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Urdenbach
Sein Traum sind die Paralympics

Urdenbach. Seit er mit anderthalb Jahren an einer Hirnhautentzündung erkrankte, sitzt der Urdenbacher Oktay Altintas im Rollstuhl. Um professionell Basketball zu spielen, braucht er einen Sport-Rolli. Den bezahlt jetzt die Stiftung Kinderträume. Von Beate Gostincar-Walther

Vater Dede Altintas und sein 16-jähriger Sohn Oktay präsentieren stolz zwei Urkunden, die zwei Siege symbolisieren. Mit zwölf Jahren belegte Oktay mit seiner Mannschaft den Spitzenplatz beim Landessportfest im Mini-Rollstuhl- Basketball. In diesem Jahr eroberte er beim Juroba-Cup (Jugend-Rollstuhl-Basketball-Cup) in Bonn wieder das Siegertreppchen. Das spornt an.

Und deswegen hat Oktay einen Traum: Er möchte als Nationalspieler an den Paralympics teilnehmen. Oktay trainiert engagiert, um dieses Ziel zu erreichen: zwei Mal wöchentlich fährt ihn sein Vater - trotz gesundheitlicher Probleme durch einen Schlaganfall - in einem betagten Auto zu den Krefelder Basket Bears. Was bei dem einen die flinken Beine und optimalen Sportschuhe, das ist für Oktay der richtige Rollstuhl. Und genau dort hakte es bislang. "Ich nutze meinen Alltagsrollstuhl für das Training und der ist ständig kaputt", erzählt Oktay. Dabei sei nur ein Sport-Rolli wirklich für den Basketball geeignet. Oktay erklärt die maßgeblichen Unterschiede. "Der ist standfester durch abgeschrägte Räder, es gibt zusätzliche Stützräder hinten für die Stabilität. Und beim Fußtritt ist ein Bügel, damit man sich nicht mit den anderen Spielern verheddert." Das sportliche Exemplar sei zudem individuell angepasst, damit die Körperhaltung während des Spiels und auch danach keine Probleme bereite.

Die Anträge der Familie Altintas bei der Krankenkasse waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Jedes Mal lag eine Ablehnung im Briefkasten, auch die Widersprüche blieben vergeblich - erzählt Vater Dede enttäuscht. Doch jetzt hilft die Stiftung "Düsseldorfer Kinderträume". Sie übernimmt die Kosten für den Sport-Rolli in Höhe von rund 6500 Euro. Die Stiftung "Kinderträume" hat sich zum Ziel gesetzt, kranke und behinderter Kinder in Düsseldorf zu unterstützen. "Ich habe am Mittwoch einen Anruf bekommen, da wurde mir gesagt, dass ich den Sport-Rolli bekomme", freut sich Oktay. Die Zuversicht, die er sich all die Jahre bewahrt hat, hat sich also ausgezahlt. Im Alter von eineinhalb Jahren erkrankte der Junge an einer gefährlichen Hirnhautentzündung, seitdem ist er querschnittsgelähmt. Hänseleien Gleichaltriger und Unverständnis für sein Handicap gehörten in der Kindheit für ihn zum Alltag. So wurde damals auch seine Frühförderung in der Kita abgelehnt - Inklusion war zu dieser Zeit noch ein Fremdwort.

Inzwischen hat Oktay Freunde. "Denen ist es egal, dass ich im Rolli sitze, wir verstehen uns gut", erzählt der 16-Jährige. Außerdem stärkte der Besuch der LVR-Schule für Körperbehinderte am Volksgarten sein Selbstvertrauen. Und - was für ein Glücksfall: Sportlehrer Axel Görgens weckte das Basketball-Talent. "In Mathe und Englisch bin ich auch gut", zählt Oktay weitere Unterrichtsfächer auf, die er mag.

Aber Basketball, das ist für ihn Faszination. "Wenn ich einen Sport-Rolli habe, kann ich Gas geben", kommt der 16-Jährige auf seine Vorliebe zurück. Bei den "Hot Rolling Bears" in Essen gebe es eine Chance zum Einstieg in die Liga, doch dort könne er nur mit einem Sport-Rolli spielen, erzählt er. Dominik Zielke, Rollstuhl-Basketball-Spieler und Europa- und Weltmeister, sei ein Vorbild, begeistert sich Oktay. Auch Faith Solak, Spieler der türkischen Nationalmannschaft, imponiere ihm.

In zwei Jahren ist Oktay 18, vielleicht ist er bis dahin schon für die Nationalmannschaft gecastet. "Ich bin realistisch", meint Oktay zu seinen Plänen und "ein positiver Mensch".

Quelle: RP
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