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Unterbach
Der Stolz der Bruderschaft

Unterbach: Der Stolz der Bruderschaft
Andreas Diering in Zivil: Der 37-Jährige kümmert sich als Jungschützenmeister um die Belange der Jugend. FOTO: Schaller,Bernd (bs)
Unterbach. Andreas Diering war erst Jungschützenmeister in Unterbach, dann auf Bezirksebene. Seit Anfang des Jahres übt er dieses Amt für die Diözese Köln aus und ist hier zuständig für 7500 Jugendliche. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Von Marc Ingel

In gewisser Weise hat Andreas Diering richtig Karriere gemacht. Nur Geld bekommt er für seine Tätigkeit nicht. Sein Einsatz für die Kinder und Jugendlichen, die Gefallen am Schützenbrauchtum finden, geschieht ehrenamtlich. Dennoch sagt er: "Ich mache das gerne, keine Frage - auch wenn diese Entwicklung so nicht geplant war."

Zunächst übernahm er die Aufgabe des Jungschützenmeisters in Unterbach, kurz darauf dehnte er seinen Einflussbereich in demselben Amt auf Bezirksebene aus. Seit Anfang des Jahres nun ist Diering sogar Jungschützenmeister für die Diözese Köln, sitzt in dieser Funktion im Vorstand des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft im Diözesanverband und kümmert sich um insgesamt 7500 Jugendliche.

Andreas Diering ist aber auch durchaus ein stolzer Schütze in Unterbach. FOTO: Bernd Schaller

Dass seine Kameraden bei der St. Hubertus-Bruderschaft in Unterbach darauf mächtig stolz sind, weiß er, und er genießt es auch ein wenig. Denn "seinem Dorf" fühlt er sich noch immer eng verbunden. Als kleiner Junge trat er dem Schützenverein bei, "weil sowohl mein Vater als auch meine elf Jahre ältere Schwester Mitglied waren. Jugendarbeit habe ich irgendwie schon immer gemacht. Weil sich dann keiner für das Amt des Jungschützenmeisters fand, habe ich halt Ja gesagt".

Als Diering seinen Führerschein in der Tasche hatte und Kinder durch die Gegend kutschierte, wurde ihm auch der Stellvertreterposten auf Bezirksebene angeboten. "Ein halbes Jahr später schmiss mein Vorsitzender die Brocken hin, und ich rückte auf." Noch eine Stufe höher wurde er dann Zeuge davon, wie gut bezahlte Dozenten durchwachsene Aus- und Fortbildungen durchführten. "Ich dachte mir, das kann ich auch", sagt der 37-Jährige. Und er konnte es sogar besser. Alsbald fand er sich im Vorstand auf Diözesanebene wieder, und da schließlich mal wieder keiner "Hier!" schrie, als ein neuer Jungschützenmeister gesucht wurde, ließ sich Diering auch nicht lange bitten.

Jetzt ist der Funktionär während der Schützenfestzeit in den Sommermonaten rund 4000 Kilometer unterwegs - von Köln bis Wuppertal, von der Voreifel bis nach Erftstadt. Sein größtes Anliegen: Die Jugend für die Schützenidee begeistern, Impulse setzen, indem man dem Nachwuchs sinnvolle Aktivitäten aufzeigt, ihm aber auch Verantwortung überträgt. "Fordern und Fördern, wie man so schön sagt."

Und Kindern zeigt, dass auch ein Schütze vor allem Mensch ist. Einer, der nicht zwangsläufig in festgefahrenen Bahnen denkt, sondern sich gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen weiß. "Das Leben spiegelt sich doch in der Bruderschaft wider. Ob Homosexualität oder Islam: Wir sind keine abgeschottete Gruppierung, die sich allem Unbekannten entgegenstellt." Das heiße aber nicht, dass man Traditionen wie Heimat (Herkunft und Zuhause) oder Sitte ("ein bisschen Anstand hat noch niemandem geschadet") verleugnen müsse. "Wir müssen diese Werte nur 2.0-fähig machen", sagt Diering.

Unterbach im Allgemeinen und der Schützenverein im Besonderen seien zudem ein Paradebeispiel dafür, welch hohen Stellenwert das Leben in Gemeinschaft noch haben kann. "So etwas kennen Kinder heutzutage ja kaum noch. Sie verbringen viel mehr Stunden in der Schule als früher, haben keine Zeit für Hobbys und bleiben in ihrer wenigen Freizeit dann oft alleine in ihrem Zimmer." Der Industriekaufmann opfert daher gerne bis zu Dreiviertel seiner Freizeit, um eine sinnvolle Alternative aufzuzeigen. Und warum soll das nicht die Mitgliedschaft in einem Schützenverein sein?

Quelle: RP
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