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Volmerswerth
Ein Fleher wird zum Junker von Volkmar

Volmerswerth. Manchmal entscheidet einfach nur die Hausnummer über die Zugehörigkeit zu einem Postleitzahlengebiet. Und damit manchmal sogar auch über die Zugehörigkeit zu einem Stadtteil. Über die emotionale Verbundenheit mit einem Kiez hingegen entscheidet allein der Mensch, der sich dort wohlfühlt. So wie bei Stefan Dütz (28). Viele Jahre lang sah sich der Finanzwirt den augenzwinkernden Neckereien seiner Nachbarn von der gegenüberliegenden Straßenseite ausgesetzt. Die gehört nämlich zum Stadtteil Volmerswerth, er aber wohnte in Flehe. "Du lebst im falschen Stadtteil", hatten ihn seine Nachbarn stets aufs Korn genommen. "Und eigentlich hatten sie Recht", sagt Dütz, "denn ich war schon immer häufiger in Volmerswerth als in Flehe unterwegs." Dort hat er den Kindergarten besucht, dort spielte er nachmittags bei Freunden. Von Sven André Dreyer

Die Freundschaften aus Kindertagen sind ihm bis heute geblieben, nur konsequent also, dass er nicht nur umzog und nun tatsächlich in Volmerswerth lebt. Im vergangenen Jahr nahm er auch die Einladung seiner Freunde an, einmal als Gast bei den vor 21 Jahren gegründeten "Junker von Volmar", einer der insgesamt sieben Kompanien der St. Schützenbruderschaft Volmerswerth, mitzumarschieren. Mitgefeiert hatte Dütz dort schon immer, in einer geliehenen Uniform aber erlebte er voriges Jahr zum ersten Mal das Schützenfest aus der Perspektive eines Aktiven. Und auch, wenn ihn die Uniformjacke, ein wenig zu eng, unter den Armen zwickte, der schwarze Hut damals ebenfalls nur geborgt war: "Ich wurde in die Gemeinschaft sofort herzlich aufgenommen, das hat mir imponiert."

Herzlich aufgenommen wurde auch seine Verlobte Jennifer Schneider (28). Denn auch wenn die Bruderschaft der Volmerswerther Schützen eine reine Männergesellschaft bildet, "wir Schützenfrauen treffen uns, wie auch die Männer, ebenfalls regelmäßig", sagt Schneider, die vor einigen Jahren aus Solingen nach Düsseldorf kam und sich in dem bereits 1487 zu Düsseldorf eingemeindeten Stadtteil besonders wohlfühlt. "Wir sind ein Dorf in der Stadt", sagt Schneider, "hier kennt jeder jeden und wir halten alle zusammen." Gerade die Schützen trügen, so Schneider, zu diesem sehr ausgeprägten Miteinander bei. Das kenne sie aus ihrer Heimatstadt einfach nicht. "Das ist schön", sagt Schneider, "wunderschön sogar." Die Verbindung untereinander sei überdies durch das kirchliche Engagement der Schützen geprägt. "Hier können wir nicht nur unseren Glauben leben, hier können wir uns auch für und mit anderen Menschen engagieren."

Nicht nur, um auch an den Wettbewerben, dem Preis- und Vogelschießen, teilnehmen zu können, vielmehr auch, um nun offiziell bei den Paraden mitmarschieren zu können, stellte Stefan Dütz formal im Januar dieses Jahres seinen Aufnahmeantrag bei den Volmerswerther Schützen. Nach einer geheimen Wahl wurde er offiziell als Teil der großen Gemeinschaft aufgenommen und bestätigt. Nun genießen Dütz und seine Verlobte das aktuelle Schützenfest, das sie als Höhepunkt des gesamten Schützenjahres bezeichnen, in vollen Zügen. Anders allerdings als im vergangenen Jahr, haben sie sich dafür in diesem Jahr extra Urlaub genommen. "Sonst wird es doch etwas zu anstrengend", sagt Dütz.

Und auch, wenn Schützenneulinge - so sehen es die Regularien vor - erst nach fünf Jahren Schützenkönig werden können - er könne sich in Zukunft durchaus einen Schuss auf die Königsplatte vorstellen, so Dütz. Das habe aber noch reichlich Zeit. Vorher stelle er sich sehr gerne erst einmal ganz hinten an.

Quelle: RP
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