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Stadtmitte
Ein Wandbild erregt die Gemüter

Stadtmitte: Ein Wandbild erregt die Gemüter
Das Wandbild "Symbiose XXI" thematisiert die Zerstörung der Natur und den Aufbruch zu einem neuen Umgang mit Natur und Mitmenschen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Stadtmitte. Wenn das Franziskanerkloster an der Ecke Kloster-/Oststraße für ein Wohnprojekt abgerissen wird, verschwindet auch das dortige Kunstwerk. Politiker, Bürger und der Künstler setzen sich für den Erhalt, mindestens aber für einen Ersatz ein. Von Semiha Ünlü

Viele Anwohner und Politiker haben sich an das 150 Quadratmeter große Wandbild am Franziskanerkloster über die Jahre nicht nur gewöhnt, sondern es sehr lieb gewonnen. Seit 1997 sorgt das Wandbild "Symbiose XXI" von Klaus Klinger aus Düsseldorf und Juan Garcia Milo aus Kuba vor Ort für ein Durchbrechen der architektonischen Tristesse. Entstanden war das übergroße Bild 1997 in Abstimmung mit den Ordensbrüdern, die sich einen Bezug zu dem "Sonnengesang" des Heiligen Franziskus und dessen Hymne auf die Schönheit der Schöpfung gewünscht hatten. Auch Mitarbeiter des Umweltamts und Umweltgruppen hatten Ideen eingebracht. Am Ende schufen die beiden Künstler ein Bild, das die Zerstörung der Natur - etwa durch Flugzeuge - und mit einer hervorbrechenden Pflanze einen Aufbruch zu einem neuen Umgang mit Umwelt und Mitmenschen thematisiert. Auch 18 Jahre später könnte es kaum aktueller sein.

Doch wenn das Franziskanerkloster in den kommenden Monaten zugunsten eines Wohnbauprojektes abgerissen wird, wird auch das Wandbild an der Ecke Kloster-/Oststraße verschwinden. Viele Bürger im Stadtteil und Politiker der zuständigen Bezirksvertretung 1 finden, dass das ein Verlust für das Viertel wäre und setzen sich für den Erhalt des Kunstwerks ein. Eine Anfrage der SPD an die Stadtverwaltung hat jetzt allerdings ergeben, dass kein Denkmalschutz besteht und der Stadt somit die Hände gebunden sind, wie Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner auf RP-Anfrage sagt. "Der Investor kann damit tun, was er will, doch es ist wirklich schade, dass das Bild zerstört werden soll, denn es belebt das Viertel und die Einkaufsstraße. Das meinen alle Politiker in unserer Bezirksvertretung", sagt Spillner.

"Ich wurde in den vergangenen Tagen mehrmals von Bürgern auf das Bild angesprochen, die es gerne behalten würden", sagt Klaus Klinger. Als künstlerischer Mit-Schöpfer hat auch er natürlich ein Interesse am Erhalt seines Werks. Doch die Chancen stehen dafür schlecht, denn zum geplanten schicken Neubau mit 140 Wohnungen würde das Bild eigentlich nicht passen.

In der Bezirksvertretung 1 kann man sich deswegen vorstellen, zumindest vor Ort für einen Ersatz zu sorgen. "Wir könnten prüfen, ob wir aus unseren Bauunterhaltungsmitteln Geld für ein neues Wandbild bereitstellen könnten", sagt Marina Spillner. Die Kosten für ein vergleichbares neues Werk würden sich nach Angaben von Klinger auf 10.000 bis 12.000 Euro belaufen. "Man müsste dann natürlich auch den Künstler aus Kuba einladen", sagt Klinger. Und vor allem müsste vor Ort eine neue Fassade für das übergroße Bild gefunden werden.

Ob "Symbiose XXI" dann an der Kloster-/Oststraße "neu aufgelegt" oder ein ganz neues Werk vor Ort geschaffen würde: Das sei eine weitere Frage, über die man sprechen müsse, sagt Klinger. Er selbst stehe für ein Projekt vor Ort bereit.

Martina Schmitz wohnt seit fast 14 Jahren an der Immermannstraße. "Das Bild ist für uns und für viele Touristen ein Hingucker. Viele bleiben stehen und fotografieren sich vor der Kulisse des Kunstwerks", sagt sie. Deswegen sollte man mindestens für einen Ersatz sorgen, meint Schmitz.

Quelle: RP
 
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