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Urdenbach
Festliche Töne von Händel und Bach

Urdenbach. In Urdenbach feierte der Evangelische Kirchenchor seinen 100. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert. Von Horst Schaumann

Am 7. Mai 1917, also noch mitten im Ersten Weltkrieg, wurde in Urdenbach der evangelische Kirchenchor gegründet" ist in der Festschrift zum 60. Geburtstag des Chores aus dem Jahr 1977 zu lesen.

Dass sich in dieser schlimmen Zeit Sänger zur Gründung eines Kirchenchores zusammenfanden, spricht für die Verbundenheit der Urdenbacher mit ihrer Pfarrgemeinde. Und dass der Chor nunmehr auf 100 Jahre musikalischer Gottesdienstgestaltung zurückblicken kann, war ein Festkonzert wert.

Jörg-Steffen Wickleder, der seit 23 Jahren als Kantor für gute Kirchenmusik sorgt, hatte dafür zwei Werke ausgesucht, die für ihn und alle Beteiligten eine Herausforderung darstellten. Da war zunächst die vierstimmige "Missa in A" für Soli, Chor, Traversflöten, Violinen, Viola und Basso continuo von Johann Sebastian Bach. Das ist eine der vier 'Lutherischen Messen', die nur aus Kyrie und Gloria bestehen, die es aber durch eingebundene Soli und attacca-Einsätze für den Chor in sich haben. Hinzu kommt, dass der Purist Wickleder natürlich in barocker 415Hz-Stimmung musizieren und singen lässt, also einen halben Ton tiefer als heute üblich.

Nach kurzer Instrumentaleinleitung sang der Chor kraftvoll und rhythmisch akzentuiert das 'Kyrie', dem die Solisten ihr ausdruckvolles 'Christe' mit vielen Sechzehntel-Bewegungen anfügten, bevor der Chorbass das weitere 'Kyrie' mit einer Vivace-Fuge begann. In Bachs 'Gloria' wurde der schnelle Lauf des Chores dreifach durch Alt-, Bass- und Tenor-Soli im "Adagio e piano" unterbrochen; schließlich folgten drei prächtige Arien: 'Domine Deus' (Bass), 'Qui tollis' (Sopran), 'Quoniam' (Alt), bevor zusammen der prächtige Abschluss mit dem 'Cum sancto' gesungen wurde.

Die zweite Herausforderung für die Mitwirkenden war G. F. Händels 'Chandos-Te Deum', in altem Englisch gesungen. Fugierte Einsätze, schnelle Läufe, präzise Wechsel mit den solistischen Einwürfen und rhythmische Präzision zeichneten den Chor aus. Das Solisten-Quartett Stephanie Maria Ott (Sopran), Natalie Hüskens (Alt), Andreas Normann (Tenor) und Stefan Wolf (Bass) harmonierte stimmlich wunderbar, fein zu hören im a-capella-Quartett. Strahlender Sopran-Glanz, sonore Alt-Tiefe, klar timbrierte Tenor-Höhen und wohltuende Bariton-Soli in den Arien begeisterten das Publikum!

Das Ensemble mit barocken Instrumenten bestand bei der Bach'schen Messe aus Eva Morsbach und Daniel Rothert (Traversflöte I und II), Gudrun Höbold und Christine Moran (Violine I und II), Martin Ehrhardt (Viola), Dietmar Berger (Violoncello), Eberhard Maldfeld (Violone) und Ulrike von Weiß (Truhenorgel). Beim Händel'schen Te Deum kamen hinzu Gabor Hegyi (Barocktrompete) und Peter Wuttke (Barockoboe). Da war jeder ein Solist, der mit Auszierungen umzugehen wusste und alle gemeinsam ein höchst professionelles Ensemble.

Wer, wie der Rezensent, die Ehre hatte, als Gastsänger mitwirken zu dürfen, wird die intensiven Proben und die beglückende Aufführung mit langem Applaus so schnell nicht vergessen.

Quelle: RP
 
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