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Stockum/Golzheim
Ein Mann, drei Ornate

Stockum/Golzheim. Rolf Herpens ist Zahnarzt, Vizepräsident des Vereins Comitee Düsseldorfer Carneval und Honorarkonsul der Seychellen. Ohne den Karneval wäre der 71-Jährige wohl nie zu seinem Ehrenamt gekommen. Von Nicole Kampe

In einer kleinen Sackgasse steht das Eckhaus mit den hellgrauen Backsteinen und dem spitzen Dach, in das kleine Fensterchen eingebaut sind. Ein ganz normales Haus in einer ganz normalen, hübschen Siedlung eben, in der sich die Nachbarn einen guten Tag wünschen, die Wiesen noch grün sind und die Parkplatznot nicht allzugroß scheint. Über dem Eingang des Eckhauses ist die Nummer 2c aufgemalt, gleich daneben hängt eine Plakette, oval, darauf zu sehen: Fächerfische, Vögel, Palmen, Strand und eine Schildkröte. Eine Ansammlung paradiesischer Elemente und auch deshalb das Wappen der Seychellen - das an Rolf Herpens Haus hängt, am Haus des Honorarkonsuls der Republik in Ostafrika.

Vor einem Jahr hat Herpens das Ehrenamt übernommen, im zweiten Stock seines Hauses richtet er gerade ein Büro ein. Eine große Flagge der Seychellen wird natürlich hinter seinem Schreibtisch hängen, die fünf schräg verlaufende Streifen in Blau, Gelb, Rot, Weiß und Grün hat. Die Farben stehen für den Himmel und das Meer, die Sonne, das Volk (Blut), die soziale Gerechtigkeit und das Land mit seiner Vegetation. An seinem Revers trägt Rolf Herpens einen kleinen Anstecker mit zwei Flaggen - der deutschen und der seychellischen.

Gäste will Rolf Herpens in seinem Haus dann empfangen, offizielle Vertreter der Republik zum Beispiel oder Seycheller, die bei ihrem Deutschlandurlaub in Not geraten sind, ihren Pass verloren haben oder erkrankt sind. "Das aber ist ganz selten", sagt Rolf Herpens, zwei Mal ist es in seiner Amtszeit bisher vorgekommen, dass er für einen Seycheller neue Papiere besorgen musste. Vielmehr ist Herpens Berater für Deutsche, die Urlaub auf einer der rund 115 Inseln im Indischen Ozean planen. Einmal ist er gefragt worden, wie viele Zigarren importiert werden können, "das wusste ich auf Anhieb doch auch nicht", sagt der 71-Jährige. Ein anderes Mal rief eine Familie an, ob sie Wiener Würstchen ins Land bringen dürfen. Sich schlau machen - das ist dann Herpens Aufgabe, ist die Frage noch so ungewöhnlich. "Zigarren sind es übrigens 50, und die Würstchen müssen in der Konserve sein."

Dass Rolf Herpens überhaupt Honorarkonsul von einem der schönsten Orte der Welt geworden ist, das hat mit dem Karneval zu tun. Herpens ist Vizepräsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC), mit einer Delegation ist er vor sechs Jahren zum ersten Mal auf den Seychellen gewesen, beim "Carnaval International de Victoria". Da hat er Kontakte geknüpft, zum Tourismusminister zum Beispiel und zum Außenminister. Weitere Einladungen folgten, immer wieder ist er auch privat auf die Seychellen geflogen, "bald wurde ich gefragt, ob ich Honorarkonsul werden möchte", erzählt Herpens.

Einer von fünf ist Rolf Herpens in Deutschland, zuständig für NRW, das Saarland und Rheinland-Pfalz. Die Leidenschaft für den Karneval teilt der CC-Vizepräsident mit den Seychellern, zwei Mal ist schon eine Tanzgruppe beim Düsseldorfer Rosenmontagszug dabeigewesen. Auch nächste Woche wollen sie kommen, "aber das entscheidet sich immer kurz vor knapp", sagt Herpens. Es hat schon mal ein Jahr gegeben, da ist Herpens drei Mal zum Flughafen gefahren und hat vergeblich auf die Besucher von den Seychellen gewartet. Geklappt hat es dann immer irgendwie, nur mit den Temperaturen in Deutschland haben es die Gäste nicht so sehr, "ohne Socken und in Flipflops sind sie hier gelandet", erinnert sich Herpens, der die Tänzer dann gleich zum Shoppen schickte. Die Reisen auf die Seychellen mit dem CC sind seltener geworden, "seit es einen Regierungswechsel gegeben hat", erzählt Herpens. Zwei oder drei Mal im Jahr ist er aber privat dort, mit seiner Frau. Zeit dafür findet er, obwohl er viel zu tun hat mit dem Karneval und noch immer als Zahnarzt arbeitet. In Golzheim hat er seine Praxis, die er gemeinsam mit seinem Sohn führt.

Nicht mal die langen Flüge machen ihm etwas aus, von Frankfurt startet er meistens, einen Zwischenstopp gibt es in Abu Dhabi, dann geht es weiter nach Mahé. Die Hauptinsel sozusagen, mit der Hauptstadt Victoria, die viel zu bieten hat für die Besucher, "auf jeden Fall sollte man sich dort ein Auto mieten". Dass Autofahren auf den anderen Inseln nämlich kann abenteuerlich sein, ein Meter tiefe Spalten neben der Fahrbahn, dazu kommt der Linksverkehr.

Es ist vor allem die Natur, die der Karnevalist und Zahnarzt schätzt. Die Insel Praslin mit seinem Ferdinand Nature Reserve oder dem Vallée de Mai, in der die seltene Coco de Mer wächst, die unter Naturschutz steht und die nur mit Genehmigung ausgeführt werden darf. Oder La Digue, auf der Einheimische wie Touristen mit dem Fahrrad unterwegs sind. Einige der 115 Inseln hat Rolf Herpens schon gesehen, noch viele mehr will er in den nächsten Jahren besuchen. Dass der 71-Jährige Honorarkonsul ist, das sieht ihm niemand an. Erst wenn er auf Mahé gelandet ist, wird er standesgemäß vom Ministerium abgeholt. Und in der Schlange bei der Einreise muss er sich auf den Seychellen auch nicht anstellen.

Quelle: RP
 
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