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Stockum/Golzheim
Beim Nähen die neue Heimat kennenlernen

Stockum/Golzheim. Der Kurs im Gemeindehaus der Tersteegenkirche ist im Stadtteil ein wichtiger Treffpunkt für Flüchtlinge. Von Semiha Ünlü

Im Gemeindehaus der Tersteegenkirche brummen die Nähmaschinen, bunte Stoffballen liegen auf der langen Tischreihe. Eine Frau aus Nigeria beugt sich über den Tisch und nimmt Maß an dem schillernden Stück Stoff, das ein T-Shirt werden soll. Eine Schere liegt griffbereit. An einem anderen Tisch gibt Christine Neuerburg einer "Schülerin" Tipps zum Nähen eines T-Shirts mit Blumenmuster - in Englisch und Deutsch. Denn Teilnehmer des Nähkurses im evangelischen Gemeindehaus sind Flüchtlinge, die über das Nähen und Schneiden auch ins Gespräch kommen sollen über andere Fragen und Themen, die sie in ihrer neuen Heimat bewegen und interessieren.

Die Stoffballen, an denen die Flüchtlinge jeden Donnerstag ab 16 Uhr im Gemeindehaus arbeiten, sind Spenden, zum Beispiel von einer 90-Jährigen aus der Gemeinde. Christine Neuerburg ist eigentlich Kunsterzieherin, aber auch begeisterte Hobby-Näherin und leitet den Kurs. Ihre "Schülerin" aus Nigeria braucht kaum Hilfe: "Stella hat im Wohnheim auch eine Nähmaschine. Die nimmt auch was mit, näht begeistert zu Hause weiter." Für viele Flüchtlinge ist der Nähkurs eine Abwechslung zum Alltag, ein Treffpunkt, um sich mit Anderen in der neuen Heimat auszutauschen.

Am Nachbartisch schneidet Svenja Göttler Papier- und Stoffteile zurecht: "Die afrikanischen Frauen mögen diese bunten Stoffe lieber. Die arabischen Frauen haben dagegen schon wieder einen anderen Geschmack." Um die Babys und Kinder der Flüchtlinge kümmert sich Physiotherapeutin Melanie Michlen in einer Ecke des Raums. Auch sie arbeitet auf ehrenamtlicher Basis: "Wir versuchen, ein bisschen zu unterstützen, dass die Kleinen lernen zu krabbeln. Wir haben jetzt auch eine Schwangerschaftsberatung und einen Kurs eingerichtet, in dem uns eine Hebamme besuchen kommt. Das ist auch wichtig für die Frauen."

"Das ist ganz toll, dass sie hier Anregungen kriegen und so intensiv mitmachen. Das ist hier ein Treffpunkt", sagt Christine Neuerburg.

Quelle: RP
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