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Analyse
Bürger fordern mehr Informationen

Wersten/Himmelgeist. Für den Standort der neuen Unterkunft an der Ickerswarder Straße/Am Haferkamp geht die Verwaltung jetzt in die Feinplanung. In Lichtenbroich bleibt die Verwaltung bei ihrem Plan, In der Nießdonk eine Unterkunft für 500 Flüchtlinge zu errichten. Von Andrea Röhrig

In Lichtenbroich führt die städtische Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch fort, was sie in Himmelgeist begonnen hat. Sie lädt am 19. April zur Bürgersprechstunde. Für den Termin ist ihr nach den Erfahrungen von Mittwoch eine verbesserte Organisation zu wünschen. Viele Dutzend Menschen standen pünktlich um 17 Uhr an der Schule bereit. Doch erst eine Viertelstunde später erklärten zwei Mitarbeiterinnen von Koch den Wartenden, wie der Termin ablaufen solle. Da war der Unmut darüber, dass man sie wegen zwei TV-Kamerateams hatte warten lassen, schon größer geworden. Im Anschluss unterrichtete Koch in Gruppen Anwohner über die Planung.

Die Intention, die hinter dieser neuen Form der Bürgerinformation steht, ist positiv - wenn die Sprechstunde besser organisiert ist, etwa dadurch, dass die Interessierten sich anmelden müssen und man so diese Sprechstunde zeitlich entzerrt. Gut gedacht heißt halt nicht zwangsläufig: gut gemacht. Die Bürger fühlten sich anfangs schon unzureichend informiert, und diesen Eindruck wieder wett zu machen, ist schwierig, und wird Koch auch nicht bei jedem geschafft haben.

Dabei lassen sich im kleinen Kreis oder gar im Vier-Augen-Gespräch manche Bedenken eher ansprechen als in einem Forum vor 100, 200 oder gar 300 Menschen. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass Anwohner, die ihre Sorgen über die neuen Nachbarn formulierten, gleich in die rechte Ecke geschoben wurden. Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und auch in Düsseldorf haben die Ängste auch rund um Unterkünfte wachsen lassen. Gemessen an den Gesamteinsätzen in Düsseldorf spricht die Polizei von einer entspannten Lage im Bereich der Flüchtlingsunterkünfte. Diese Einschätzung wird vom städtischen Ordnungs- und Servicedienst bestätigt, vermeldete die Stadt diese Woche: Bei der Kriminalitätsentwicklung seien keine signifikanten Veränderungen zum Vorjahr erkennbar.

Trotzdem kann man mit reinen Zahlen und Fakten nicht gegen die irrationalen Ängste vor dem Fremden vorgehen. Um den Kontakt zu den Bürgern vor Ort nicht zu verlieren, sind Politik und Verwaltung gefordert, Konzepte zu entwickeln. Oder besser gesagt, den Kontakt zu den Menschen vor Ort zu suchen und präsent zu sein und mit dem nächsten Info-Stand nicht erst bis kurz vor der nächsten Wahl zu warten. Welcher Politiker jetzt sagt, dass ja die Stadtverwaltung die Verteilung der Flüchtlinge koordiniere, der sei darauf hingewiesen, dass die heutige Situation auch der Politik der Großen Koalition in Berlin geschuldet ist. Ein Sich-Raus-Halten führt dazu, dass man bei den Landtags- und Bundestagswahlen im kommenden Jahr die Wähler in Scharen zu den Rechten treibt.

Der geplante "Welcome Point" am Benrather Rathaus ist sicherlich eine tolle Einrichtung; aufsuchen werden ihn aber nur die Menschen, die sich dafür entschieden haben, selber ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden. Doch auch die anderen müssen sich in der Kommunikation und Information mitgenommen fühlen.

Dass diesen Polizei-Fakten zum Trotz sich vor allem Menschen, in deren Nähe eine neue Flüchtlingsunterkunft eröffnet wird, erstmal Sorgen machen, diese Erfahrung hat Astrid Köhler, die mit mehreren Mitstreitern in Wersten, Itter und Himmelgeist Unterschriften gegen die geplante Größe der Unterkunft (500 Menschen) gesammelt hat, auch schon gemacht. Sie habe aus vielen Gesprächen herausgehört, dass die Menschen unzufrieden mit ihren Kommunalpolitikern seien, und sich auch hier vorstellen könnten, beim nächsten Mal aus Protest bei der AfD ein Kreuz zu machen. "Die Politiker müssen aufpassen, dass sie den Kontakt nicht zu den Menschen vor Ort verlieren", sagt Köhler. Auch sie sei erschrocken, wie manche offen rechtes Gedankengut geäußert hätten. Sie hätte dann lieber auf eine Unterschrift der Person auf der Liste verzichtet, erzählt sie.

Am Mittwoch berichtete Koch, dass es sein könne, dass die Stadt die Zahl der Menschen, die sie an der Ickerswarder Straße/Am Haferkamp unterbringen will, von derzeit 500 reduziert. Allerdings keinesfalls auf die Größe von 250, wie es die Unterzeichner der Unterschriftenliste fordern. In Lichtenbroich bleibt die Stadt bei ihren Planungen, In der Nießdonk eine zweigeschossige Anlage für 500 Menschen zu errichten. Das bestätigte ein Stadtsprecher unserer Redaktion. Auch dort waren Unterschriften dagegen gesammelt worden.

Quelle: RP
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