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Stadtmitte/Heerdt
Heerdterin zeigt Fotos aus der Ulmer Höh'

Stadtmitte/Heerdt. Bis zum 20. März läuft die Ausstellung von Thea Weires in der Johanneskirche. Von Monika Götz

Einheitlicher Hintergrund und schwarzes T-Shirt - damit hat Thea Weires eine Inszenierung gewählt, die auf den ersten Blick ausgleichend wirkt. Das Geheimnis dieser Fotografien liegt darin, dass die optische Einheit das Klischeedenken und damit eine Beurteilung nach Äußerlichkeiten außer Kraft setzt. Auch der Ort, an dem die in der Johanneskirche im Rahmen der Seelsorgewoche des evangelischen Kirchenkreises zu sehenden, zwölf 150 x 200 Zentimeter großen und je zirka 40 Kilo schweren Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen sind, ist ungewöhnlich - sie wurden in der "Ulmer Höh'" aufgenommen.

Die Räume selbst hat die Künstlerin Thea Weires nicht abgebildet, nur die Köpfe von Häftlingen und Aufsehern sind unter Einsatz der wirkungsvollen Verteilung von Licht und Schatten zu sehen. "Den Schwerpunkt der Ausleuchtung habe ich bewusst auf die Augen gelegt. So gibt allein der Blick Auskunft über Gemütsregungen", erklärt die freiberufliche Fotografin (Jahrgang 1961).

Bei einem Besuch in ihrem Atelier im Stadtteil Heerdt erinnert sie sich an die im Knast gewonnenen Eindrücke: "Die Offenheit aller Beteiligten hat mich überrascht." Weires interessierte sich nur für den Menschen, nicht für die strafrechtliche Vorgeschichte. Vor dem Shooting im eigens in der Justizvollzugsanstalt eingerichteten Studio bat sie die Teilnehmenden, ihre "guten Eigenschaften" aufzuschreiben.

So ist im Katalog unter anderem zu lesen: "Mein Herz und die Liebe zu meiner Familie" oder "Das Herzliche und mein Lächeln." Auch hier galten für Sträflinge und Bewacher identische Vorgaben. Es bleibt somit dem Betrachter überlassen, die Personen einzuordnen. Dabei entstehende Reibungen sind mit Blick auf das Klischeedenken durchaus gewollt.

Parallel dazu hat Thea Weires das Ende der Ära "Ulmer Höh'" und den Aufbau der neuen Justizvollzugsanstalt fotografisch dokumentiert. Das könnte ein weiteres Ausstellungsthema werden.

Die KNAST-Ausstellung wird am heutigen Samstag um 19 Uhr in der Johanneskirche am Martin-Luther-Platz eröffnet. Zur Eröffnung werden Karl-Heinz Krems vom Justizministerium NRW und Charlotte Narjes, Vize-Leiterin der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf, Grußworte sprechen. Für den musikalischen Rahmen wird heute Abend das Chogori-Duo sorgen. Die Ausstellung kann noch bis Sonntag, 20. März, besichtigt werden. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr sowie sonntags nach den Gottesdiensten in der Kirche.

Quelle: RP
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