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Urdenbach
Familie zieht nach Brand in neue Wohnung

Urdenbach. Die Familie Sprenglewski ist von dem großen Hilfsangebot überwältigt. Die Übergangsunterkunft ist bereits gestrichen. Heute und morgen kann der Familienvater Möbel abholen. Von Birgit Wanninger

Er ist erschöpft. Bis drei Uhr nachts hat er gestern mit Freunden die Übergangswohnung gestrichen, die ihm sein Vermieter zur Verfügung gestellt hat. Drei Zimmer sind es - in unmittelbarer Nähe der ausgebrannten Wohnung an der Haus-Endt-Straße. Dort hatte am Montag (Halloween) ein Elfjähriger Böller auf den Balkon geschmissen; die Vierzimmerwohnung geriet in Brand und ist unbewohnbar.

Jetzt steht er mit seiner Frau Agate in der neuen Wohnung: Putzen ist angesagt, während die drei Kinder bei den Großeltern sind. Über die Geschehnisse und seine Gefühle berichtete Sprenglewski unserer Zeitung. Seine Familie war plötzlich mittellos, hatte alles verloren. Daraufhin startete die RP mit Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) einen Aufruf zu helfen.

Und die Resonanz war überwältigend. Die angegebene Telefonnummer der Awo war dauerbesetzt. Auch das Handy von Pawel Sprenglewskis stand nicht still. Alle wollten helfen.

"Schon am Vormittag, als der Bericht in der Rheinischen Post stand, hatten wir für unsere Kinder genügend Kleidung zusammen", sagt er lächelnd. Spielzeug käme heute. "Die Drei freuen sich, als ob sie Geburtstag hätten", sagt seine Frau Agate. Außerdem gibt es jede Menge Angebote für Möbel. Denn die eigenen sind teilweise verbrannt oder völlig verrußt. In Langenfeld könnten sie sich heute ein Bett ansehen, sagt Sprenglewski. Matratzen haben sie schon, die liegen erstmal auf dem Boden.

Und schon klingelt wieder sein Telefon. Ja, einen Schreibtisch könne er noch gebrauchen, sagt er. Eine Dame aus Reisholz bietet kurz darauf eine Sitzgarnitur an. "Ich habe nie geglaubt, dass die Menschen so hilfsbereit sind", sagt Sprenglewski gerührt, während seiner Frau Agate ergänzt: "Ich werde überall angesprochen, alle wollen uns unterstützen. Ich bin so dankbar.". Aber ihr sei das Ganze auch peinlich.

Er hat sich gerade als Boden- und Fliesenleger selbstständig gemacht. Seine Frau Agate arbeitet wegen der kleinen Tochter momentan nicht. Die studierte Betriebswirtin möchte aber Anfang des Jahres, wenn Sophie in die Kita kommt, sich auf einen Job bewerben.

Immer noch ist die Telefonliste von Pawel Sprenglewski lang, und er versucht viele Anrufer zurückzurufen. Das versucht auch die Awo. Die hatte sich spontan bereit erklärt, den Spendenaufruf zu unterstützen. Am Donnerstag musste sie die Gespräche gleich auf drei Apparate umleiten, so groß war der Andrang. "Wir kamen überhaupt nicht mehr nach", sagt Sina Betz, die mit einer so großen Spendenbreitschaft nicht gerechnet hat. Auch ihrem Chef, Düsseldorfs Awo-Vorsitzender Karl-Josef-Keil geht das Schicksal der Sprenglewskis nahe. Er möchte helfen. Heute gibt es im Theater der Träume in Heerdt ein in großes Jubilarfest der Awo, bei dem 400 Gäste erwartet werden. Die möchte Keil motivieren, Geld zu spenden.

Denn die Sprenglewskis haben keine Hausratsversicherung. "Das ist dumm", sagt Pawel Sprenglewski, "aber ich habe mich gerade selbstständig gemacht, und wir mussten irgendwie sparen." Zum 1. Januar ist er wieder versichert. Auch der mutmaßliche Täter, ein elfjähriger Nachbarsjunge, der die Böller auf den Balkon warf, soll dem Vernehmen nach nicht haftpflichtversichert sein. Er soll, so hat es eine Nachbarin bei der Polizei ausgesagt, die Böller beim Büdchen in der Nähe gekauft haben - "Böller, die aber eigentlich erst ab 18 Jahre verkauft werden dürfen ", sagt sie.

Nächste Woche kommt ein Gutachter, um sich die ausgebrannte Wohnung anzusehen. Wer, in welcher Form für den Schaden aufkommt, das müssen jetzt die Juristen klären. Das kann dauern. Das weiß auch Pawel Sprenglewski. Jetzt ist die Familie froh und glücklich, dank der Unterstützung der vielen RP-Leser, übergangsweise eine Wohnung mit Möbeln zu haben.

Quelle: RP
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