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Fußgängertunnel in Düsseldorf
Bunter Untergrund am Worringer Platz

Ein Blick in die Worringer Passage in Düsseldorf
Ein Blick in die Worringer Passage in Düsseldorf FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Stadtmitte. Unter dem Worringer Platz steht seit mehr als 20 Jahren die Zeit still. Dort befindet sich ein alter Fußgängertunnel. Die Wände sind kunstvoll besprüht.  Von Torsten Thissen und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Der komfortabelste Einstieg zur Unterwelt am Worringer Platz ist an der Ecke Ackerstraße: Ein kleiner Kasten aus Edelstahl, normalerweise sicher abgeschlossen, doch natürlich hat die Stadt einen Schlüssel.

"Wir müssen das Bauwerk ja regelmäßig prüfen", sagt Andreas Schmitz, der den schönen Titel Sachgebietsleiter Ingenieursbauwerke trägt und sich um den alten Fußgängertunnel am Worringer Platz kümmert, "weil der bautechnisch gesehen eigentlich eine Brücke ist", sagt Schmitz. Kollege Bastian Heckmann, Brückenmeister der Stadt, ist auch mitgekommen.

Eine Leiter aus Aluminium führt auf die ehemalige Treppe herunter. Daneben sind die Umrisse der alten Rolltreppe zu erkennen. Licht, und dann ist man auch schon unter dem Worringer Platz. Es ist erstaunlich ruhig, und an den Wänden strahlen Neonfarben, als wären sie erst gestern dorthin gesprüht worden. Die Luft ist feucht, aber frisch, es hallt nur ein wenig, wirklich einladend wirkt die ehemalige Fußgängerpassage nicht, und das war auch der Grund, warum sie 1994 zugemacht wurde: Die Menschen wollten nicht mehr durch die Passage gehen, es war zu unheimlich, zu gefährlich, der Raum unter dem Worringer Platz war polizeilich auch nicht zu kontrollieren. Hier setzte sich die Drogenszene fest, es gab Übergriffe auf Frauen.

Impressionen vom Urban-Art-Festival in Düsseldorf FOTO: Frank Kirschstein

Die fünf Ausgänge boten jemandem, der der Polizei entkommen wollte, ideale Bedingungen. Wer hier hineinlief, war weg. Gerade ältere Menschen, denen die Passage eigentlich die Überquerung des Worringer Platzes erleichtern sollte, mieden sie. Schließlich entschloss man sich 1994, die Passage zu schließen. Zuvor aber durften sich Graffiti-Künstler in der Passage austoben.

Und so sind die Wände besprüht in Neon-Farben, bunt, grell, komikhaft. Anders als der heutigen Street-Art sieht man den Werken ihren Ursprung noch an. Die Tags - die Kürzel der Sprayer, mit denen sie ihre Werke signieren - nehmen noch einen großen Raum ein, werden selbst zu Kunstwerken, hier wurde nicht mit Schablonen, sondern frei gesprüht, die Bilder sind nicht reduziert, arbeiten überhaupt nicht mit ihrer Umgebung, sondern wollen durch Farben und Knalligkeit auffallen um jeden Preis, es scheint noch die Subkultur durch.

Street Art in Düsseldorf FOTO: Anne Peters

Es gibt noch mehr Kunst in der Passage. Da steht etwa ein Tresor mitten im Raum. "Das Worringer Platz Gedächtnis". Künstler haben darin etwas abgelegt, niemand weiß, wer den Schlüssel hat und selbst im Netz gibt es keine Hinweise dazu, was nicht verwunderlich ist, denn 1994 boten in Deutschland nur wenige Vereine einen Zugang zum Netz, E-Mail Adressen waren noch Sache von Informatikstudenten und Handys waren nicht weit verbreitet. Das Gedächtnis wurde also nie digital.

Es gibt ein paar leere Betriebsräume, die Rolltreppen sind abgebaut, die Lampen aber funktionieren noch. Immer wieder gibt es bei der Stadt Anfragen, ob man etwas mit der Passage machen kann, doch der Umbau, um Publikumsverkehr zu ermöglichen, war den Fragestellern zu aufwendig, zu teuer. Die Decken sind niedrig, die Luft ist feucht, die Elektroanlage ist auf dem Stand von Anfang der 60-er Jahre. Damals wurde die Passage gebaut, es gab einen Trend zu diesen Unterführungen in der Bundesrepublik, wo die autogerechte Stadt das Ziel der Planer war. Fußgänger störten da.

Streetart in Düsseldorf FOTO: Hartmann

An einer Säule hängen zwei alte Werbe-Plakate. Auch sie haben dieses grelle 90-er Jahre-Styling, es gibt keine Hinweise auf irgendwelche Webseiten. Ein Plakat weist auf eine Party im Stahlwerk hin, das andere wirbt für ein Basketballspiel einer amerikanischen Auswahlmannschaft gegen die Deutsche Nationalmannschaft in Köln.

Einsturzgefährdet ist hier, unter dem Worringer Platz, nichts und das wird auch noch lange so bleiben, glaubt Schmitz. "Diese Art von Bauwerken sind auf eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt", es ist komplett aus Stahlbeton und trägt problemlos Lasten auch von bis zu 60 Tonnen.

Quelle: RP
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