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Unterbilk
Ärger um Bebauung am Rheinturm

Unterbilk. Beim 12. OB-Dialog stellte sich der Rathaus-Chef den Fragen und Anregungen der Einwohner von Bilk. Besonders diskutiert wurde dabei ein Projekt aus dem Nachbarstadtteil Unterbilk: die auf einem Parkplatz geplanten Wohn-Hochhäuser. Von Denisa Richters

Mit dem größten Düsseldorfer Stadtteil ist es so eine Sache. Bilk ist namentlich überall, auch dort, wo es eigentlich anders heißen müsste. Die Bilker Kirche und die Bilker Arcaden befinden sich in Unterbilk, ebenso der Bürgersaal Bilk. Deshalb war es konsequent, dass Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) die zwölfte Folge seines OB-Dialogs, mit dem er sich nach und nach in allen Stadtteilen der Diskussion mit Einwohnern stellt und die sich Bilk widmete, in eben jenem Bürgersaal in Unterbilk abhielt.

Passend dazu stand auch ein Unterbilker Projekt im Zentrum: die geplanten Wohnhochhäuser neben dem Rheinturm. Sie sollen auf einem Areal entstehen, das derzeit als Parkplatz genutzt wird und wie der Rheinturm der städtischen Tochter IDR gehört. Eine schlecht genutzte Fläche an einem attraktiven Standort, findet der Rathaus-Chef. Er will deshalb, dass die IDR das Grundstück verkauft und eine Bebauung mit zwei Wohnhochhäusern zugelassen wird. Der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven hat dafür schon einen Entwurf vorgelegt, ein Bieterverfahren wurde gestartet.

Es ist mit einem Erlös von 20 bis 25 Millionen Euro zu rechnen, "Geld, das die IDR für andere Investitionen braucht", so Geisel. Er hat dabei die Politik an seiner Seite. Zumindest im Planungsausschuss und im Stadtrat. Die Bezirksvertretung 3 hatte sich einstimmig gegen die Bebauung ausgesprochen, hat aber wegen des gesamtstädtischen Interesses nur empfehlende Wirkung. Mehr als eine halbe Stunde wurde im Bürgersaal darüber diskutiert - und die Stimmung unter den rund 110 Bürgern war eindeutig: gegen das Projekt. "Das ist unser Bürgerpark", sagte ein älterer Herr, der sich eigens für den Abend aus dem Krankenhaus hat entlassen lassen. "Ich bin kein Jurist, nur ein Bilker Jung", aber seiner Ansicht nach dürfe die Fläche nicht bebaut werden. Er und ein anderer Besucher zitierten ein Schreiben des Oberstadtdirektors von 1989, demzufolge private Flächen in diesem Bereich freizuhalten seien. "Ihre Amtsvorgänger haben das verstanden." Geisel betonte, es sei normales demokratisches Vorgehen, dass jetzt andere politische Entscheidungen getroffen werden.

"Wir wollen das alle nicht", sagte eine Frau. "Wenn Sie Geld brauchen, hätten Sie die Tour de France nicht holen dürfen." Andere argumentierten, dann könne Geisel auch gleich den Kö-Graben zubauen. "Luxus ist Raum - und dass man Freiflächen zulässt", merkte ein Bürger an. Ein anderer warf Geisel vor, es gehe ihm nur noch ums Ökonomische. "Sie wurden gewählt, weil es einen Überdruss an Oberbürgermeistern gab, die eine ähnliche Linie gefahren haben." Geisel konterte, die größte Herausforderung sei die Bewältigung des Bevölkerungswachstums, "die Steigerung der Miete ist eine ökonomische Unverschämtheit". Erich Pliszka, Präsident des Heimatvereins Bilker Heimatfreunde, brachte die Idee ein, das Areal freizulassen und an der Stelle lieber einen neuen Sitz für die Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (die derzeit im Stadttor eingemietet ist) zu schaffen. Der Regierungssitz solle aber deutlich niedriger werden als das aktuell Geplante.

Auch der Ältestenrat des Landtags hat sich kritisch zu den geplanten Hochhäusern geäußert, weil er sich nicht ausreichend informiert fühlt und Sorge hat, dass das Gesamtensemble aus Stadttor, Rheinturm, WDR und Landtag durch die Neubebauung leiden könnte. Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) hat deshalb auch einen Brief an ihren Parteifreund Geisel geschrieben, eine offizielle Stellungnahme des Landtags solle "zeitnah folgen", so ihre Sprecherin.

Bei dem OB-Dialog waren auch Radwege ein starkes Thema: mehr Radständer, unterirdische Radgaragen sowie Radstreifen auf der Mecum- und Erasmusstraße gehörten zu den Wünschen.

Quelle: RP
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