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Unterbach
Gekonnt surfen mit nur einem Bein

Unterbach: Gekonnt surfen mit nur einem Bein
Thomas Frey hat bei einem Arbeitsunfall ein Bein verloren. Im Sommer geht er gerne mit dem Stand-Up-Paddle-Board ins Wasser. FOTO: Andreas Bretz
Unterbach. Gestern Nachmittag konnten Menschen mit Amputationen erstmals an einem Surfcamp teilnehmen. "Surfen kann optimal zur Rehabilitation eingesetzt werden", ist sich Ideengeber Michael Rexing sicher. Von Stefanie Thrun

Bei den momentanen Temperaturen ist der Unterbacher See ein beliebter Ausflugsort. So auch am gestrigen Nachmittag. Die Strandbäder waren gut besucht, Tretboote wurden fleißig über den See bewegt und eine Gruppe Jugendlicher baute neben der Surfschule Surf'n'Kite an eigenen Floßen, um sie dann gemeinsam zu Wasser zu lassen. In der Surfschule stand allerdings eine besondere Aktion auf der Tagesordnung: Dort trafen sich am Nachmittag Menschen mit Amputationen, um sich im sogenannten Stand-up-Paddeln zu versuchen.

Die Idee dazu bekam der Orthopädietechniker Michael Rexing vor ein paar Jahren im Kalifornien-Urlaub. Dort beobachtete er Kriegsveteranen, die sich nach ihrer Rückkehr und mit teilweise amputierten Gliedmaßen wieder aufs Surfbrett wagten: "Surfen kann optimal zur Rehabilitation eingesetzt werden. Die Lernkurve geht steil nach oben und es gibt nur selten Misserfolge, das sind perfekte Gegebenheiten." Seine Idee, dies auch in Deutschland zu fördern, teilte er dann mit seinem Freund Thomas Frey.

Frey verlor 1985, mit nur 21 Jahren, sein komplettes rechtes Bein. Damals studierte er Agrarwissenschaften und hatte vier Wochen vor seiner Abschlussprüfung einen Arbeitsunfall mit einer der Maschinen. Ein schwerer Rückschlag für den damals schon sportbegeisterten jungen Mann. Als leidenschaftlicher Skifahrer schaffte er es allerdings, bereits drei Jahre später wieder auf der Piste zu stehen. Mit einem ebenfalls amputierten Skilehrer gelang es ihm, schnell wieder sein Gleichgewicht zu finden. Und er fand seinen Weg zurück in den Sport. Heute ist Sport in vielen Formen sein Leben, wie er sagt. Er ist begeisterter Golfer, im Winter noch immer auf Pisten unterwegs und im Sommer dann gerne auf dem Stand-up-Paddle.

Diese Begeisterung gibt er gerne weiter. Er selbst trug gestern keine Prothese und saß auf einem der Surfbretter: "Im Stehen ist es dann doch zu wackelig." Mit wasserfesten Prothesen konnten die Teilnehmer aber offensichtlich ganz gut das Gleichgewicht halten. Etwas wackelig zu Beginn versuchen sie erst einmal, ein Gefühl für das Stehen auf dem Brett zu entwickeln.

Mit dabei ist immer Michael Rexing, der auch gerne spontan an der ein oder anderen Prothese etwas "herumschraubt", um sie für das wackelige Stehen zu optimieren. Er steht den Teilnehmern hilfreich zur Seite, und das nicht nur bei Problemen mit den Prothesen. Neben seinem Beruf als Orthopädietechniker hat er in Heidelberg eine Surfschule eröffnet. Er betreibt das Hobby mit Begeisterung und kann mit doppeltem Fachwissen helfen. Wie stelle ich mich sicher hin, wie komme ich wieder herunter? Das sind einige der Fragen, die durch ihn und das Team von Surf'n'Kite geklärt werden. Schnell kann man die noch etwas unsicheren, ersten Paddelversuche im Stehen beobachten. Beeindruckend ist dabei vor allem die große Motivation. Michael Rexing sieht das als Vorteil dieses Sportes: "Das Surfen motiviert alle Teilnehmer sehr. Sie wollen sich unbedingt selbstständig auf dem Wasser vorwärts bewegen."

Quelle: RP
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