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Volmerswerth
Zum letzten Mal Zuschauer

Volmerswerth: Zum letzten Mal Zuschauer
Tristan Schier übt seit einem halben Jahr das Trommeln und will 2018 bei der Parade dabei sein. FOTO: Andreas Bretz
Volmerswerth. Um den Nachwuchs der Volmerswerther Schützen ist es gut bestellt. Dazu zählt Tristan Schier, der im nächsten Jahr im Tambourcorps mitmarschieren will. Dafür hat er einen strengen Lehrer: seinen Vater. Von Daniel Schrader

Noch muss Tristan Schier die Parade der Volmerswerther Schützen vom Straßenrand aus beobachten. Im Gegensatz zu den übrigen Zuschauern schaut er sich das Spektakel noch ein wenig genauer an. Besonders dann, wenn der Tambourcorps-Eléve an ihm vorbeizieht. "Ich versuche mir, von ihnen ein paar Tricks beim Marschieren abzuschauen", erzählt er. In einem Jahr wird der Elfjährige dort mitlaufen. Doch bis es so weit ist, muss Tristan noch viel üben.

Seit einem halben Jahr bereitet sich Tristan schon für seinen großen Auftritt im kommenden Jahr vor. Einmal pro Woche übt er das Trommelspielen. Noten muss er dabei nicht lesen können, stattdessen gehe es mehr um ein gutes Gehör und vor allem um den richtigen Rhythmus, erzählt er. Dass er sich für die Trommel entschieden hat, ist kein Zufall. Seit zwei Jahren spielt er Schlagzeug. Doch so leicht, wie sich das in der Theorie anhören mag, ist der Instrumentenwechsel nicht. "Die Grundschläge für die Trommel musste ich neu lernen."

Das Schützenwesen liegt der Familie Schier im Blut. Tristans kleiner Bruder Arthur ist auch beim Tambourcorps und in diesem Jahr sogar Pagenkönig. Sein Vater Heinz ist schon seit vielen Jahren bei den Schützen aktiv. Früher gehörte er ebenfalls dem Tambourcorps an, verließ es jedoch, um Platz für den Nachwuchs wie seinen beiden Söhnen zu machen. Jetzt ist er zweiter Chef der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft. Oft hatte Tristan seinen Vater bei den Paraden beobachtet, bis er irgendwann entschied, selbst mitmachen zu wollen. Ob er wie sein Vater später auch Chef der Schützen werden will, weiß Tristan dagegen noch nicht. "Als Chef muss man ziemlich viel organisieren", bringt er seine Bedenken auf den Punkt.

Dass die Volmerswerther Schützen keine Nachwuchssorgen haben, liegt aber nicht nur am Nachwuchs, der seinen Vätern nacheifern will. Auch außerhalb der Schützenfeste sind die Schützen als Gemeinschaft im Alltag des Stadtteils fest verankert. So kommen viele Kinder beispielsweise schon in der Schule mit dem Brauchtum in Berührung. Denn wenn die eigenen Freunde Schützen werden, will man nicht außen vor bleiben. Unabhängig davon, ob es in der eigenen Familie Schützen gibt oder nicht. Denn trotz aller Tradition sind die Schützen keine geschlossene Gesellschaft, sonder auch offen für Zugezogene.

Wenn der eigene Vater Schütze ist, können sich auch Nachteile ergeben. Tristans Vater ist nämlich nicht nur Vorbild, sondern gleichzeitig auch sein Lehrer im Trommelspielen. Bei allem Stolz für den eigenen Nachwuchs bringt das manchmal auch Schwierigkeiten mit sich. "Mein Papa ist viel strenger mit mir als mit den anderen Schülern", berichtet Tristan. Außerdem ist es schwieriger, sich vor den Hausaufgaben, die es neben dem Unterricht gibt, zu drücken, wenn der Lehrer im selben Haus wohnt. Doch diesbezüglich hat Tristan keine Motivationsprobleme. Denn einerseits macht ihm das Trommeln großen Spaß, andererseits will er im kommenden Jahr für den großen Auftritt bereit sein. Rund 15 Standardmärsche muss er fehlerfrei spielen können. Dass er das kann, muss er in einem Vorspielen vor den anderen Schützen beweisen, wovor er ein wenig Lampenfieber hat. Aber bis dahin bleibt noch genug Zeit zum Üben.

Quelle: RP
 
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