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Düsseldorf
Der Barbier von Unterbilk

Düsseldorf: Der Barbier von Unterbilk
Ahmed Al-Musawi in seinem Salon Captain's Barber Shop an der Lorettostraße. Er und seine Mitarbeiter orientieren sich an der alten Barbier-Schule. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Auf der Lorettostraße hat Ahmed Al-Musawi einen Barber Shop im Stile der 50er Jahre eröffnet. Der 23-Jährige hat einen echten Retro-Wohlfühlort für Männer geschaffen. Von Dagmar Haas-Pilwat

Wo vorher ein langweiliger Antik-Einrichtungs-Laden war, werden nun in Unterbilk die Messer gewetzt und die Scheren geschliffen, es wird geschnitten, getrimmt, geföhnt. Denn Ahmed Al-Musawi, der mit 13 Jahren das Friseur-Handwerk von einem Freund der Familie gelernt hat, erfüllte sich nun zehn Jahre später seinen großen Traum: Vor wenigen Wochen eröffnete der in Bagdad geborene und am Niederrhein aufgewachsene 23-Jährige in Unterbilk auf der Lorettostraße seinen eigenen, 95 Quadratmeter großen Barber Shop.

Der Laden im Stil der 50er Jahre ist edel in Schwarz-Weiß-Grau-Tönen gehalten. Möbliert ist er gemütlich mit historischen Waschtischen, Friseurstühlen und Lampen, dazu Anrichten, Vitrinen und Schränke vom Flohmarkt in Belgien, einem alten Chesterfield-Sofa und zahlreichen anderen Fundstücken vom Trödel. Der "Captain's Barber Shop" ist ein reiner Männer-Tempel, hier ist der Mann unter seinesgleichen, kann sich in aller Ruhe pflegen lassen. Denn Frauen haben hier keine Chance auf einen neuen Haarschnitt oder Strähnchen.

Stattdessen bietet der Meister seines Fachs - traditionell wie die Barbiere in Italien mit weißem Kittel bekleidet - Nassrasuren plus Konturen, Bartstutzen mit der Maschine oder akkurate Facon-Haarschnitte an. Wer sich für die drei vorgefertigten Beauty-Rundum-Pakete entscheidet, kann wählen zwischen dem Basis-Modell "Sultan", inklusive Haarschnitt, Nassrasur, Ohr- und Gesichtshaarentfernung und Massage (38 Euro) über das Prinz-Paket (48 Euro) bis zum royalen Verwöhnprogramm (60 Euro) rund um Haar und Gesicht mit heißen und kalten Kompressen bis hin zum Augenbrauenzupfen mit Faden.

Der junge Mann und seine Mitarbeiter kultivieren auf hohem Niveau das Konzept der alten Barbier-Schule und konzentrieren sich auf die traditionelle Handwerkskunst. Schere und Messer sind ihre Haupt-Werkzeuge. Zum Einsatz kommen allerdings keine im Drogeriemarkt erhältlichen No-Name-Produkte. Vielmehr ist das Sortiment sehr exklusiv - so wie "Abschaum", seines Zeichens Rasierseife, oder "Schmiere", hinter dem Markenname verbirgt sich Haar-Pomade.

Offenbar hat Ahmed Al-Musawi mit seinem relaxten Retro-Wohlfühlort für männliche Zeitgenossen zwischen acht und 80 Jahren seine Nische gefunden. Denn ob Trendbewegung, Statement oder Überzeugung, der Herr von heute trägt wieder gerne Bart. Und weil jeder anders ist, braucht jeder seine bestimmte Pflege. Die Folge: Herrensalons im Old-School-Stil sind nicht nur in New York und Rotterdam beliebt, sondern auch am Rhein. Sogar Basketballspieler Daniel Hain von dem Zweitligisten Hamburg Towers reist regelmäßig extra mit dem Zug von Hamburg nach Düsseldorf an und lässt sich von Ahmed Al-Musawi haartechnisch auf Vordermann bringen.

Wieso hat er seinen Laden eigentlich Captain's Barber Shop genannt? "Na ja, jeder Mann will doch mal Kapitän oder Chef sein", sagt Ahmed lachend. Und weil Chefs allzu oft in Zeitnot sind, bietet der serviceorientierte Barbier von heute auch außerhalb der Geschäftszeiten eine Not-Rasur an.

Quelle: RP
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