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Stadtmitte
Der gestörte Platz

Worringer Platz in Düsseldorf: Der gestörte Platz
Der Worringer Platz hat auch nach seiner Umgestaltung 2004 nicht an Attraktivität gewonnen. FOTO: Andreas Endermann
Stadtmitte. Trotz diverser Umbauten gilt der Worringer Platz als Schmuddelecke. Walter Rudolph kann sich noch an bessere Zeiten erinnern. Von Marc Ingel

Der Niedergang des Worringer Platzes scheint unaufhaltsam zu sein. Auch die Umgestaltung 2004 hat nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Trinker, Drogenabhängige, Obdachlose haben den Platz am Hauptbahnhof zu ihrem Revier gemacht. Roberto Tomasella betreibt seit 1976 seine Gelateria Stefan an der Worringer Straße 98. Anfangs hat er noch höchsterpersönlich die Graffiti in der 1962 eröffneten Unterführung verschwinden lassen. Irgendwann hat er es aufgegeben. Heute gilt Graffiti als Street Art, trotzdem ist der Untergrund seit 1995 verschlossen. Tomasella schüttelt nur mit dem Kopf, wenn er auf den Zustand des Worringer Platzes angesprochen wird.

Auch Walter Rudolph kann sich noch gut an bessere Zeiten erinnern. Seit fünf Generationen gehört seiner Familie das Haus am Worringer Platz 5. Seine Eltern hatten dort ein Geschäft für Herde und Öfen. Es folgten Läden für Messingmöbel sowie ein Sanitärhandel. Die Mietzeiten wurden immer kürzer, und mit einem zwielichtigen Internetcafé war dann der Tiefststand erreicht. Rudolph war es leid, er hat das Ladenlokal jetzt für die Kunst freigegeben. Es soll eine Dauerlösung sein.

Trotzdem (oder gerade deswegen) hat er den Worringer Platz noch nicht aufgegeben. "Das war hier früher eine aufregende Gegend", sagt Rudolph. Für 50 Pfennig hat er als Kind in den 50er Jahren im Hauptbahnhof "Aktualitäten-Kino" in einer Endlosschleife geschaut. Es gab gehobene Gastronomie. Und neben dem Haus der Eltern existierte noch das alte Capitol-Theater, "hier wurde ,Hair' uraufgeführt", erinnert sich der 68-Jährige. Das steht längst leer, seit Jahren, wie so vieles am Worringer Platz.

Um 1930 hat die Tabakfirma Mühlensiepen einen achteckigen Pavillon mit Vordach und Uhrenturm auf dem Platz errichtet. Auf der Spitze des Turms stand der Kiepenkerl, eine Reklamefigur aus Bronze. "Der Pavillon war damals Mittelpunkt pulsierenden Lebens auf dem Worringer Platz, der ein Knotenpunkt für die Straßenbahnen und beliebter Treffpunkt vor dem damaligen Capitol-Theater war", erzählt Wolfgang Funke in seinem Werk "Ars Publica", das die Geschichte der Düsseldorfer Kunstwerke im öffentlichen Raum auflistet. Lange ist's her.

"So etwas wie den Kiepenkerl als symbolische Figur würde dem Platz wieder gut zu Gesicht stehen, vielleicht sogar eine Aufbruchstimmung erzeugen", sagt Rudolph. Der Umbau mit den berüchtigten grünen "Stadtsofas" war in seinen Augen nutzlos. "Wo kein Gewerbe mehr ist, kein Leben, da helfen auch keine Bänke. Das ist zu eindimensional gedacht, man muss das ganzheitlich angehen. Der Platz hat heute einfach null Aufenthaltsqualität und bleibt so einer bürgerlichen Klientel verschlossen." Rudolph bezeichnet den Worringer Platz als "gestörten Platz, ober- wie unterirdisch. Es gibt einfach zu viele Störfaktoren: die vielen Bahnen natürlich, der Verkehr, auch das Drogenzentrum an der Erkrather Straße um die Ecke. Außerdem ist alles zu groß, zu offen, es fehlt an Intimität und Harmonie".

Walter Rudolph lebt in Niederkassel, "aber ich fühle mich dem Worringer Platz verpflichtet", sagt er. Er besitzt mehrere Häuser, widmet sich mittlerweile aber mit Vorliebe als Seitenseinsteiger der Kunstförderung. Den leerstehenden Kunstraum am Worringer Platz 5, in seinen Urzustand von 1958 zurückversetzt, will er nächstes Jahr dem Düsseldorfer Photo Weekend zur Verfügung stellen. Ein bisschen Kunst am Worringer Platz wird noch keine großen Veränderungen herbeiführen, das weiß Rudolph. Aber es ist immerhin so etwas wie ein Anfang.

Quelle: RP
 
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