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Urdenbach
Floristin im Corelli-Viertel schließt

Urdenbach: Floristin im Corelli-Viertel schließt
RP-Redakteurin Andrea Röhrig (re.) im Gespräch mit Barbara Vaders von Babïs Flowers, die ihr Blumengeschäft bald schließt. FOTO: Georg Salzburg
Urdenbach. Viele Bürger kamen zur Mobilen Redaktion ins Corelli-Viertel und machten ihrem Frust über die mangelhafte Nahversorgung Luft. Einzelhändler und Bürger fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Von Maximilian Krone und Andrea Röhrig

Eine Kirche, ein Bäcker, eine Floristin, ein kleiner Supermarkt samt Poststelle. Auf den ersten Blick alles, was ein kleines Einkaufszentrum benötigt. Aber nur auf den ersten Blick. Denn die Bürger des Corelli-Viertels in Urdenbach sind unzufrieden. Unzufrieden damit, dass immer mehr Geschäfte an der Corellistraße geschlossen haben. Unzufrieden damit, dass die Politik augenscheinlich kein Mittel gegen den fortschreitenden Verfall findet.

Während die Rheinische Post gestern Bürger und Stadtteilpolitiker zum Thema Nahversorgung im Viertel befragte, verkündete Floristin Babara Vaders am RP-Mikrofon die baldige Schließung ihres Blumengeschäfts. "Ich kann nicht für 100 Euro Umsatz den ganzen Tag im Laden stehen. Das lohnt sich einfach nicht", sagt sie und sorgt bei den anwesenden Bürgern und Einzelhändlern für Bestürzung.

Vielen Anwohner brennt das Thema Nahversorgung unter den Nägeln. Gibt es doch in der näheren Umgebung keinen anderen Supermarkt als den Nah&Gut-Markt von Roberto Vettraino. Und den wollen sie erhalten wissen. FOTO: Georg Salzburg

Wann genau sie schließt, vermag sie noch nicht zu sagen, die Gespräche mit der Vermieterin liefen aber bereits. Knackpunkt war, dass sie keine Floristin fand, die sie für die Zeit anstellen konnte, während sie auf Wochenmärkten Blumen verkauft.

Es ist ein weiteres Kapitel in einem Viertel, das nach und nach ausblutet. "Ende 2013 hat Edeka geschlossen. Damit fing alles an", erinnert sich eine Anwohnerin. Seitdem herrscht Leerstand. Einzig der kleine Lebensmittelmarkt von Roberto Vettraino bietet besonders für ältere Bürger im Corelli-Viertel noch die Möglichkeit, einzukaufen. Aber eben nicht alles. Viele Anwohner berichten, dass sie für große Einkäufe mit dem Auto nach Benrath oder Garath führen. Dort gäbe es Parkplätze, ein großes Sortiment - etwa auch Wurst und Fleisch - und auch die Preise seien günstiger.

Genau dieses Denken sei aber schuld daran, dass es in kleinen Vierteln so schlecht um die Nahversorgung stehe, sagt eine Anwohnerin während der Diskussion. "Wenn jeder auch nur einen von vier Einkäufen vor Ort im Supermarkt von Roberto Vettraino erledigen würde, dann sähe die Sache schon ganz anderes aus", sagt sie. Ein Punkt, den auch der Einzelhändler unterstreicht. "Das würde schon enorm helfen. Aber auch von Seiten der Stadt muss etwas getan werden, um den Standort attraktiver zu machen", sagt er.

Bislang habe er mit Blumen selbst dafür gesorgt, dass der Fußgängerbereich etwas ansehnlicher wird. Auch auf die Aufstellung von neuen Bänken und Mülleimern wartet er seit langem. Die Stadt habe sich in diesem Punkt kaum bewegt, im Gegenteil. "Mir werden noch Steine in den Weg gelegt. Für meinen Außenbereich verlangt die Stadt 2600 Euro Gebühren im Jahr. Das ist genau so viel, wie ein Einzelhändler auf der Kö für seinen Außenbereich zahlt. Das kann es doch nicht sein", ärgert sich Roberto Vettraino. Draußen präsentiert er ansprechend Obst und Gemüse, weil im Geschäft dafür kein Platz ist.

Er will sich bis zum Jahresende überlegen, ob er bei all diesen Problemen überhaupt noch weiter machen will. "Doch wo sollen wir einkaufen, wenn auch er zu macht", sagt eine Anwohnerin (91), die mit ihrem Rollator täglich in dem kleinen Supermarkt vorbeischaut. Auch Rosemarie Baron (74) ist glücklich, dass sie diese Einkaufsmöglichkeit noch vor der Tür hat: "Es wäre sehr schlimm, wenn auch noch Roberto wegginge."

Zumindest was Bänke und Mülleimer betrifft, konnte Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf einen Fortschritt zusichern. "Diese sollen im Herbst aufgebaut werden", sagt er. Des Weiteren stehe er in Gesprächen mit einer Drogeriekette. Vertreter des Unternehmens wollen sich in den nächsten 14 Tagen den Standort anschauen." Auch Jürgen Schmidt, der für die SPD in der Bezirksvertretung sitzt, will sich für das Viertel einsetzen und an Oberbürgermeister Thomas Geisel den Vorschlag einer nach Stadtteilen gestaffelten Gebühr für die Nutzung einer öffentlichen Verkaufsfläche vorschlagen. Ein positives Echo fand der Vorschlag von Friedhelm Petzinna, im leer stehenden Edeka-Markt einen Treffpunkt für Senioren einzurichten.

Quelle: RP
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