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Stadtmitte
Firmen geben sich familienfreundlich

Stadtmitte: Firmen geben sich familienfreundlich
Die Kindertagesstätte "TuB Zwerge" der Geschäftsbank HSBC Trinkaus & Burkhardt bietet den Kindern der Mitarbeiter 40 Betreuungsplätze. FOTO: h.-j. bauer
Stadtmitte. Unternehmen setzen angesichts des drohenden Fachkräftemangels auf attraktive Rahmenbedingungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Die Rheinbahn bietet verschiedene Hilfs- und Serviceangebote, andere Firmen haben eigene Kitas. Von Sven-André Dreyer

Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, wird für Unternehmen immer wichtiger - und die Ansprüche der Arbeitnehmer, besonders im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, verändern sich stetig. Vor allem für junge Berufstätige wird die Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl wichtiger. Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand: Neben einer Sicherung der Produktivität verringern sich die Personalkosten für Ersatzkräfte während der Elternzeit. Mitarbeiter sind stärker ans Unternehmen gebunden, die betreuungsbezogenen Fehlzeiten werden weniger, dazu kommen Steuervorteile bei den Betreuungskosten.

"Familienfreundliche Unternehmen können im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte mehrfach punkten", erklärt Marie-Christine Frank von Competentia NRW, dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf. Dessen Träger ist die Zukunftswerkstatt Düsseldorf (ZWD), eine Tochtergesellschaft der Stadt. Das sechsköpfige Team des Kompetenzzentrums arbeitet seit 2012 daran, die betrieblichen Rahmenbedingungen zu verbessern, damit Frauen - und zunehmend auch Männer - Kind und Karriere leichter vereinbaren können. "Denkbar sind, neben flexiblen Arbeitszeiten, zum Beispiel auch Eltern-Kind-Zimmer, um im Falle einer leichten Erkrankung des Kindes oder bei einem Kita-Streik dennoch arbeiten zu können", erklärt Dagmar Thomas von der Servicestelle der ZWD.

Die Modelle, wie Privat- und Berufsleben ausgewogen miteinander verbunden werden können, sind vielfältig. So lud der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) jüngst in die Unternehmenszentrale der Rheinbahn. Die arbeitet seit gut eineinhalb Jahren mit dem externen Dienstleister "PME Familienservice" zusammen. "Ziel der Kooperation ist, die Mitarbeiter auch bei privaten Sorgen und Nöten professionell zu unterstützen", so Gastgeber und Rheinbahn-Vorstand Klaus Klar. Daher erarbeitete die Rheinbahn, die derzeit 2753 Mitarbeiter beschäftigt, mit dem externen Dienstleister Angebote, die ihre Mitarbeiter kostenlos und anonym in Anspruch nehmen können. Unter dem Aktionstitel "PersoExtra" können etwa die Vermittlung privater Kinderbetreuung, aber auch Hilfsangebote bei Pflegebedarf Angehöriger genutzt werden. Auch ein umfangreicher gesundheitlicher Service, etwa bei schweren physischen und psychischen Belastungen oder Erkrankungen gehört zum Umfang der Kooperation zwischen Rheinbahn und Familienservice. Eine erste Erhebung zeigt, dass die Mitarbeiter der Rheinbahn die Dienstleistung rege in Anspruch nehmen. Rund 100 Anfragen verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr. "Meine Familie und ich wurden sehr professionell und sehr unkompliziert bei wichtigen Fragen unterstützt", sagt Rheinbahn-Mitarbeiter Falk Dahlenburg, der den Service genutzt hat.

"Uns ist sehr daran gelegen, unsere Mitarbeiter auch langfristig an das Unternehmen zu binden", erklärt Rheinbahn-Vorstand Klar, "denn schließlich erleben wir ein stetig steigendes Geschäft. Um das Aufkommen von rund 220 Millionen Fahrgästen pro Jahr professionell abwickeln zu können, brauchen wir zufriedene Mitarbeiter."

Über zufriedene Mitarbeiter und Kollegen freut sich auch Anwältin Ulrike Alice Ulrich. Sie ist seit 2002 Partnerin der Kanzlei Cohausz & Florack, einer Sozietät aus Patent- und Rechtsanwälten. Ulrich ist im Gewerblichen Rechtsschutz und in den angrenzenden Rechtsgebieten tätig und erläutert die Entstehung des betriebseigenen Kindergartens vor mehr als zehn Jahren: "Unsere Kita bietet insgesamt zehn Kindern, die von drei festangestellten Erzieherinnen betreut werden, Platz", sagt die 46-Jährige. Bleiben Kita-Plätze ungenutzt, die nicht von Kanzlei-Angestellten in Anspruch genommen werden, so werden diese auf dem freien Markt angeboten.

Auch die Geschäftsbank HSBC Trinkaus & Burkhardt stellt ihren Mitarbeitern eine Kindertagesstätte zur Verfügung. Um die Kleinen in Arbeitsplatznähe ihrer Eltern betreuen zu können, investierte die Bank rund 300.000 Euro und finanzierte den Umbau eines Nebengebäudes auf der Oststraße. "Dort begrüßen wir seit nunmehr sieben Jahren morgens 40 Kinder", erzählt Stefan Große-Wilde, Direktor des Personalbereichs der Bank. Die Kosten für den Betrieb der Kindertageseinrichtung werden bei unter dreijährigen Kindern durch die Eltern, bei den über Dreijährigen, so ist es in Düsseldorf aktuell geregelt, durch die Stadt getragen. "Da der betriebseigene Kindergarten allerdings einen höheren Personalschlüssel als der städtischer Einrichtungen aufweist, die Kita zudem abends deutlich länger geöffnet hat, teilen sich Eltern und Bank die entstehenden Mehrkosten von 270 Euro pro Kind und Monat", erklärt Große-Wilde. Während die Mitarbeiter 130 Euro tragen, zahlt die Bank die übrigen 140 Euro. Insgesamt liegt der Aufwand, die Kita betreiben zu können, für die Bank im unteren sechsstelligen Bereich.

Quelle: RP
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