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Stadtmitte
Quartiersrundfahrt zeigt Probleme auf

Stadtmitte. Bei einem Fahrrad-Spaziergang der Bahnhofsmission trafen die Teilnehmer auf manche Widerstände. Von Oliver Burwig

Einmal im Monat bietet die Bahnhofsmission einen Spaziergang durch das Quartier um den Konrad-Adenauer-Platz an, jedes Mal zu einem anderen Thema. Bei der jüngsten Tour ging es um Widerstand - den historischen, der sich vor vielen Jahrzehnten im Dritten Reich den Nazis entgegenstellte; und jenen, mit dem Radfahrer heute im oft als fahrradfreundlich bezeichneten Düsseldorf leben.

Rund 20 Menschen nahmen an der Fahrt teil, den die Mission mit dem ADFC und dem Verkehrsclub Deutschland ausrichtete. Barbara Kempenich, Leiterin der Bahnhofsmission: "An vielen Stellen der Stadt ist man als Radfahrer Widerständen ausgesetzt, weil der Autoverkehr absolute Priorität hat." Das merkten die Fahrradfahrer der Gruppe vor allem auf der Oststraße bei der Querung der Immermannstraße. "Das ist das Furchtbarste, was einem Radfahrer in Düsseldorf passieren kann", sagte Volker Götz, der auch den historischen Teil der Rundfahrt leitete. Er führte nach der schwierigen Passage der fünfspurigen Straße die Gruppe in die Historie der Marienkirche ein und wies auf die Tafel hin, die von Kaplan Joseph Cornelius Rossaint erzählt. Elf Jahre habe dieser bei den Nationalsozialisten in Haft gesessen, ehe er zum Ende des Zweiten Weltkriegs der Hinrichtung durch Glück entging.

Hauptaugenmerk der Radtour wurden allerdings schnell die Verkehrsknotenpunkte und gefährlichen Straßen, auf denen Radfahrer mit Autofahrern in Konflikt geraten. An der Bismarckstraße, die in Teilen eine offizielle Fahrradstraße mit eigenen Verkehrsregeln ist, sagte Lerke Tyra, stellvertretende ADFC-Vorsitzende in Düsseldorf: "Hier sind wir König." Sie erklärt, dass der Abschnitt zwischen Karl- und Oststraße zwar etwas "sehr feines" sei, kritisierte jedoch, dass es stadtweit nur zwei Fahrradstraßen gebe. Auch, dass dort Tempo 30 gelte, sei wenig bekannt. Theoretisch dürfe man als Radfahrer vor Autos fahren, die dazu verpflichtet seien, sich der Geschwindigkeit des Radfahrers anzupassen. "Aber versuchen sie das mal, da werden Sie ganz schnell weggehupt", sagte ein Mitfahrer.

Am Worringer Platz angekommen, erinnerte Volker Götz mit einem Schwarz-Weiß-Foto an das "Braune Haus", das bis Kriegsende an der Ecke Worringer/Kölner Straße war, das zu Nazi-Zeiten eine Art "Wellness-Zentrum für Faschisten" gewesen sei, das auch als Bordell für NSDAP-Mitglieder gedient haben soll. Lerke Tyra stört sich heute vor allem an dem abrupt endenden Radweg, der parallel zur Kölner Straße verläuft und in der Unterführung kurz vor dem Platz unvermittelt endet - "wie so oft in der Stadt", bemerkt Tyra. Burkhard Karp vom VCD, der die Tour begleitete, machte Hoffnung: "Der Radweg soll der aktuellen Planung nach über den Worringer Platz hinaus verlängert werden."

Quelle: RP
 
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