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Düsseldorf-Stadtmitte
Kunst auf Zeit

Düsseldorf-Stadtmitte: Kunst auf Zeit
Im ehemaligen Postverteilzentrum in der Nähe des Hauptbahnhofs soll ein zeitlich begrenztes Kultur-Projekt umgesetzt werden. FOTO: anne orthen
Stadtmitte. Seit Februar steht das ehemalige Postverteilzentrum in der Nähe des Hauptbahnhofs leer. Nun wird das 39.000 Quadratmeter große Gelände zum vorübergehenden Kultur-Projekt. Von Alexandra Wehrmann

Mit einem leisen Surren gleitet das Rolltor nach oben. Dann herrscht erst Stille. Im Halbdunkel des hereinbrechenden Abends liegen sie da, zwei riesige Hallen. Kathedralen des Dienstleistungssektors. Ihr Ende ist im Dämmerlicht kaum auszumachen. Christian Fleischer schaltet das Licht an. Die Neonleuchten an der Decke flackern auf. Eine nach der anderen, wie ein Dominoeffekt. Vor ihm liegen 5500 Quadratmeter. "Und das ist erst der Anfang", sagt Fleischer. Seit 1. November hat er den Schlüssel. Viele Male hat er seitdem Leute über das Gelände geführt. Kreative, Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung, Journalisten. Trotzdem ist er begeistert wie am ersten Tag.

Er schwärmt von Bunkeranlagen unter dem Gelände, Tunneln, durch die man nur kriechen kann, und vom Schießstand, dessen Boden heute noch von unzähligen Patronenhülsen bedeckt ist. Gemeinsam mit Philipp Maiburg, dem künstlerischen Leiter des Open Source Festivals, und dem Werber und DJ Dirk Schmaler organisiert Fleischer die Zwischen-Nutzung des Geländes, das einst die Deutsche Bundespost beherbergte. Mittlerweile gehört es der Catella Project Management GmbH. Der Entwickler plant für das Areal das sogenannte "Grand Central", ein Wohnquartier mit drei 60-Meter-Türmen, zwei Hotels, Kitas und Einzelhandel. "Der Abriss startet allerdings frühestens Mitte kommenden Jahres", sagt Christian Fleischer.

Der Zwischen-Nutzungsvertrag gilt zunächst bis Ende April, kann aber monatsweise verlängert werden. Darauf hoffen die Interimsnutzer. "Es wäre super, wenn wir das Außengelände den Sommer über noch bespielen könnten", sagt Philipp Maiburg. Aber auch eine Nutzung im Winter sei unproblematisch: "Heizung, Strom, Toiletten - alles da", sagt Fleischer. Nur ein paar Armaturen seien abhanden gekommen in den Monaten, seit das Gelände leer steht. Und das Dach müsse an einer Stelle geflickt werden. Kleinkram.

Zu dem Großprojekt sind Maiburg und seine beiden Mitstreiter wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. "Catella hat aktiv jemanden gesucht, der sich um die Bespielung kümmert", erzählt Fleischer. Über Dirk Schmaler kam Philipp Maiburg ins Spiel. Schnell wurde man sich einig. Catella habe ein Interesse daran, dass die Räume nicht leer stehen, so Maiburg, "aber sie hätten das Ganze ja auch als Lagerflächen vermieten können." Stattdessen haben sie sich für Kultur entschieden - fürs Image sicher kein Nachteil, vermuten die Projektleiter.

Das Konzept von "postPOST - Grand Central" sieht eine Dreiteilung vor. Da ist zum einen die ehemalige Versandhalle mit ihren 5500 Quadratmetern. Sie könnte für Flohmärkte genutzt werden, für Foodmärkte oder große Ausstellungen. Dort soll das Geld erwirtschaftet werden, das die Infrastruktur des Großprojekts gewährleistet. Um die Vermarktung kümmert sich Fleischers Agentur zackBumm GmbH, die mit Events dieser Größenordnung viel Erfahrung hat. Bereits jetzt liegen Anfragen vor. Für den ehemaligen Verwaltungstrakt sind auf zwei Etagen 30 Ateliers und Werkräume zwischen 16 und 45 Quadratmetern Größe geplant. In dem Geschoss darunter stehen Flächen für Ausstellungen und Pop-up-Galerien zur Verfügung. Sie sollen weit unter dem städtischen Mietspiegel angeboten werden.

"Die Umsetzung dieser Kreativschmiede ist allerdings nur mit der Unterstützung von Förderern möglich", erklärt Maiburg. Gespräche mit potenziellen Geldgebern laufen. Sobald die Finanzierung steht, beginnt das Auswahlverfahren. Eine Verbindung zwischen Ateliers, Werkstätten und der großen Halle ist der Clubraum mit weiteren 1400 Quadratmetern. Der Clou: zwei Metall-Treppen, die zu Dach-Kammern führen, von denen man einen Überblick über die gesamte Räumlichkeit hat. Im Clubraum soll regelmäßig eine Auswahl dessen, was in den Werkstätten und Ateliers entstanden ist, präsentiert werden. Das kann bildende Kunst sein, aber auch Konzerte, Filmvorführungen, Lesungen, Performances oder Modenschauen. "Hier knüpfen wir an das an, was wir bei Elektro Müller mit elektronischer Musik begonnen haben", sagt Maiburg.

Seine kulturelle Feuertaufe hat postPOST übrigens schon bestanden: An drei Tagen im November gastierte das FFT mit der Performance "The last Ideal Paradise" von Claudia Bosses Theatercombinat. Auch die ersten Zwischenmieter sind schon auf dem Gelände. Links des Pförtnerhäuschens brennt noch Licht. Dort probt die Opernwerkstatt der Kunstakademie für eine Aufführung. Die riesige Parkfläche hat sich derweil das Düsseldorfer Start-up "Besser Parken" gesichert. Ihr Pendlerparkplatz-Angebot scheint sich aber noch nicht rumgesprochen zu haben. So autofrei ist Düsseldorf nur an wenigen Stellen.

Mietanfragen per E-Mail an postpost@zack-bumm.net oder telefonisch unter 5455580

Quelle: RP
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