| 00.00 Uhr

Stadtmitte
Düsseldorfs Stadtmitte als autoarme Vision

Stadtmitte. Beim OB-Dialog entwirft Thomas Geisel ein Zukunftsbild mit Neubauten, Clubs und Kultureinrichtungen. Die Anwohner klagen über Baustellen, Prostitution und Verkehr. Und hoffen auf Besserung. Von Torsten Thissen

Natürlich bedarf es ein wenig Vorstellungskraft, um Stadtmitte mit den Augen des Oberbürgermeisters zu sehen. Es sind schlicht sehr viele Projekte, die den Stadtteil in den kommenden Jahren sicher verändern werden, und an einigen davon kommt Thomas Geisel auch auf seinem Rundgang vorbei. Vom S-Bahnhof Wehrhahn an den Hauptbahnhof und einmal "um die neue Zentralbibliothek rum" geht der Weg. Auf der Strecke sind neue Wohnquartiere, Schnellstraßen, ganze Viertel, die in den kommenden Jahren entstehen. Und da ist der Worringer Platz in der ihm eigenen Pracht eines warmen Sommerabends, Abhängige, Alkoholiker und Menschen, die im Anzug von der Arbeit kommen. Geisel sagt, Stadtmitte sei das bunteste Viertel der Stadt, eben von der Kö bis zum Worringer Platz reiche die Bandbreite, und dann macht ihm beinahe eine Taube auf den Anzug. "Dass die ausgerechnet auch noch hier ihr Unwesen treiben müssen", sagt er. "Hast Glück gehabt", antwortet Parteifreundin und Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner.

Nur rund 25 Bürger haben sich an diesem Abend im Central eingefunden, um mit dem Oberbürgermeister in einen Dialog zu treten, und ihnen erläutert Geisel noch einmal, was er gerade vor seinem geistigen Auge gesehen hat. 100 Wohnungen am Postgelände ("Grand Central heißt das wohl jetzt"), 400 an der Worringer Straße, Hotels an der Harkortstraße, die neue Zentralbibliothek und die Öffnung der Fußgängerpassage unter dem Worringer Platz, die als Club genutzt werden soll.

Nicht zuletzt: die Gestaltung des Bahnhofsplatzes. Da sei man in Gesprächen mit der Bahn, demnächst habe er einen Termin mit Ronald Pofalla, denn die Bahn wolle auch in Düsseldorf investieren, was Geisel sehr freut. Es geht um ein Hochhaus am Ende der Immermannstraße, vielleicht sogar zwei, womit eine Verbindung zur Innenstadt geschaffen werde. Zur Zeit steht da allerdings noch der Immermann Hof im Weg. Dass Geisel nicht allzu viel davon hält, konnte man auf seinem Spaziergang beobachten. Wenn Blicke abreißen könnten.

Ein Hausbesitzer klagt über die Straßenprostitution, die Spritzen, die er immer vor seinem Haus finde und über das Unkraut, das auf den städtischen Grünflächen wächst, wie es ihm gefällt. "Kein schlechtes Investment habe er da", sagt der OB, sehr, sehr viel Potenzial habe die Gegend, und um das Grün kümmere sich sein Büro gerade. Ja, da seien falsche Schwerpunkte gesetzt worden: "Für Prinz William haben wir den Rasen mit der Nagelschere geschnitten, aber woanders sprießt das Unkraut", sagt Geisel. Das gehe nicht.

Thema war natürlich auch der Verkehr. Schon beim Spaziergang ging es um die Belastung durch Autos, zumal, wenn die Toulouser Allee denn wirklich mal weitergeführt wird wie geplant. Anwohnern werde das "zuviel". Von schönen, neuen Radwegen könne er auch nichts sehen, sagt ein Bürger, und eine andere Frau plädierte für mehr Radwege auf der Kö. Dort sei zu wenig Platz. "Ich bin klar dafür. Düsseldorf ist eine Fahrradstadt", sagt Geisel, um sich so zu profilieren, habe man ja auch die Tour de France geholt. "Auf der Kö haben wir genug Parkhäuser. Die Parkplätze dort sollten drastisch reduziert werden."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadtmitte: Düsseldorfs Stadtmitte als autoarme Vision


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.