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Stadtmitte
Turnvater Jahn ist out

Stadtmitte: Turnvater Jahn ist out
Vor der Fotogalerie des Olymp Fitness-Centers zeigt Inhaber Michael Moormann (rechts) Benjamin Musch eine Übung für den Trizeps. FOTO: Bernd Schaller
Stadtmitte. Das Olymp Fitness-Center am Wehrhahn ist das älteste in der Stadt. Inhaber Michael Moormann hat in 35 Jahren den Wandel der Branche beobachtet. Fitnesstraining liegt im Trend, genau wie sein uriger Laden. Von Henning Rasche

Die Sofas sind mit rotem Leder überzogen. Sie sind so eng aneinandergestellt, wie man es sonst in einem kalifornischen Diner erwarten würde. Auf den Tisch passt gerade noch der Cheeseburger mit Pommes. An der Wand hängt - ein Souvenir aus den 50ern - die Neonschrift "Viva Oly", die Kurzform von Olymp. Pokale aus den 60er, 70er Jahren pflastern die Rückwand der Sitzecke. Dazwischen: Ein kleines Schild, das auf Gratis-WLAN hinweist. Und davor sitzt Michael Moormann. Ebenfalls Inventar, wie die Sofas. Sein Esprit, die moderne Föhnfrisur, sein Körper, dessen Zustand man nur erahnen kann. Der aber wohl auch 19-Jährige neidisch werden ließe.

Dabei ist Michael Moormann 53. Sein weißes Polohemd hängt schlaff über seinen Muskeln, deren Ausmaße durch leichte Hügel zu erkennen sind. Er ist Chef, Inhaber, Betreiber und Trainer im mit 35 Jahren ältesten Fitnessstudio Düsseldorfs, dem Olymp Fitness-Center an der Pempelforter Straße. Wenn er an einem Morgen am Eingang sitzt und lästige Büroarbeiten erledigt, begrüßt er jeden seiner Gäste mit Vornamen.

Die Zeiten haben sich geändert, seit Moormann 1981 angefangen hat im Olymp zu trainieren - mit viel zu viel Belastung und viel zu wenig Ahnung; seit dem er ein Jahr später ein paar Trainerstunden gegeben und seit er den Laden 1990 übernommen hat. Den Wandel hat Moormann an sich vorbei ziehen sehen und, für sein geschäftliches Überleben wichtig, für sich genutzt. Sein Laden sei inzwischen Kult, findet er. Und weil alles Kultige im Trend liegt, liegt auch Moormanns Fitness-Olymp im Trend.

Früher, vor 30 Jahren, hätten bloß Eisenfresser in der Ecke gestanden, die ihre Körper durch mehr und mehr Wiederholungen gestählt und aufgebläht haben. Heute beobachtet Michael Moormann die Schüler vom Humboldt-Gymnasium gegenüber, wie sie schon Oberarme, Bauch oder Brust trainieren. Mädchen würden sich immer dünner hungern, Jungs müssten Muskeln bieten. Auch das sei Trend. Die ganz Jungen gingen erstmal zu den Fitness-Discountern, die die Eltern zahlten, da verdiene er nichts dran. Mit dem ersten eigenen Geld käme die Einsicht, dass es sich lohne, mehr zu investieren. Weil es bei ihm so privat, familiär und urig sei.

Ende der 90er sind die Discounter aus dem Boden gesprossen. Während man bei Moormann früher 70 Deutsche Mark und heute, je nach Vertragslaufzeit, zwischen 28,50 und 47 Euro im Monat zahlt, kann man bei der Billigkonkurrenz für 15 Euro trainieren. Über die Vertragslaufzeit könne der Kunde da gar nicht erst verhandeln. Moormann habe zu dieser Zeit viele Sportler verloren. Doch inzwischen kämen sie zurück. Der gehobene Preis selektiere natürlich auch etwas das Publikum. Wer sich abgrenzen will, geht in den Olymp. In dessen Keller schreit unterdessen eine Frau, es klingt nach echtem Schmerz. Um Eindruck schinden geht es hier nicht, es geht um den Sport, der nach Schweiß schmeckt.

10,7 Prozent der Düsseldorfer trainieren in Fitnessstudios. Sport- und Turnvereine leiden darunter, ihre Mitgliedzahlen schwinden. "Kein Mensch will zum Handball", sagt Moormann. "Turnvater Jahn ist out." Fitness ist Lifestyle, Kult und Gesundheit. "Bei uns ist Musik drin. Das haben die anderen verpasst", findet er.

Bloß ein Thema ist Moormann leid: Doping. Manche Körper, die man so sieht, haben das nicht ohne Hilfe geschafft. Moormann weiß das. Aber nicht bei ihm, nicht im Olymp. Derjenige, der in seinem Laden zu Anabolika greift, fliegt raus.

Im Eingang stehen die teuren Laufbänder und Fahrräder. Weiter hinten durch ist die Theke, wo es Eiweißshakes und Grapefruitwasser gibt. Neben den roten Ledersofas dominiert die Farbe Blau. Eine Fotowand mit Prominenz aus der Szene hinter den Qualgeräten ist ein Zeichen der ruhmreichen Historie des Olymps. Trotz aller Wandel, trotz WLAN-Netz und trotz hübscher gewordenen Trainingsgeräten: Moormanns Credo bleibt. "Wer seine Figur verändern will, der muss sich quälen. Heute wie vor 35 Jahren."

Quelle: RP
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