genau hingucken", sagt Weil, der irgendwann bemerkte, dass dringend ein paar Bänke auf dem Corneliusplatz aufgestellt werden müssten.

"Wer sich dem Zauber hingeben wollte, der vom Brunnen auf dem Corneliusplatz und acht prachtvollen Magnolienbäumen ausging, tat dies stehend oder sitzend im Gras", erzählt Karl-Otto Weil, der Bänke vermisste und Blumen und ein bisschen mehr Grün um den Brunnen herum, "der damals noch von Asphalt umgeben war". Eines Morgens staunte Weil nicht schlecht, wieder einmal auf dem Weg zur Arbeit: "Jemand in der Stadtverwaltung hatte die Stühle am Kö-Graben durch fest verankerte Bänke ersetzen lassen", sagt der Rentner. Nur der Corneliusplatz, der blieb ohne Sitzgelegenheiten.

Karl-Otto Weil schrieb einen Brief, dessen Kopie er bis heute aufgehoben hat. Die Schreibmaschinen-Schrift ist schon ein bisschen verblasst, das Papier wirft eine Falte. Datiert ist die Post auf den 24. März 1983, adressiert an die Stadtverwaltung Düsseldorf, im Betreff nimmt Weil Bezug auf die Sitzbänke an der Königsallee. "Der Unfug mit den armen Stühlen hat ein Ende", schreibt er darin glücklich, "ich bin vor Freude wie verwandelt." Einen Impuls haben die Bänke bei Karl-Otto Weil ausgelöst, er bietet im gleichen Brief an, eine Bank zu spenden, "die, falls Sie zustimmen, den müdegewordenen Stadtbummler und Einkäufer zum Verweilen vor dem beschaulichen Brunnen auf der Wiese des Corneliusplatzes einladen könnte". Und er regt an, die Stadt könnte drei weitere Bänke unter die Magnolien stellen.

Bald schon sollte der Pempelforter eine Antwort bekommen von der Stadt, spät abends klingelte sein Telefon, "gegen 22 Uhr", sagt Weil. Der damalige Gartenamtsleiter verabredete einen Ortstermin mit Weil auf dem Corneliusplatz. "Herr Tempel und sein Mitarbeiter waren sofort einverstanden mit der Aufstellung der Bänke", sagt Weil. Dazu sollte es Blumen geben und mehr Grün, so wie es sich Karl-Otto Weil schon lange gewünscht hatte. "Zum Asphalt hatte der Gartenamtsmitarbeiter, dessen Name mir leider entfallen ist, Bemerkenswertes zu berichten", sagt der 80-Jährige. In frühen Jahren soll der Kaufhof einen Haupteingang gehabt haben, genau gegenüber des Corneliusplatzes. Damit die Kunden von der Schadowstraße einen bequemen Zugang hatten, wurden die Wege breit asphaltiert. "Es hatte wohl auch einmal Bänke gegeben rund um den Brunnen. Weil sie zu Schlafstätten Obdachloser geworden waren, hatte man sie entfernt", erzählt Weil.

Unter den Magnolien sah Karl-Otto Weil die Bänke vor seinem geistigen Auge, ein bisschen Sonne, ein bisschen Schatten für den Verweilenden. An den Ausgängen wurden sie montiert, vier Stück an der Zahl, anders als es Weil sich vorgestellt hatte. Wieder meldete er sich bei der Stadt, wieder hörte man den Geologen an. "Schnell standen die Bänke unter den Bäumen, nicht mehr nur vier, sondern acht", erzählt Weil, der nie eine Rechnung bekommen hat für eine Bank, obwohl er es ernst meinte mit seiner Spende. Stolz blättert er heute noch in seinem Ordner und zeigt die rotstichigen Bilder aus den 80ern, vom Brunnen und den Bänken.

Als der Corneliusplatz gesperrt wurde für den Bau der Wehrhahn-Linie, vermisste Karl-Otto Weil die Magnolien und seine Bänke. Bald soll er wieder so werden, der Platz in der Innenstadt, der für Weil immer einen ganz besonderen Zauber ausstrahlte.

Quelle: RP
 
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