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Unterrath
15 Mädchen boxen sich zur WM

Unterrath. Der Nachwuchs der Rollhockey-Nationalmannschaft trainierte in Unterrath. Von Tino Hermanns

Rafik Trabelsi sieht die Ankömmlinge kurz an. "Wir brauchen Beinarbeit. Los geht's", meint der Boxtrainer. Ohne Murren folgen die jungen Damen den Anweisungen, prellen Tennisbälle auf den Boden, stoßen sich über vier, fünf Meter Medizinbälle zu und bearbeiten mit schnellen Fäusten auf flinken Füßen die Sandsäcke. Nicht selbstverständlich, sind sie doch zwischen elf und 17 Jahren alt - und haben eigentlich mit Boxen gar nichts am Hut. Allerdings auch nicht mit Pole Dance oder Schwimmen, auch das stand auf dem Plan der Ferienwoche der Teenager, die zusammen die weibliche U17-Rollhockey-Nationalmannschaft bilden.

Bis zu neun Stunden schwitzten sie täglich im Trainingslager. Mit Joyce Brusdeilis, Maja Tolk und Tabea Brinkmann waren auch drei Spielerinnen vom TuS Nord aus Unterrath dabei, von dem auch die Einladung ausgegangen war. Diplom-Ingenieur Mike Neubauer, der es als erster Deutscher einst in die vielleicht stärkste europäische Liga nach Portugal schaffte und eine deutsche Rollhockey-Frauennationalmannschaft 2007 zu Europameisterinnen machte, hat auch das Förderprogramm für Nachwuchsspielerinnen entwickelt, mit dem Ziel, sie 2020 zur WM zu bringen. "Nach dem EM-Sieg habe ich festgestellt: Da kommt nix nach. Deshalb habe ich 2010 das Projekt 2020 ins Leben gerufen, um junge Spielerinnen bestmöglich zu fördern", sagt Neubauer.

Vom Rollhockey-Verband bekommt er dafür gerade mal 500 Euro im Jahr. Also bemüht er sich, die Kosten für die drei jährlichen Trainingslager möglichst gering zu halten. In Düsseldorf lässt er seine Kontakte spielen, die Mädchen schlafen in der Veranstaltungshalle des TuS Nord gleich neben dem Trainingsraum, und für die Teambuilding-Aktionen spannt Neubauer Freunde und Geschäftspartner ein - wie etwa für eine simulierte Pressekonferenz oder die Wahl zu "Germanys next Roller-Model", weil die Mädchen nun mal gerne Heidi Klums Castingshow mögen. Neubauer: "Selbstverständlich haben unsere Spielerinnen alle ein Foto bekommen."

So hat das Trainingslager durchaus auch einen Spaßfaktor, war aber, wie Joyce Brusdeilis sagt, auch extrem anstrengend. "Aber so soll es sein, auch noch anstrengender, denn wir haben alle ein Ziel vor Augen - die WM-Teilnahme 2020.

Quelle: RP
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