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Unterbilk
Aus zweiter Hand an einem Ort

Unterbilk: Aus zweiter Hand an einem Ort
Uli Mack (l.) hat vor zwei Jahren ihr "Café wie im Himmel" eröffnet. Viel zu tun haben sie und Paula Lesinski seitdem. FOTO: andreas bretz
Unterbilk. Die Bilker Allee hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer Vintage-Meile entwickelt. Von Nicole Kampe

Auf den Namen ihres Ladens hört sie inzwischen, auch wenn es nicht ihr eigener ist, die Kunden verbinden sie einfach mit Clara Randenbrook, obwohl sie Simone Rohrbach heißt. Ein bisschen verwirrend ist das, Simone Rohrbach hat sich aber daran gewöhnt. Und irgendwie hat sie es auch ein bisschen gewollt. Weil sie so gleich ins Gespräch kommt mit den Kunden, die Geschichte dahinter erzählen kann - so vieles bei Simone Rohrbach hat eine Geschichte. Die Namen ihrer Urgroßmütter hat die 55-Jährige ausgewählt, als sie 2015 ihr kleines Geschenkekontor an der Bilker Allee eröffnete, der vintage ist und Vintage verkauft. Es gibt Schmuck und Accessoires, kleine Schächtelchen mit Bleistiften darin und Klar-Seifen aus der ältesten Seifen-Manufaktur Deutschlands, die noch in Betrieb ist. Vieles, das Simone Rohrbach in ihrem Laden verkauft, kommt aus ihrem eigenen Fundus, mit der Zeit haben sich Ketten und Ohrringe und Broschen angesammelt.

Fast 15 Jahre lebte Rohrbach in den USA, sie kam zurück nach Deutschland, weil ihre Tochter hier aufwachsen sollte. Sie wohnt im Viertel, in Unterbilk, hatte immer mal ein Auge auf die Straße geworfen, träumte von einem Vintage-Laden, wartete auf ein freies Ladenlokal, auf den richtigen Moment. Dass sie mit ihrer Vintage-Idee richtig liegen würde, das hatte sie gleich im Gefühl, weil die Straße etwas Besonderes ist, weil Rohrbach nicht allein ist, die Bilker Allee vintage ist - die Vintage-Meile von Düsseldorf.

Nur ein paar Häuser weiter hat nämlich Carsten Heinrichs sein Geschäft Jacke wie Hose - feines (un)getragenes, das er vor acht Jahren eröffnete, "im Juni 2010", sagt er ein bisschen überrascht über sich selbst, "das hätte ich damals auch nicht gedacht", sagt der 51-Jährige, der eigentlich im Möbel-Einzelhandel eine Ausbildung gemacht, an der Fachhochschule Düsseldorf Architektur studiert und später bei einer Airline gearbeitet hat. Einen großen Tisch hat er in der Mitte des Ladens stehen, auf dem noch ein paar Pullover und Jäckchen für den Übergang liegen, links sind die Damen, rechts die Herren. Schuhe, Taschen, Jacken - Frauen mit der Konfektionsgröße 36 oder 38 haben gute Chancen, fündig zu werden bei Carsten Heinrichs, der Altes von Dior oder Gucci schätzt, der nach einem Bügel greift und eine Chanel-Jacke zwischen Kleidern und Blusen hervorholt, die aussieht, als wäre sie für Jackie Kennedy gemacht worden, um zu zeigen, wie er sich schönes Altes vorstellt. Carsten Heinrichs ist es auch, der die Bilker Allee ein bisschen prominenter bei den Unterbilkern, ja den Düsseldorfern machen will, "es gibt auch noch etwas anderes als die Lorettostraße", sagt er. "Wir wollen nicht mehr nur der Zipfel sein", unterstützt ihn Uli Mack aus der Nachbarschaft, die vor zwei Jahren auf der anderen Straßenseite das "Café wie im Himmel eröffnete" - ein Vintage-Café , ein Laden aus der Gründerzeit.

Die Möbel hat Mack gemeinsam mit einem Düsseldorfer Ladenbauer selbst angefertigt. Es gibt Platz für 25 Personen, kleine Tische, an denen man gemütlich zu zweit oder zu viert sitzen kann, aber auch einen großen Bistrotisch direkt an der Theke. Einmal im Monat bietet sie ein Fünf-Gänge-Menü, das immer eine Farbe zum Thema hat, fast jeden Freitag spielt eine Band. "Wir wollen unser Profil stärken", sagt Mack, Profil hat die Straße nämlich, sind sich die Kollegen von der Bilker Allee einig.

Als Konkurrenz sieht man sich nicht - "wir nehmen uns ja nichts weg", meint Elke Steinrötter vom Frauenzimmer, die die erste an der Straße war mit einem Second-Hand-Laden, die von der Lorettostraße an die Bilker Allee zog, "weil hier Vintage besser angenommen wird", sagt sie. Inzwischen teilt sie sich den Raum mit Hortense Chauchoy, die im vorderen Teil des Geschäfts Schmuck verkauft, dahinter hängen die gepunkteten Röcke und Kleider mit Blumenmuster von Steinrötter, die sich auf die 50er, 60er Jahre spezialisiert hat, auf Rockabilly und eine Zeit, in der Frauen von Elvis und Johnny Cash träumten. "Jedes Teil ist einzigartig", sagt die 64-Jährige, die ihre Kunden auch gerne zu ihren Kollegen nebenan schickt, wenn sie mal nicht helfen kann. "Eine tolle Entwicklung hat die Straße gemacht", findet Elke Steinrötter, und vorbei ist es noch lange nicht.

Gerade erst hat Christina Schleisner ihre Boutique Smilla Love eröffnet, im Mai wird The Vintage Store von der Düsselstraße an die Bilker Allee ziehen. Sogar einen Vintage-Friseur gibt es auf der Meile, seit zehn Jahren schneidet und frisiert Daniela Mossmann in Unterbilk Haare. Ihre Einrichtung ist zum Teil noch aus den 70ern, was den Laden nicht altbacken macht, sondern außergewöhnlich, kleine Kabinen trennen die Plätze. "Meine Villa Kunterbunt", sagt die 39-Jährige, die nie einen Hochglanzladen wollte, aus den Sachen, die da waren, etwas Neues gemacht hat. Bei Frisuren geht sie mit dem Trend: Bob, Pony, Locken - "wir machen aber auch Frisuren aus den 20ern oder 30ern".

Ein bisschen ist es wohl Zufall gewesen, dass sich die Vintage-Fans für die Bilker Allee entschieden haben mit ihren Ideen. Jetzt wollen sie daraus etwas entwicklen - Carsten Heinrichs und Elke Steinrötter und ihre Nachbarn. Eine Gemeinschaft vielleicht, ein ganzes Wochenende, das unter dem Motto steht - das Potenzial jedenfalls ist da.

Quelle: RP
 
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