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Unterbilk/Altstadt
Klassenfahrt mit 66

Unterbilk/Altstadt: Klassenfahrt mit 66
Petra Chinnow, Dagmar Reinarz, Annette Giesel, Uschi Willems, Anita Fröde, Inge Steigleder, Ute Schulz-Baumann, Ruth Schmitz (hinten), Ulrike Wagner, Gudrun Roga, Gudrun Andrich, Annelie Langen, Christa Ende, Annemarie Ellinghaus und Gabi Kowes (v.l.) bei ihrem Ausflug nach Münster FOTO: gudrun Roga
Unterbilk/Altstadt. Die Abschlussklasse von 1967 der Realschule Florastraße trifft sich seit 50 Jahren jedes Jahr zum Klassentreffen. Von Nicole Kampe

Sie quieken und kichern, jubeln und glucksen. Umarmungen und Küsschen werden verteilt, und schon fangen die ersten an, über früher zu reden. Man könnte meinen, sie hätten sich seit 50 Jahren nicht mehr gesehen. Einen ganzen Raum haben sie für diesen Tag reserviert, in einem Restaurant in der Altstadt. "Es kann laut werden", sagt Gudrun Roger. Nach und nach trudeln sie ein, die Frauen, die sich 1962 kennenlernten, vor 50 Jahren ihren Schulabschluss an der Realschule Florastraße machten und dieses Jubiläum jetzt feiern wollen. "Zumindest ein Großteil davon", sagt Gudrun Roga, die das Klassentreffen organisiert hat. All die Namen und Nummern hat sie damals kurz vor dem letzten Schultag gesammelt, all ihre Freundinnen nicht aus den Augen verloren.

Denn das 50. Klassentreffen ist nicht das erste Wiedersehen für die Frauen. Gleich im Jahr nach der Schule haben sie Sehnsucht gehabt, und von da an gab es immer einen Tag im Jahr, an dem die Florastraßen-Klasse von 1967 zusammenkam. Anfangs schrieb Roga Postkarten, "kurz nach dem Sommer warteten wir alle schon drauf", erzählt Uschi Willems. Inzwischen sind es E-Mails.

Sogar Klassenfahrten hat es in den letzten Jahren gegeben - zuletzt ging es im Mai für ein paar Tage nach Münster. Dass der Zusammenhalt so groß sein wird, das hat sich während der vier Jahre auf der Realschule in Unterbilk noch nicht so recht abgezeichnet. "Manche in der Klasse waren jünger als die anderen", sagt Gudrun Roger. Sie gehörte zu den Jungen, zwei Jahre Unterschied waren damals viel.

Diesen Unterschied merkt man den Frauen heute nicht mehr an, Mitte 60 sind sie alle und quietschfidel. Und noch bevor jede ein Getränk bestellt hat, wird die erste Erinnerung erzählt, die sie miteinander teilen, die sie verbindet. Hosen sind damals in der Schule nicht erlaubt gewesen, sagt Ute Schulz-Baumann. "Aber die Inge, die war ein Huhn, richtig forsch", verrät die 66-Jährige. "Einen Mini hat sie sich genäht." Und dafür dann auch richtig Ärger bekommen. Inge Steigleder gehörte schon zu den älteren Mädchen, "und sie hatte ihre Eltern hinter sich", sagt Roga. Und einmal rannte ein Mädchen im Schullandheim im Unterrock über den Flur, "danach hatten wir alle Hausarrest", fügt Uschi Willems die nächste Anekdote hinzu. Schließlich hätte sie doch ein Junge sehen können.

Auch wenn es keine Jungs auf ihrer Schule gegeben hat - streng verboten - Jungs waren immer ein großes Thema in der Klasse. "Von der Schule durften sie uns nicht abholen", erzählt Ute Schulz-Baumann, die wie ihre Freundinnen in der Schule nie richtig aufgeklärt worden ist. "Im Unterricht ging es wirklich um Bienchen und Blümchen", sagt Gudrun Roga, und einmal im Jahr, kurz vor Karneval, räusperte sich der katholische Pfarrer und formulierte vorsichtig: "Ihr wisst ja, was ihr nicht tun sollt."

Beinahe von der Schule geflogen ist Uschi Willems für ein Gedicht, das sie einer Mathe-Referendarin widmete. "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist die Wienold, die spinnt", schrieb sie damals. Nun sagt sie grinsend: "Heute tut es mir schon leid." Mathe war auch nicht so Gudrun Rogers Sache, "ich musste zur Strafe im Mülleimer stehen". Beneidet hat sie ihre Freundin - das Mathe-Genie - Anita Fröde, "die wusste schon die Antwort, bevor der Lehrer die Frage zu Ende gestellt hat".

Von den 40 Absolventinnen kommen immer noch 20 bis 25 Frauen zu den Treffen, um die eine oder andere ist es dann aber nicht schade, "so wie die, die immer ein Buch neben sich auf den Tisch gestellt hat, damit ich nicht abschreibe", sagt Schulz-Baumann. Jene, die geblieben sind, sind dankbar, dass Gudrun Roger sich jedes Jahr kümmert. Weil das, was sie haben, so selten ist. Und viele Treffen noch geplant sind, ohne Männer, ohne Kinder. Nur die Mädchen von damals, von 1967, die immer eine Klasse für sich geblieben sind.

Quelle: RP
 
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