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Urdenbach
Hunde müssen in der Kämpe an die Leine

Urdenbach. Die Vierbeiner frei herumlaufen zu lassen, hat verheerende Folgen für Fauna und Flora im Naturschutzgebiet. Von Beate Gostincar-Walther

Oliver Kersken und Ingeborg Lackinger-Karger zeigen betroffen auf büschelweise Hundehaare, die auf dem Weg in der Urdenbacher Kämpe liegen. "Die fliegen durch die Gegend, und überall, wo sie landen, signalisieren sie Vögeln und anderen Wildtieren: Hier ist etwas nicht in Ordnung", erklärt Kersken, Pächter und Mitglied im Genossenschaftsvorstand Urdenbacher Kämpe. Hinzu komme, dass die Haare sich nicht nur schlecht auflösten, sondern in alle Winde verstreut würden.

"Vor kurzem haben wir einen Hund einfangen können, der von der Leine losgelassen worden war und drei Stunden in der Kämpe stöberte", sagt Auenbegleiterin Ingeborg Lackinger-Karger. Der Vierbeiner habe sämtliche Hasen gehetzt, die er entdecken konnte, und dazu ein Reh. Gerade jetzt sitzt der Nachwuchs der Hasen und Rehe mitten in den Wiesen. In den Hecken brüten Singvögel wie der Zaunkönig, die Mönchsgrasmücke oder die Heckenbraunelle. Schnepfen, Kibitze, Lerchen und Wasservögel seien Bodenbrüter. Für sie alle sei jeder freilaufende Hund Anlass, vor Schreck das Nest zu verlassen. Wenn die Vögel länger fortbleiben, werden ihre Eier kalt, und die Kücken können absterben.

"Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass das Rehwild höchstens in der Dämmerung aus dem Wald kommt und auf den Bürgeler Wiesen äst", sagt Kersken. Zwei verendete Rehe habe er schon gefunden, beide hätten keinerlei Verletzung aufgewiesen. Eine mögliche Schlussfolgerung sei, dass Stress durch Hetzen dazu geführt habe.

Kersken, Jagdpächter und selbst Hundefreund, ist ratlos und verärgert ob der Unwissenheit vieler Hundebesitzer. "Die meisten Leute sagen, ihr Hund jage nicht, aber das liegt in der Natur der Tiere", erklärt er. Schon Stöbern sei Jagen. Freilaufende Hunde sind nur ein Problem: In der Kämpe lässt sich manches Fehlverhalten beobachten, teils aus Unwissenheit, aber das mache es nicht besser. "Oft sehe ich Leute auf den Bänken, die Vögel füttern", sagt Ingeborg Lackinger-Karger.

In einem Naturschutzgebiet sei das fatal, weil es das natürliche Verhalten der Tiere verändere. Richtig fassungslos habe sie kürzlich eine Geburtstagsfeier gemacht. "Da sind Kinder in der Dämmerung mit Fackeln durch die Kämpe gelaufen, und der Vater hat als Feuerschlucker fungiert." Eine freundliche Ansprache auf falsches Verhalten führe leider bei manchen eher zur Verärgerung als zur Einsicht, sagt sie.

Mit rund 35.000 gezählten Besuchern über einen Zeitraum von einem halben Jahr - nur innerhalb einer gewissen Tagesspanne - hat sich die Urdenbacher Kämpe spürbar zum Magneten entwickelt. Den beiden Auenkennern und - liebhabern ist der schmale Grat zwischen der Funktion als Naherholungsgebiet, das aus EU-Tourismusgeldern gefördert wird, und dem Anspruch als Schutz- und Ruheraum für Tiere und Pflanzen bewusst. Beide wünschen sich, dass sich irgendwann ein Storch niederlässt, dass der Wachtelkönig die Ruhe zum Brüten hat, die er braucht, und dass Junghasen und Kitze in den Wiesen geschützt sind. "Hundehaar kann man zu Hause auskämmen, Hunde müssen ausgebildet sein und konsequent an der Leine laufen", meint Kersken. Bußgelder alleine wirken offenbar nicht mehr: Nachhaltigkeit lasse sich bei dem hohen Besucheraufkommen nur verwirklichen, wenn alle die Regeln für den Naturschutz beachten.

Quelle: RP
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