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Urdenbach
Geißler begeistert seine Zuhörer

Urdenbach. Der Politiker sprach in der Heilig-Geist-Kirche vor 200 Gästen über sein neustes Buch. Von Beate Gostincar-Walther

Da sitzt Heiner Geißler gelassen, plaudert über sich selbst, Gott, Luther und die Welt. Vor sich sein neuestes Buch "Was müsste Luther heute sagen". Für den Autor und Politiker im Unruhestand ist ein Redekonzept überflüssig. 90 Minuten fesselt er am Donnerstagabend mit philosophischen, theologischen, politischen und persönlichen Erkenntnissen rund 200 Menschen, die ihm gebannt zuhören. Die Benrather Buchhandlung Dietsch hat zur Lesung eingeladen - an einen passenden Ort: der Heilig-Geist-Kirche.

Katholisch sei er, Jesuitenschüler und -novize war er. Doch als das ewige Gelübde seine Zukunft forderte, entschloss sich der damals 24-Jährige dagegen. Geißler erzählt humorvoll von seinem Leben und Erleben. "Hätte es nur den Luther nicht gegeben", sei in seiner Kindheit und Jugend ein geflügeltes Wort gewesen. "Mir war aber schon klar, dieser Luther muss ein bedeutender Mann gewesen sein, da war so viel Glaube und eine eigene Kirche." Ob Religionskriege, die CDU, die Mär der Erbsünde oder katholische Kirchenväter, die ihre eigene Wahrheiten schufen - Geißler versteht es, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Dabei hat er das Leben und Wirken Martin Luthers stets präsent für seine Zuhörer - mit aktuellem Bezug. Quasi ein Vorgriff auf das Jahr 2017, in dem die Evangelische Kirche den Beginn der Reformation vor 500 Jahren feiert.

"Wir brauchen eine ethische Grundlage, einen Grundsatz der Solidarität für eine neue Wirtschafts- und Friedensordnung, Christen können nicht über die Weltpolitik hinwegsehen", wettert er. Nächstenliebe und Solidarität seien dringend geboten, um die Probleme dieser Welt anzugehen.

"Zweifler sind keine schlechten Christen", stellt Geißler nach einem Diskurs zum traurigen Zustand der Welt und der Frage nach dem gnädigen Gott fest. Die Kirche hielte bis heute an der Erklärung der Erbsünde fest. "Für mich gibt es da nur die Antwort Glaube, Hoffnung und Liebe", zitiert er aus dem Hohen Lied der Liebe. Sein Plädoyer für die Zukunft der Ökumene: "Es ist höchste Zeit, in der katholischen Kirche das Zölibat zu beseitigen, Priester heiraten zu lassen und Frauen als Pfarrerinnen zuzulassen."

"Geißler bringt es fertig, Verbindungen zwischen Theologie und aktueller Weltpolitik herzustellen, den Glauben in Bezug zur Gegenwart zu setzen und das mit einem profunden Wissen", begeistert sich David Clausnitzer. "Er hat recht, und ich fände gut, wenn sich etwas ändert, aber ich glaube, das ist Utopie", bemerkt Barbar Olbertz zu Geißlers Ausführungen.

Die Besucher waren von der begeistert von den Ausführungen, bei denen es oft Schlag auf Schlag ging, begeistert.

Quelle: RP
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