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Stadtmitte
Schuhmacher schließt wegen Fachkräftemangels nach 116 Jahren

Stadtmitte. Das Schuhgeschäft Küpper an der Berliner Allee konnte kein geeignetes Personal mehr finden. Von Regina Goldlücke

Gestern schlossen sich nach 116 Jahren die Türen zum orthopädischen Schuhgeschäft Küpper. Damit endet eine Familientradition, die 1899 begann und vier Generationen umspannte. Der Gründer Theodor Küpper war der Urgroßvater des heutigen Besitzers Claus Peter Küpper. Er hatte ursprünglich vor, noch zwei Jahre bis zu seiner Pensionierung weiterzumachen. "Doch dann wurden drei Mitarbeiter aus meiner Werkstatt ernsthaft krank", erzählt er.

"Es war klar, sie würden nicht zurückkehren. Fachkräfte wie sie sind heute kaum mehr zu finden, wir haben ja alles noch von Hand gemacht. Deshalb musste ich vorzeitig aufgeben." Vor dem Laden an der Berliner Allee versperren Bauzäune den Weg, Passanten schlängeln sich daran vorbei. Schadeten die jahrelangen Hindernisse den Umsätzen nicht? "Und ob", bestätigt Claus Peter Küpper. "Noch schlimmer waren die Einsparungen der Krankenkassen. Das hätten wir gerade noch so überlebt. Wenn Sie aber über kein fähiges Personal mehr verfügen, haben Sie keine Chance."

Küpper war über viele Jahrzehnte eine erstklassige Adresse in der Landeshauptstadt. Es wurden Maßschuhe gefertigt, orthopädische Zurichtungen und Einlagen angepasst, Schuhreparaturen und Näharbeiten durchgeführt. "Wir haben früher den ganzen Niederrhein und auch die Unternehmerfamilie 4711 beliefert", berichtet der Eigentümer. "Mein Vater ist selbst noch zu den Kunden hingefahren und hat ihnen die Schuhe gebracht."

Es sei üblich gewesen, dass die Aufträge nur einmal im Jahr bezahlt wurden, zumeist an Ostern: "Gemahnt hätten wir nicht, das war ein Sakrileg." Erst mit der Kostenübernahme der Verordnungen durch die Krankenkassen, etwa Mitte der 1960er Jahre, kam regelmäßig Geld herein. Nachdem sein inzwischen verstorbener Bruder Theodor kein Interesse an der Fortführung der Familientradition hatte, entschied sich Claus Peter Küpper dafür. Ganz freiwillig? "Erst nicht, dann schon", antwortet er. "Man ist halt reingewachsen." Er sieht sich wie zum Abschied in seiner Werkstatt um und spannt einen Schuh auf den Ständer. Hinter ihm stehen eine nostalgische Reparaturmaschine von Adler und eine Säulenmaschine von Pfaff. Was wird aus all den Sachen? "Ich muss hier gar nichts ausräumen, darüber bin ich froh", sagt Küpper. Einen Nachfolger zu finden, war nicht leicht, aber es glückte.

Günter Cordewener, mit dem Küpper einst zur Berufsschule ging, wird den Laden übernehmen und zunächst nur geringfügig renovieren. Mit seinen zwei Söhnen betreibt er orthopädische Schuhgeschäfte in Wuppertal, Velbert und Neuss. Schon länger wollte Cordewener nach Düsseldorf. Claus Peter Küpper wird in der Übergangsphase im Januar und Februar noch vor Ort sein. Danach zieht er mit seiner Frau nach Deggendorf in Bayern, wo Verwandte leben.

Wie ist ihm jetzt zumute? Wehmut sei nicht dabei, versichert er. Eher sei er erleichtert, dass ihm eine reibungslose Übergabe gelang: "Irgendwann muss eben Schluss sein." Wenn er zurückdenkt, fallen ihm Geschichten ein wie diese: Eine reiche Kundin aus Krefeld schickte extra ein Taxi vorbei. Der Chauffeur überbrachte sündhaft teure Schuhe von Louboutin: "Ich sollte sie mit einer extra Sohle versehen, damit sie rutschfest wurden. Solche Aufträge vergisst man nicht."

Quelle: RP
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