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Stadtmitte
Nur leichtes Aufatmen am Wehrhahn

Stadtmitte. Mehr als acht Monate nach Start der Wehrhahn-Linie ist der Aufschwung teilweise noch verhalten. Einige Geschäftsleute, die erst kurz vorher am Wehrhahn ihre Läden eröffnet hatten, haben sie schon aufgegeben. Andere glauben fest an den Standort. Von Semiha Ünlü

Die Bauarbeiten für die neue U-Bahn-Linie hatte den Wehrhahn erst zur Straße der verlorenen Hoffnungen gemacht, und so wäre es ja nur fair gewesen, wenn mit den hin- und herpendelnden Bahnen die Zuversicht und der Aufschwung zurückkehrt wären. Doch ganz so einfach ist es dann eben doch nicht. Und so spüren viele Geschäftsleute vor Ort bislang nur einen eher gemäßigten U-Bahn-Effekt. Es gebe inzwischen zwar wieder mehr Laufkundschaft, sagt etwa Nadine Rütten vom Hobby-Kreativmarkt. Doch nach dem jahrelangen harten Kampf um die Existenz wegen der Dauerbaustelle vor der Ladentür sei das eine eher verhaltene Entwicklung. Doch sie will zuversichtlich sein, schließlich hat sie als einige der wenigen Händler sogar gut neun Jahre Dauerbaustelle überlebt.

Dass sie das konnte, liege daran, dass sie ein Fachgeschäft betreibt und deswegen vor allem Stammkunden hat: Sie sei auf die Laufkundschaft, die mit den Arbeiten der Wehrhahn-Linie mehr und mehr weggeblieb, nicht so stark angewiesen gewesen wie andere Geschäftsleute. Das ist wohl auch der Grund, warum ein anderes Geschäft noch immer da ist: Wenige Meter vom Hobby-Bastel-Laden entfernt betreibt Richard Luijer ein Geschäft für Lampen und Leuchten, im Keller hat er eine Werkstatt für die Herstellung von Lampenschirmen, auf die sich nur noch wenige Menschen in Deutschland verstehen. Der gebürtige Niederländer produziert in seinem traditionsreichen Laden vor allem für Großkunden, etwa das Interconti Düsseldorf oder die Marriott-Hotels bundesweit. Beim Reformhaus Vita Nova Kaubisch, das fast gleichzeitig mit der Wehrhahn-Linie eröffnet hatte, gibt man sich recht zufrieden mit dem neuen Standort. Die Geschäfte könnten natürlich immer besser laufen, so der Filialleiter. Aber als traditionsreiches Unternehmen mit weiteren 16 Standorten bundesweit habe man einen bekannten Namen und die dazugehörige Stammkundschaft und damit auch eine langfristige Perspektive vor Ort, ist man sich sicher. Die Chancen für die eher kleinen, unbekannten (neuen) Läden, die zudem nicht direkt im Einzugsgebiet der neuen U-Bahn-Station Pempelforter Straße liegen, stünden wahrscheinlich deutlich schlechter.

Man müsse dem Wehrhahn, der eben keine "typische Einkaufsstraße" sei, Zeit lassen, meint Sven Schulte, der Stadtteil-Marketing-Experte der Industrie- und Handelskammer. Die Straße sei eben keine klassische Einkaufsstraße wie die Schadowstraße und habe sehr unter der Dauerbaustelle für die neue U-Bahn-Linie gelitten. Doch es gebe eine positive Entwicklung vor Ort, zum Beispiel gastronomische Neueröffnungen wie die Patisserie/Boulangerie épi und das Baba Green oder die Bio-Kette Denn's. Zudem würden viele Geschäftsleute in ihre Fassaden investieren oder generell in ihren Standort, wie etwa die Fastfood-Kette McDonalds. Eine Herausforderung werde es allerdings sein, dass die geplante neue Fußgängerzone an der Jacobistraße enden soll und man daher schauen müsse, wie man den "Schwung" rüber zum Wehrhahn bringen könne.

Viele Händler haben die Hoffnung in die Wiederbelebung des Wehrhahns inzwischen ganz aufgegeben: Kaum ein Jahr nach der Eröffnung hat etwa das Café Wehrhahn geschlossen: Das Hoffen auf den U-Bahn-Effekt dauerte einfach zu lange. Und auch andere leerstehende Lokale zeigen, dass sich viele Hoffnungen zerschlagen haben.

Quelle: RP
 
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