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Urdenbach
Besondere Menschen, besondere Fotos

Urdenbach. Im Benrather Sana-Krankenhaus zeigt Jenny Klestil bis zum 10. August Fotos von Menschen mit Down-Syndrom. Von Bernd Schuknecht

Die Frage nach dem Glück ist nicht einfach zu beantworten - und dabei ist eine Antwort auch kaum für alle Menschen gleich. Dem Ziel näher kommt man ansatzweise, wenn man Menschen in ihren Glücksmomenten fotografiert. Genau dies gelingt der Frankfurter Fotografin Jenny Klestil auf eine besondere Art.

Zur Eröffnung ihrer Ausstellung "Glück kennt keine Behinderung", die noch bis zum 10. August im Sana Krankenhaus Benrath zu sehen ist, konnte Michael Weckmann, Kaufmännischer Leiter des Krankenhauses, neben der Foto-Künstlerin auch zahlreiche Familien mit Kindern, die mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) geboren wurden, begrüßen.

Das Geheimnis von Jenny Klestils fotografischer Glückssuche in den Mienen ihrer Porträtierten liegt darin begründet, dass es ihr gelingt, vertraute Atmosphären für ihre "Models", überwiegend Kinder, die 47 statt 46 Chromosomen in sich tragen, zu schaffen. Am Welt-Down-Syndrom-Tag 2015 startete Klestil ihr ehrenamtliches Fotoprojekt "Glück kennt keine Behinderung". Fast 500 Familien haben sich an der Aktion, bei der bislang rund 700 Fotos entstanden sind, beteiligt. Diese Fotos bilden die Basis für die erfolgreichste Fotoausstellung zum Thema Trisomie 21.

15 von ihnen nutzten in Benrath die Gelegenheit, ihre Kinder von Jenny Klestil fotografieren zu lassen. Täglich werden Millionen Selfies gemacht, mit denen die abwesenden Freunde am gerade erlebten Glücksmoment teilhaben oder neidisch gemacht werden sollen. Doch nur die allerwenigsten dürften über diese großartige Intensität des Ausdrucks verfügen, wie sie die "Glücksbilder" von Jenny Klestil ausstrahlen. In den Gesichtern ist natürliches Selbstbewusstsein zu erkennen, etwa bei einem Jungen mit einer Startnummer auf dem Rücken, der sich freudig einem Wettkampf stellt, Gefühle der Geborgenheit, die die Umarmung der älteren Schwester vermittelt, unbedingte Freundschaft zweier Jungs oder einfach pure Lebensfreude, vielfach gepaart mit reichlich Humor.

Fast ist man beschämt über soviel abgelichtete Offenheit, unkaschierte Emotionen und menschlicher Stärke in ihrer natürlichen Form. "Diese Ausstellung vielfältiger Glücksmomente soll uns veranlassen, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen", so Weckmann. Auch die Arbeit an ihrem Projekt hat die Fotografin, die zuvor in ihren fotografischen Jobs für die Werbung viel inszenieren musste, nachhaltig verändert. "Ich habe die Kinder vielfach in ihrer vertrauten Umgebung, in einer vertrauten Atmosphäre belassen, sie in den jeweiligen Situationen spielen oder kuscheln lassen", sagt die 40-Jährige, die seit Beginn ihres Fotoprojekts auf knapp 30.000 Anhänger bei der sozialen Plattform Facebook verweisen kann und daher über ein exzellentes Netzwerk betroffener Eltern verfügt. "Über den jeweiligen Glücksmoment hinaus mahnt aber auch jedes Bild, wie furchtbar es wäre, wenn es diese Menschen, von denen wir auch lernen können, etwa zu genießen oder Emotionen zu zeigen, nicht gäbe", erklärt Klestil im Hinblick auf die Folgen zunehmender pränataler Diagnostik.

Quelle: RP
 
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