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Unterbilk
Streit um Traditions-Trinkhalle

Unterbilk: Streit um Traditions-Trinkhalle
Muhterem Colak führt seit elf Jahren die Trinkhalle an der Neckarstraße 4. Jetzt soll er den Laden räumen. FOTO: andreas bretz
Unterbilk. Für Büdchen-Betreiber Muhterem Colak war die Kündigung nach gut elf Jahren ein Schock. Dass die Hausverwaltung von ihm verlangt, Umbauten seiner Vorgänger zu korrigieren, macht ihn fassungslos. Deswegen hat er einen Anwalt eingeschaltet. Von Sarah Schneidereit und Semiha Ünlü

Seit elf Jahren führt Muhterem Colak das Büdchen an der Neckarstraße 4. Das Geschäft, das es mittlerweile schon seit mehr als 45 Jahren gibt, ist für viele Unterbilker eine Institution. Colak ist für sie mehr als nur der Mann, bei dem sie morgens die Zeitung und abends das Feierabend-Bier kaufen oder ihre Pakete abholen. "Bei den Besuchen dort ergaben sich auch sehr oft Gespräche mit anderen Kunden oder mit dem immer freundlichen Herrn Colak", sagt Anja Vorspel, die seit 25 Jahren in dem Büdchen einige ihrer Besorgungen macht, weil sie kein Auto hat. "Ich möchte mir nicht vorstellen, demnächst in einem unpersönlichen Markt einkaufen zu müssen", sagt sie.

Doch bald soll Schluss sein mit dem Büdchen an der Neckarstraße. Bis zum 31. März muss Muhterem Colak das Ladenlokal räumen. Für den Trinkhallen-Betreiber ist die Kündigung, die er im Oktober bekam, ein Schock. "Ich kann nicht einfach von heute auf morgen meinen Laden räumen. Die Waren müssen alle verkauft werden und die Kühltruhen passen auch nicht in meine Wohnung", sagt er. Am liebsten würde er sein Geschäft mit dem gesamten Inventar an den Vermieter abgeben. Doch genau da liegt das Problem. Die Hausverwaltung Ströter, die für das Mietobjekt zuständig ist, will den Laden nur in komplett zurückgebautem Zustand zurücknehmen.

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"Ich weiß doch gar nicht, wie alles hier am Anfang war", beklagt sich Colak. Er kenne das Geschäft zwar noch aus seiner Jugend, könne aber nicht genau sagen, wie es früher im Ladeninneren ausgesehen hat. Er will deshalb nur die Umbauten rückgängig machen, die er selbst über die Jahre vorgenommen hat. Streit gibt es auch wegen der Fassade des Büdchens in Unterbilk. "Der Hausverwalter verlangt von mir, dass ich die Schäden draußen repariere. Ich habe damit aber eigentlich nichts zu tun", meint Colak. Der Hinweis der Hausverwaltung, dass keine Außenwerbung erlaubt gewesen sei, kann der Trinkhallen-Besitzer nicht nachvollziehen. "Ein Büdchen ohne Werbung? So etwas gibt es doch gar nicht. Die Vormieter hatten draußen auch immer Werbung angebracht", sagt Muhterem Colak.

"Herr Colak hat einen normalen Gewerbemietvertrag, in dem seine Rechte und Pflichten genau nachzulesen sind", sagt wiederum Hausverwalter Manfred Hellebrandt auf Anfrage unserer Redaktion. Das Problem mit Colaks Mietvertrag sei aber, dass zuvor schon drei andere mit diesem Vertrag das Ladenlokal gemietet hatten, und nur sein Name eingesetzt wurde. "Er muss deshalb jetzt Sachen reparieren oder zurückbauen, die zum Teil noch von seinen Vorgängern stammen", sagt der Verwalter. Colaks Anwalt Matthias Warnke ärgert sich vor allem über die Einstellung der Hausverwaltung: "Man hat mir wörtlich gesagt, dass mein Mandant zwar alles zurückgebaut übergeben müsse, der Laden danach aber sowieso komplett abgerissen werde. Das ist reine Schikane!" "Die wollen bestimmt den Laden renovieren, nur um ihn dann teurer zu vermieten", vermutet Colak.

Zu den künftigen Plänen an der Neckarstraße 4 in Unterbilk sagt die Hausverwaltung nur so viel: dass vor Ort eine Trinkhalle nicht gewollt sei. Für viele Anwohner werde die Schließung des Büdchens ein "großer Verlust" sein, ist sich allerdings Anja Vorspel sicher.

Quelle: RP
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