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Unterbilk
Erste-Hilfe-Nähkursus nur für Männer

Unterbilk. In einem Seminar wird Männern beigebracht, Nähte zu flicken und Knöpfe anzunähen. Von Sven-André Dreyer

Mitunter ist ein leises Stöhnen zu hören, ab und an auch das Knuspern einer Käsestange. Mehr aber nicht. Es hat etwas Meditatives, wenn sechs Männer konzentriert an einem Ateliertisch sitzen und einen Knopf auf Steg nähen. Um den korrekten Abstand zwischen Stoff und Knopf einzuhalten, hilft ein Streichholz. Auch so ein Trick, den man hier lernt.

Die Herren gemischten Alters sind sichtlich bemüht, all das umzusetzen, was ihnen Astrid Werle zuvor gezeigt hat. Die 59-jährige Modedesignerin betreibt seit zehn Jahren ihr eigenes Label "Nadel-Streifen", bietet in ihrem geschmackvoll eingerichteten Ladenlokal auf der Wilhelm-Tell-Straße ausschließlich Maßkonfektion für Herren an. Sakkos, Anzüge, Mäntel und Maßhemden. Und seit Neuestem auch Nähkurse für Männer. "Viele sind ratlos, wenn sie auf einer Geschäfts- oder Urlaubsreise einen Knopf verlieren oder eine Hosennaht aufspringt", erzählt die gelernte Schneiderin. Und nicht immer findet sich nach einem langen Arbeitstag, nach Meetings und Konferenzen, im Hotel noch eine helfende Hand, die Knopf oder Naht wieder in Ordnung bringt. "Dann müssen die Herren selbst ran", sagt Werle und lacht. Auf die Idee, Erste-Hilfe-Kurse in Sachen Nähen anzubieten, brachte sie ein Kunde. Und die Resonanz ist groß, die Interessenten sind vielschichtig. So nimmt am ersten Nähkurs zum Beispiel Apotheker Franz-Josef Cüppers teil. Der 68-Jährige möchte lernen, wie man sich unkompliziert helfen kann, wenn es darauf ankommt. Zuletzt, so erzählt Cüppers, habe ihm seine Mutter gezeigt, wie man einen Knopf annäht. Das sei aber schon viele Jahre her, und meistens blieben die Hemden, bei denen ein Knopf fehlt, einfach ungenutzt im Schrank hängen. Genau so geht es Walter Hens. Der Pensionär möchte seine Trägheit überwinden und sich trauen, kleinere Reparaturen eigenständig auszuführen. Ein Blick über die Schulter des 66-Jährigen verrät, dass er auf dem besten Wege dahin ist.

Der jüngste Teilnehmer ist erst 25 Jahre alt und studiert Modemanagement. Die Vermutung liegt nah, dass zumindest er weiß, wie man eine Hosennaht flickt. Aber auch Aaron Heseler zuckt zu Beginn des Kurses nur ratlos mit den Schultern. Rund zweieinhalb Stunden später jedoch stellen kleinere Reparaturen kein Problem mehr dar. Und Astrid Werle zeigt sich zufrieden: "Das ist ein schöner kleiner Stich", lobt sie einen der Teilnehmer, "der geht nie mehr auf." Im Anschluss an der Kurs wird es bei einem Glas Wein dann noch privat. Dass man kürzlich Großvater geworden sei, wird berichtet, und wohin die nächste Reise geht. Dass wir auf Reisen nun alle selbst Hand an Knopf und Naht anlegen können, macht uns am Ende des Abends zu Komplizen.

Nächster Termin Der nächste Erste Hilfe-Nähkurs für Männer findet am Donnerstag, 26. November, 19 Uhr, im Atelier Nadel-Streifen, Wilhelm-Tell-Straße 1, statt. Voraussetzung ist eine Anmeldung unter info@nadel-streifen.de oder Telefon 0211 / 16013366.

Quelle: RP
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