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Gerresheim
Wahl: Schüler gewichten anders

Gerresheim. 559 Schüler am Gymnasium Gerresheim haben ihre Stimme abgegeben. Von Marcel Romahn

Schüler wählen unter anderen Gesichtspunkten als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diesen Schluss legt die Juniorwahl am Gerresheimer Gymnasium nahe. Im Vergleich zu den Bundestagswahlen geht die CDU bei den Zweitstimmen zwar als Sieger hervor, jedoch nicht deutlich mit 41,5 Prozent, sondern nur knapp mit 25,76 Prozent. Die SPD (22,36 Prozent) und die Grünen (17,17 Prozent) stehen bei der Juniorwahl auf den nächsten Plätzen. Mit 9,84 Prozent ist die FDP viertstärkste Partei und stark vertreten. Auch die Piraten und die Linken kommen auf über fünf Prozent. Die allgemein schwindende Popularität der Linken zeigt sich jedoch auch bei den Schülern, auch daran zu erkennen, dass die Piraten mit 7,69 Prozent bei der Juniorwahl deutlich stärker abschneiden als bei der Bundestagswahl.

Anders ist das Verhältnis bei den Erststimmen. Die CDU ist mit 45,98 Prozent für Thomas Jarzombek der klare Sieger. Auf 22,18 Prozent kommt der SPD-Kandidat Philipp Tacer, gefolgt von Mona Neubaur von den Grünen mit 13,6 Prozent. Auffällig bei der Juniorwahl sind die unterschiedlichen Vorlieben der Schüler für die Kandidaten und die Parteien allgemein. Eine Podiumsdiskussion der Wahlkreisabgeordneten eine Woche zuvor hat wohl Spuren hinterlassen.

Marc Müller-Porten hatte den Polit-Talk moderiert. Für ihn war Jarzombek der angenehmste Gesprächspartner. "Er hat seine Partei glaubhaft präsentiert und mit seinem Appell zu mehr Bildung bei den Schülern gepunktet", so der 17-Jährige. "Daher ist auch meine Wahl komplett schwarz ausgefallen."

Fest steht: Der CDU-Kandidat kam persönlich wesentlich besser an als das Programm seiner Partei. "Inhaltlich hat er jedoch nicht sonderlich überzeugt", meint Justus Hecks. Jarzombek sei den Fragen viel zu oft elegant ausgewichen. Deshalb gab der Schüler seine Zweitstimme der SPD, vergab aber keine Erststimme. Denn Philipp Tacer sei zu passiv gewesen. "Ich habe mich von ihm persönlich nicht angesprochen gefühlt", sagt Hecks. Auch Anna Boss hat ihre Erststimme nicht genutzt – keiner der Parteivertreter konnte sie bei der Diskussion überzeugen. Ihre zweites Kreuz hat sie für die Grünen gemacht. "Die Partei setzt sich konstant für Natur und den Umweltschutz ein. Das hat mir imponiert", sagt sie.

So verschieden die Wahl der drei Gymnasiasten auch ausgefallen ist, bei dem aggressiven Auftritt von Serdar Agit Boztemur von den Linken bei der Diskussion sind sie sich einig: "Das war wenig professionell. Es ist schade, dass Erwachsene bestimmte Verhaltensregeln nicht beachten, an die wir Schüler immer erinnert werden." Zwar erhielt die Linke von den Schülern immerhin 6,44 Prozent der Stimmen, dem Auftritt ihres Sprechers sei dies jedoch nicht zu verdanken, so die Schüler.

"Gewonnen haben vor allem unsere Schüler", sagt Lehrerin Sonja von Lindern. "Sie haben gelernt, wie man verantwortungsvoll wählt und die Parteiprogramme kritisch hinterfragt."

Quelle: RP
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