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Urdenbach
Seit vielen Jahren gibt er den Bischof

Urdenbach. In Urdenbach weiß eigentlich jeder, dass Franz-Josef Kaffrell morgen zum 30. Mal als Bischof von Tours den St.-Martinszug begleitet. Ihm ist es wichtig, dass das Fest weiter nach dem heiligen St. Martin heißt, sagte er. Von Andrea Röhrig

Franz-Josef Kaffrell ist jemand, dem es genau hält. In Urdenbach ist eigentlich jeder Bewohner davon überzeugt, dass der inzwischen 82-Jährige am morgigen Freitag beim St.-Martinsumzug im Dorf schon zum 30. Mal den heiligen St. Martin in seiner Funktion als Bischof von Tours darstellt. Mit einem Foto belegen könne er allerdings lediglich einen Auftritt von vor 26 Jahren, erzählte der rüstige Senior bei einem Treffen am heimischen Kaffeetisch. Mit fremden Federn schmücken ist nämlich gar nicht seins und wenn es also nach seinem Willen ginge, freute man sich im Dorf dann halt eben über das Jubiläum 25 Jahre plus 1.

Warum er überhaupt zugestimmt hat, dass er so groß in der Zeitung steht? Weil auch er zum Ausdruck bringen möchte, dass man das Fest mit seinen christlichen Ursprüngen nicht im "vorauseilendem Gehorsam gegenüber Andersgläubigen" in Lichterfest umbenennen darf. "Jedes Fest hat seine Bedeutung. Und wir fordern ja auch Muslime und Juden nicht auf, ihr Zuckerfest oder Chanukka anders zu bezeichnen", redet er Klartext.

Viele Jahre - genau gesagt seit 1982 - hat er außerdem auch den Nikolaus gegeben; damit war im vergangenen Jahr allerdings Schluss. Denn anders als als Bischof musste der Nikolaus immer viel reden und das nicht etwa nur in einer Schulklasse, sondern gleich in sechs Klassen nacheinander und das strengte den Senior dann doch über Gebühr an.

Doch weil ihm auch das traditionelle Fest zu St. Martin so wichtig ist, wird er alles daran setzen, auch in seiner Zeitrechnung die 30 Mal noch vollzumachen. Das hängt allerdings davon ab, ob er weiter so fit bleibt. Seine Frau Hildegard, die als Fackelträgerin keinen Umzug ausgelassen hat, musste inzwischen gesundheitlich bedingt schon kürzer treten. Und vom Aufstellungsort an der Schule Kolhagenstraße geht es entlang der Urdenbacher Dorfstraße bis zum Schützenplatz am Piels Loch, wo die Manteilteilung stattfindet, und das sind immerhin ein paar 100 Meter.

Um nicht einzurosten, ist Franz-Josef Kaffrell fast täglich zu Fuß unterwegs. "Ich erledige von zu Hause aus zu Fuß meine Einkäufe", erzählt Kaffrell. Auch nach Benrath läuft er per Pedes. Denn seit vielen Jahren wohnt das Ehepaar in Holthausen, den Urdenbacher Schützen ist es weiterhin eng verbunden. Seit 1972 ist das Ehepaar Mitglied, er war schon König - wie übrigens auch schon seine Frau - und Kaiser. Fotos in der Wohnung zeugen von vielen Erinnerungen. Bei so viel Training wird ihm die Strecke morgen Abend nicht allzu viel ausmachen.

Würdevoll wird er in seinem Ornat als Bischof von Tours die Strecke entlang schreiten. Kaffrells persönlicher Höhepunkt des Umzuges ist jedoch, dass ihm so viele Kinder nach der Mantelteilung die Hände schütteln wollen. Wie viele es nach einem solchen Ereignis gewesen sind, das kann er nicht sagen. 700 bis 800 Zuschauer seien es immer in Urdenbach. Um das Feuer auf dem Schützenplatz Piels Loch stehen die Kinder aus den Schulen und den Kindergärten dicht an dicht hinter dem Drängelgitter.

Die Rolle von St. Martin hoch zu Ross hat Jörg Haack übernommen, Chef der Urdenbacher Bürgerschützen. Der Verein richtet schon seit Jahren organisatorisch den Martinszug aus, unterstützt von Grundschulleiterin Doris Kissmann.

Für die Urdenbacher Kinder ist der stimmungsvolle Marsch ein Höhepunkt im Festkalender. Mucksmäuschenstill sind sie, wenn das Urdenbacher Urgestein Manfred Berner die Geschichte über die Manteilteilung vorliest. Und danach ist auch den Zugteilnehmern, die zum ersten Mal dabei sein, klar, dass aus dem römischen Soldaten Martin der Bischof von Tours wird.

Anschließend gehen viele Kinder Gripschen und tragen ihre bunten Laternen und den alten Brauch in die Häuser, wo sie schon mit vielen Leckereien erwartet werden. Und schnell füllen sich dann die Tüten.

Quelle: RP
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