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Urdenbach
Der Papier- und Bücherengel

Urdenbach. Annette Engels ist Buchbinderin. Sie rettet auseinanderfallende Schätze in ihrer eigenen Werkstatt in Urdenbach. Von Paul Küchler

Für viele ist Annette Engels buchstäblich ein Engel, denn sie bewahrt alte, auseinderfallende Bücher vor dem "Büchertod". Die 45-Jährige stammt aus einer buchaffinen Familie. Sowohl der Urgroßvater, als auch der Großvater waren Buchbinder, ihr Vater war Buchdrucker. "Mir wurde meine Liebe zu Büchern eigentlich schon in die Wiege gelegt", sagt sie. Ihr erstes Buch hat sie übrigens gelesen, bevor sie in die Grundschule kam. "Wir Kinder von Bullerbü" von Astrid Lindgren hatte es ihr angetan, erinnert sie sich.

Annette Engels trat in die Fußstapfen der Familie: Sie ist Buchbinderin und Antiquarin. Im Keller ihrer Doppelhaushälfte hat die ausgebildete Buchhändlerin eine eigene Buchbinderwerkstatt. Hier bindet sie Notizbücher, Mini-Fotoalben, Mappen und Adressbücher, verschönert kleine Schmuckkästen und Boxen und rettet alte Bücher. Außerdem verkauft sie italienisches Buch- und Geschenkpapier.

Nachdem sie ihre Ausbildung zur Buchhändlerin und Antiquarin im Jahr 2004 abgeschlossen hatte, wusste sie, dass sie auch weiterhin etwas mit Büchern machen will. "In der Buchhandlung, in der ich meine Ausbildung gemacht habe, kam einmal in der Woche eine Antiquarin vorbei. Bei ihr habe ich gelernt, wie ich Bücher binde und restauriere", erzählt Annette Engels.

Heute steht die vierfache Mutter stolz in ihrer eigenen Werkstatt. In Schränken und Schubladen, in Kommoden und auf Tischen hat sie ihre Utensilien. Griffbereit müssen immer ihre Pappschere und ihre Schneidemaschine sein. Wenn sie Bücher bindet, muss sie exakt arbeiten. "Ich bekomme viele kleine und auch einige große Aufträge", sagt Engels. "Wenn jemand ein Kochbuch von der Oma hat, das aber kurz vorm Auseinanderfallen ist, binde ich es neu ein - ich rette es, indem ich dem Buch einen neuen Rücken gebe."

Auch Fotoalben bindet Annette Engels, sowohl im Normal- als auch im Miniaturformat. "Die Mini-Fotoalben sind der Renner", sagt sie lachend. Vor allem auf Taufen, Hochzeiten und Geburtstagen seien sie beliebt. Bei einem Blick über den großen Ausstellungstisch ihrer Werkstatt fällt sofort etwas ins Auge: Notizbücher in verschiedenen Größen, die einen Stadtplan Düsseldorfs als Buchrücken haben. "Die sind sehr beliebt", erzählt die Buchbinderin. "Ich brauchte die Genehmigung der Stadt Düsseldorf, um die Karte benutzen zu dürfen." Sowohl die Vorder- als auch die Rückseite der Bücher zeigen nun die Karte der Innenstadt - vom Hofgarten bis zum Rhein. Von Nord nach Süd. Von West nach Ost. Zum Binden nimmt sie feines Papier, meist aus Italien. Über 300 unterschiedliche Variationen hat sie. Gebunden sind sie eine Augenweide. "Das ist feinstes Material. Ich möchte mit meinen Büchern zeigen, was man alles mit und aus Papier machen kann", erzählt Engels. Für sie ist das Buchbinden eine Herzensangelegenheit. "Ich gebe auch sehr gerne Führungen durch meine Werkstatt und erkläre mein Handwerk", sagt die 45-Jährige.

Eine weitere Besonderheit: Annette Engels bietet Buchbinder-Kurse an. Die finden dann entweder in ihrer Werkstatt oder - falls gewünscht - direkt bei den Kunden statt. Sowohl auf der Büchermeile am Rhein, als auch auf dem Bücherbummel auf der Kö hat sie einen Stand. Dort präsentiert und verkauft sie dann ihre selbst gebundenen Bücher, Fotoalben, Boxen, Schmuckkästchen und Mappen.

Ihre neueste Idee: alte Post- und Ansichtskarten, die Düsseldorf beispielsweise in den 1920er Jahren zeigen, neu kaligrafieren. "Mir gefallen die nostalgischen Stücke und Nostalgie ist eh im Trend", meint die Buchbinderin.

Ob die nächste Generation schon in den Startlöchern steht und auch in das Buchbinderhandwerk einsteigen möchte? Die Antiquarin schmunzelt. "Meine Kinder helfen mir hin und wieder gerne an meinem Stand auf der Büchermeile oder dem Bücherbummel - mehr dann aber auch nicht." So bleibt Annette Engels erstmal der einzige Bücher- und Papierengel der Familie.

Quelle: RP
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