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Unterbilk
Wieder Zoff um Hüttenzauber

Unterbilk: Wieder Zoff um Hüttenzauber
Hüttenwirt und Winterwelt-Erfinder Titus Jacobs und Brauereichef und Namensgeber Karl Heinz Gatzweiler zapften im November das erste Schlüssel-Alt in Unterbilk. FOTO: andreas bretz
Unterbilk. Dutzende Anwohner protestierten in der Sitzung der Bezirksvertretung 3 gegen Titus Jacobs' Pläne, an Altweiber und Rosenmontag ein Partyzelt an der Bachstraße/Ecke Elisabethstraße aufzustellen. Von Nicole Kampe

Eigentlich wollte Titus Jacobs nie mit seinem Schlüssel-Hüttenzauber aus dem Stadtzentrum wegziehen, 16 Jahre lang war er der Eisbahnkönig von der Kö, später dann am Schauspielhaus. 2017 gab die Stadtspitze Oscar Bruch den Vorzug, Jacobs suchte sich eine neue Fläche, in Unterbilk an der Ecke Elisabeth-/ Bachstraße baute er Hütte und Eisfläche fürs Eisstockschießen auf. Glücklich ist er nicht gewesen mit dem Umzug, "aber ich wollte das Projekt retten", sagt er. Gut gelaufen ist die Premiere nicht für den Eventagentur-Inhaber. Und jetzt wollen ihn auch noch die Nachbarn loswerden.

Viele Anwohner haben am Dienstagabend in der Sitzung der Bezirksvertretung 3 laut protestiert gegen Jacobs Idee, an Karneval wieder eine Hütte dort aufzustellen. Jürgen Gosebrink wohnt an der Bachstraße, und er ist "die Bedröhnung mit Ballermannmusik leid". Der Boden in seiner Wohnung habe vibriert, als Jacobs zur Adventszeit schon mal im Stadtteil gewesen ist, "genug haben wir hier ertragen mit Arcaden- und U-Bahnbau", findet Gosebrink.

Gleich um die Ecke, an der Kronenstraße, wohnt Detlef Jachmann, "ich wünsche mir, dass der Platz in Zukunft anders genutzt wird", sagt er. Etwa als öffentlicher Parkplatz für Pendler. "Das Partyzelt ist unzumutbar", sagt Jachmann. Seine Nachbarin Irene Schommer, die ab und zu von zu Hause arbeitet und dafür ein bisschen Ruhe bräuchte, fügt hinzu: "Die Umgebung hier wird immer lauter." Dass so viele Anwohner zur Sitzung der Bezirksvertretung kommen würden, damit hatten wohl auch die Stadtteilpolitiker nicht gerechnet.

Gleichwohl hatten sie Verständnis für die Sorgen, versuchten nach Sitzungsunterbrechung und Beratungen innerhalb der Fraktionen einen Mittelweg zu finden. Rückendeckung bekamen die Anwohner von SPD-Ratsfrau Sabine Steinbrink-Neubacher, die als beratendes Mitglied in der BV sitzt und selbst in der Nähe wohnt. Auch sie "will die Partymeile nicht ertragen", auch wenn Musik und Schanklizenz bis 22 Uhr begrenzt würden, "sind die Leute nicht um 22 Uhr weg", sagt Steinbrink-Neubacher. Wolfgang Müller (CDU) ist im Winter ebenfalls aufgefallen, dass die Musik auch nach 22 Uhr noch zu hören war. Das sei anders vereinbart worden, im Außenbereich hätte um 22 Uhr Schluss sein müssen, im Zelt um 24 Uhr. Aber: "Es gibt einen Pachtvertrag, und wenn die Lautstärke nach 22 Uhr nicht nach außen dringt, ist die Hütte an Karneval genehmigungsfähig", sagt Müller. Eine zweite Chance will auch Marko Siegesmund dem Event-Planer geben, "wir reden hier über Karneval in einer Karnevalshochburg", sagt Siegesmund und verweist auf die Vorgabe, dass Jacobs jede Aktion von der BV absegnen lassen muss. Dieter Sawalies (Die Linke) hat weniger Verständnis für Jacobs, "Lärmschutz ist ein hohes Gut, es geht um die Gesundheit der Bürger", sagt Sawalies. "Wenn sich jemand nicht an die Auflagen hält, dann hat er sich als Verhandlungspartner aus dem Spiel gebracht." Die Linke war es dann auch, die dem Beschluss nicht zustimmte. Auflagen hat es aber gegeben für Titus Jacobs zu Karneval: "Die strengen Lärmwerte des Landes-Immissionsschutzgesetzes sind ab 22 Uhr einzuhalten, anderenfalls gibt es keine Zustimmung mehr für weitere Veranstaltungen", ließ Bezirksbürgermeister Walter Schmidt (CDU) notieren, außerdem bittet er die Verwaltung, dass die Schankerlaubnis um 22 Uhr erlischt.

Quelle: RP
 
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