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Unterrath
Ein Chor als Ort der Begegnung

Unterrath. Die neue Musikgruppe soll ein Treffpunkt für Menschen werden, die neu in den Stadtteil Unterrath gezogen sind. Von Simon Schmidt

Wenn man an einen Chor denkt, fallen einem zuerst Klischees ein von strengen Chorleitern, die Notenblätter an die Sänger verteilen und penibel darauf achten, dass diese Noten dann auch gesungen werden, an einheitliche Kleidung und daran, dass nach Bariton oder Alt unterschieden wird. Doch beim neuen Chor des "Zentrum plus" des Deutschen Roten Kreuzes in Unterrath ist alles etwas anders. Dort treffen sich seit kurzem jeden Montagabend rund 30 Unterrather Musikbegeisterte aus aller Welt. Schon die Erscheinung von Chorleiter Josef Zilli widerspricht allen Klischees. Die langen schwarzen Haare mit den grauen Strähnen zu einem lockeren Zopf gebunden, sitzt er nicht etwa auf einem Klavierhocker, sondern auf einem Bürostuhl, über den er seine Jacke achtlos geworfen hat. Zu einer ausgebeulten Jeans trägt er Sportschuhe. Sein Konzept ist ähnlich leger: Es gibt keine Notenblätter, alle Teilnehmer stehen um das Klavier herum, ungeachtet der Stimmhöhe.

Der Chor soll auch eine Begegnungsstätte für die Menschen in Unterrath sein. Das von der Stadt finanzierte Projekt richtet sich an "neue" Düsseldorfer, vor allem auch für Menschen mit Migrationshintergrund, die Anschluss suchen. Der Chor sei "eine gute Möglichkeit, sich besser kennenzulernen", meint Initiatorin Regina Seidel. Auch deswegen wurde Zilli ausgewählt: Er hat viele Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern.

Neben dem Singen gib es viele Übungen für die Stimme wie Beatboxing und, auch Jodeln soll dazukommen. Eines sticht zusätzlich heraus: Eine Frau mit Kamera filmt mit. "Damit halte ich die Leute unter einem positiven Stress. So kann ich die Körpersprache analysieren, das wird wichtig, wenn wir auftreten. Auf der Bühne kannst du dich nicht verstecken. Außerdem hat jeder den Auftritt immer im Hinterkopf beim Singen." Es steckt also mehr Konzept dahinter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Erstes Ziel: ein Auftritt mit Zillis anderem Chor an Nikolaus in Monheim. Dafür müssen die Teilnehmer lernen, loszulassen und Vertrauen in die eigene Stimme zu entwickeln. Variationen von Musikstücken, bei denen einzelne Silben wie Schreie ertönen, sollen dies verstärken. Um sich untereinander zu motivieren und die Gruppenbildung zu fördern, lässt Zilli die Teilnehmer auch alleine singen. So sollen sich die Sänger bei den anderen etwas abgucken. Auch wenn es für viele noch schwer ist, vor der Gruppe alleine zu singen. "Man muss sie nur einen Zentimeter überfordern, damit sie sofort nachziehen können", so Zilli. Durch viele kleine Erfolgserlebnisse, meint der Chorleiter, entsteht schnell das gute Gefühl, gemeinsam etwas zu erreichen.

Kontakt Tel. 0172 2399888 (Josef Zilli)

Quelle: RP
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