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Wersten
Mast-Anwohner verlieren vor Gericht

Wersten. Nachbarn hatten gegen den Bau eines rund 30 Meter hohen Funkturms auf der Bezirkssportanlage geklagt. Von Andrea Röhrig

Nachdem das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster Ende September den vom Verwaltungsgericht Düsseldorf Anfang August ergangenen sofortigen Baustopps für einen neu zu errichtenenden Mobil-Sendemasten auf der Werstener Bezirkssportanlage aufgehoben hatte, war den Anwohnern der Anlage bereits klar, dass es für sie nun ganz schwer wird, den rund 30 Meter hohen Turm noch zu verhindern. Und richtig: Am 2. November stand der Mast.

Bei der Hauptverhandlung am Düsseldorfer Verwaltungsgericht Anfang der Woche urteilte der Vorsitzende Richter nun wie das Oberverwaltungsgericht, obwohl es zuvor im August den Baustopp verhängt hatte. "Der Richter hat uns sein Urteil ausführlich erläutert", sagt Bernd Schwemin, der mit einigen seiner Nachbarn vom Dechenweg den Klageweg beschritten hatten. Doch dieser habe dabei auch klar gemacht, dass die Gegenseite bei einer anderen Entscheidung in die Revision gegangen wäre und die Anwohner dann mit hohen Verfahrenskosten für ein Verfahren am OVG hätten rechnen müssen.

Der Knackpunkt, warum der Richterspruch gegen die Anwohner ausgefallen ist, sei die Zustimmung der Bezirksvertretung (BV) 9 aus dem Dezember 2016, der von der Verwaltung vorgeschlagenen Befreiung für den Bau des Masten zuzustimmen. Bereits im März zuvor hatte die BV dem Abschluss des 15 Jahre laufenden Mietvertrages zwischen dem Sportamt und der Telekom zugestimmt. Deren Mitglieder hatten bei ihrer Entscheidung jedoch nicht den Eindruck, dass der Bau der Anlage die Gemüter der Sportplatz-Anlieger in Wallung bringt.

Schwemin ist trotzdem sauer auf die Stadtteilpolitiker. Damit habe die BV damals Fakten geschaffen, die laut Richter nicht mehr rückgängig zu machen gewesen seien, sagt er. Seiner Meinung nach hätten sich die BV-Mitglieder von der den Planungen beigefügten Zeichnung der Verwaltung täuschen lassen. Sauer ist er aber auch auf die Stadtverwaltung, die die Nachbarn in die Planungen erst gar nicht mit einbezogen hatte. So habe auch eine zweite Begehung ohne Beteiligung dieser stattgefunden. Ende Juni erst habe es eine Informationsrunde im Vereinsheim von Wersten 04 mit Mitarbeitern von Verwaltung und der Funkturm GmbH, einer Tochter der Telekom, gegeben.

Dabei, so Schwemin, soll bei einer Begehung Mitte Juni - allerdings ohne die Anwohner - ein Alternativstandort für den Masten auf der Sportanlage gefunden worden sein. Der Mast hätte auch am Südostrand des Sportplatzes aufgestellt werden können. Der wäre dann näher an die Grundstücke Ickerswarder Straße gerutscht. Der Abstand zu diesen Grundstücken wäre aber größer gewesen als die Entfernung des nun stehenden Mastes zu den Grundstücken am Dechenweg. Dafür wären wegen einer Neuplanung Kosten in Höhe von 30.000 Euro und ein zweijähriger Zeitverzug entstanden. Mit Hinblick auf die Genehmigung der BV hat die Verwaltung das wegen der entstehenden Kosten abgelehnt. Das Unternehmen hatte sich bereiterklärt die Verlegung mitzumachen, wenn für sie keine zusätzlichen Kosten entstanden wären. "Die Stadt hat uns aber noch nicht einmal gefragt, ob wir bereit wären, das Geld zu zahlen", erläutert Schwemin. Er hätte sich das gut vorstellen können. Denn eine Nachfrage bei seiner Bank habe ergeben, dass sein Haus nun tatsächlich etwas weniger wert sei, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit diesem Wissen blickt er nun ständig von der Rückseite seines Hauses über den Garten auf den Funkmast: "Bei meinen Nachbarn ist das nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Der Richter hat uns den Tipp gegeben, zu schauen, ob noch weitere Antennen auf den Mast kommen".

Quelle: RP
 
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