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Urdenbach
"Dorfarzt" Thielen geht in Ruhestand

Urdenbach. Seit 35 Jahren praktiziert Ferdinand Thielen in Urdenbach an der Südallee 39a. Morgen übergibt der Allgemeinmediziner den Staffelstab an seine Nachfolgerin Simone Barsuhn. Sie hat ihre Praxis an der Gänsestraße 1. Von Beate Gostincar-Walther

Der Titel "Dorfarzt" vermittelt Vertrautheit, Beständigkeit - das ist kein "Gott in Weiß", sondern ein Mensch wie du und ich. Es wundert nicht, dass Ferdinand Thielen von seinen langjährigen Patienten liebenswürdig als "Dorfarzt" tituliert wird, denn die charakteristischen Eigenschaften vereint er allemal; und im Dorf am Rhein, in der Südallee 39a, praktiziert er seit 35 Jahren. 20 Jahre stand ihm dabei seine Frau Irene als engagierte Helferin zur Seite. Morgen übergibt der Allgemeinmediziner die Praxis an seine Nachfolgerin Simone Barsuhn - nach intensiver Suche und vorheriger Vertretung von einem halben Jahr, denn er möchte seine Patienten in guten Händen wissen.

Teleskop und Blutdruckmesser liegen griffbereit auf dem Tisch, gegenüber sitzt ein verschmitzt lächelnder, grauhaariger Herr in dunkelblauer Weste, ebensolcher Anzughose und gestreiftem Hemd. Den symbolträchtigen weißen Kittel hat der Mediziner längst verbannt - das und anderes mehr hat bei ihm mit "Augenhöhe" zu tun. "Ich möchte meinen Patienten zuerst als Mensch und dann erst als Kranken sehen", offenbart Ferdinand Thielen eines der Geheimnisse für die Wertschätzung seiner Patienten.

Die Empathie ist ihm ein Herzensanliegen. "Ich bin mit vielen Patienten durch dick und dünn gegangen", erklärt er weiter und es klingt Wehmut mit, denn jetzt heißt es Abschied nehmen. Ihm sei es wichtig, seine Patienten zu ermutigen, sich wahrzunehmen und für die Gesundheit auch Veränderungen zu wagen. Der Berufswunsch Arzt stand für Ferdinand Thielen ganz klar schon vor dem Abitur fest.

Er begann in der Nähe seiner Heimat, in Homburg, mit dem Medizinstudium, doch dann packte ihn das Fernweh. "Ich wollte weg von zu Hause und dann hat es mich eher zufällig hierher verschlagen", verrät der Arzt schmunzelnd. Düsseldorf schloss der junge Student schnell ins Herz - und das währt bis heute. "Gegen die rheinische Fröhlichkeit hatte ich nie etwas einzuwenden", sagt er über seine Wahl-Heimat. Ferdinand Thielen genoss das schöne Studentenleben mit einer Wohnung mitten in der Stadt. "Aber zur Prüfung habe ich richtig geklotzt", sinniert er lachend.

Als Medizinalassistent sei es ihm leicht möglich gewesen, praktische Erfahrungen zu sammeln und Verantwortung zu übernehmen. Diese praxisnahe Ausbildung bliebe den heutigen Ärzten verwehrt, weil es viel zu viele unsinnige Verordnungen gebe. Wenn sich der Allgemeinmediziner an "alte Zeiten" erinnert, fallen ihm gemeinsame Hausbesuche mit Professor Schoppe, dem Klinikchef des Benrather Krankenhauses ein. "Ich bat ihn, mich in meiner Anfangszeit als Hausarzt zu begleiten und zu beraten", erzählt er rückblickend. Unterstützung, die er nicht als selbstverständlich empfand und aus der eine intensive Beziehung entstand.

Wie viele Ruheständler verabschiedet sich Ferdinand Thielen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mehr für die eigene Gesundheit tun, wolle er, etwas mehr Rad fahren zum Beispiel oder sich bewusster ernähren. "Aber keinesfalls leistungsorientiert", schränkt er ein. Und: An der Mosel wächst ein Rebstock, dessen Pate der Arzt ist. Dort im Weinberg arbeiten, die Reben pflegen, einen guten Tropfen ernten und ihn auch genießen, darauf freut er sich.

Quelle: RP
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